Über die Barmherzigkeit der Kirche mit Geschiedenen und Wiederverheirateten
Theologisch korrekt allein hilft nicht weiter

In der Basilika-Sakristei Stadtpfarrer Thomas Vogl und (von links) Pfarrvikar Marianus Kerketta zusammen mit dem Prediger zum Auftakt der Reihe am Donnerstag, Diakon Michael Weißmann. Bild: kgg
Vermischtes
Waldsassen
20.02.2016
124
0

"Herzlose Kirche? - Barmherzigkeit mit Geschiedenen- Wiederverheirateten" war das Thema der ersten Fastenpredigt. Weitere werden folgen in den nächsten Wochen bei den Abendgottesdiensten in der Basilika, jeweils am Donnerstag. Als ersten Prediger konnte Stadtpfarrer Thomas Vogl Diakon Michael Weißmann aus Regensburg begrüßen. Er ist Leiter der Katholischen Beratungsstelle für Ehe-, Familie- und Lebensfragen.

Die Familien-Synode im Herbst vergangenen Jahres war ein herausragendes Ereignis im bisherigen Pontifikat von Papst Franziskus: Es wurde diskutiert, geredet und teilweise auch hart miteinander gerungen. 270 Bischöfe haben sich auf 94 Aussagen zu Ehe und Familie geeinigt.

Viel Raum für Nacharbeit


Weißmann sprach von einer mutigen Sicht auf die Wirklichkeit: Es gebe mittlerweile eine Vielzahl von Entwicklungen und Entwürfen des Lebens, an denen die Kirche nicht mehr vorbeigehen könne. Das Abschlussdokument lasse aber viel Raum für viel Nacharbeit, sagte Diakon Michael Weißmann einleiten seiner Predigt. "Viele erwachsene Menschen erfahren im Scheitern ihrer Paarbeziehung die erste und vielleicht einzig wirkliche Niederlage ihres Lebens", sagte der Diakon, der davon aus seinem Berufsalltag weiß. Trennung einer Ehe oder einer langjährigen Beziehung sei zu einem das Ende einer Liebesgeschichte. Dies sei für sich schon allein sehr traurig. Zum anderen aber würden sich Ehen nicht im luftleeren Raum abspielen: "Es gibt Kinder, es gibt gemeinsamen Besitz, es gibt ein gemeinsames Zuhause oder andere Aufgaben für die man gemeinsam verantwortlich ist", sagte der Prediger.

Nicht immer böser Wille


Die Auflösung einer Paarbeziehung sei nicht immer dem bösen Willen oder Nachlässigkeit eines oder beider Partner zuzuschreiben. "Es kann unverantwortlich sein, sich selbst, dem Partner und auch den Kindern gegenüber, Gemeinsamkeit äußerlich aufrechtzuerhalten, wenn sich innerlich nicht mehr mit Leben zu füllen ist", sagte der Diakon. Mit seinem Anspruch von Barmherzigkeit hinterfrage Papst Franziskus auch das Handeln der Kirche selbst. Dies mache Mut - selbst denen, die von ihren Bischöfen bei dieser Synode eigentlich ein wenig mehr erwartet hätten, sagte der Prediger. Erstes Handeln der Kirche, in deren Gemeinschaft man lebe, wäre es demnach, die sich trennenden und eine neue Partnerschaft eingehenden Menschen nicht gleich moralisch zu bewerten. Die Kirche könne wenigstens für möglich halten, dass die Menschen eventuell etwas tun was notwendig und vielleicht sogar sinnvoll war.

Hier gehe es um Menschen. Es helfe nicht allein theologische Korrektheit. Wichtiger sei vielmehr die Zuwendung zu Menschen, "... die sich gegenseitig das Leben rauben und aus dieser Falle gemeinsam nicht mehr herauskommen", sagte der Diakon. (Info-Kasten)

Die weiteren TermineNach dem Auftakt der Predigtreihe am Donnerstag folgen noch drei weitere Termine in der Basilika. Die Themen und Prediger im Überblick: Am Donnerstag, 25. Februar, predigt Dekan und Notfallseelsoger Johannes Lukas aus Weiden St. Konrad zum Thema "Notfallseelsorge - ein Werk der Barmherzigkeit". Am 10. März predigt Prior Pater Theophan Beierle OCD, vom Karmeliterkloster St. Josef in Regensburg zum Thema: "Beichte -Sakrament der Versöhnung" - die stets offene Pforte der Barmherzigkeit. Abgerundet wird die Fastenpredigtreihe am 17. März von Diakon Ulrich Wabra von der Pfarreiengemeinschaft St. Emmeram und Dompfarrei St. Ulrich, Regensburg mit dem Thema: "Barmherzig leben ist befreit leben".(kgg)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.