Unbeständiges Winterwetter
Wasser in der Liftspur

Technischer Leiter Michael Andörfer, Kassier Karlheinz Lutz, Vorsitzende Silvia Stark, Max Kreitmeier (Skihütten-Chef), Skikurs-Koordinator Michael Fuhrmann und Abteilungsleiter Gerwig Gerl (von links). Bild: pz
Vermischtes
Waldsassen
28.10.2016
132
0
 
Die Nachfrage ist durchaus vorhanden, nur das Wetter vermiest Wintersportlern an der Skianlage Schloppach immer wieder den Pistenspaß. Archivbild: Grüner

Jeweils im Frühjahr, bei der Generalversammlung des Turnvereins Waldsassen, kommt die Problematik auf den Tisch. Mit der Skianlage Schloppach läuft's nicht mehr rund. An den Wintersportlern liegt es aber nicht.

"Schuld" daran ist vor allem das unbeständige Wetter. Weniger als 30 Skitage zählen die Verantwortlichen der TVW-Skiabteilung - in den vergangenen drei Winter-Halbjahren. In einer Saison lief der Lift überhaupt nicht. "Das Thema wird immer präsenter", erklärt Vorsitzende Silvia Stark über den vereinsinternen Spagat im Gespräch mit dem NT. Denn der Aufwand an Geld und Arbeit bleibt - egal ob Wintersport im Stiftland unmöglich ist oder die Skianlage floriert wie früher. Dabei scheitert es an der Nachfrage keineswegs. Wintersportler warteten förmlich auf den sprichwörtlichen Startschuss - dass Pisten und Lifte bereit sind für den Saisonbeginn.

Davon berichten auch die Ski-Übungsleiter. Sie bringen - gute Schneelage vorausgesetzt - seit vielen Jahren erfolgreich Anfängern auf den Skiern das sichere Gleiten auf der Piste bei. "Die erste Anmeldung habe ich schon", zeigt Michael Fuhrmann die entsprechende Nachricht auf seinem Smartphone.

"Leute sind scharf drauf"


"Die Leute sind richtig scharf drauf", erklärt der Skikurs-Koordinator. "Zwei Wochen brauchen sie, dann fahren sie am großen Hang", erklärt Fuhrmann über die Kinder, die sich zunächst auf der Familien-Abfahrt tummeln. Doch vielfach dauerten die zusammenhängenden Phasen gar nicht so lang, die unbeschwerten Pistenspaß an in Schloppach erlauben würden. "Am Freitag hatten wir 20 Grad minus, am Sonntag Tauwetter", erinnert sich Max Kreitmeier an einen der rapiden Temperatur-Umschwünge binnen weniger Tage in der Vergangenheit. "Was willst' machen, wenn dir das Wasser die Liftspur herunterläuft?", sagt Max Kreitmeier.

Schneearm auch in 80ern


Es könne halt immer passieren, dass das Wetter umschlägt. Michael Andörfer verweist auf die unterschiedlichen Wetterbedingungen in Waldsassen und in Schloppach. Dort wäre Skifahren selbst dann noch möglich, wenn dies die Schneelage im Stadtgebiet nicht vermuten ließe. Vorschnell aufgeben? Das ist für die für die Skianlage Verantwortlichen im Moment kein Thema. "Wir können es uns nicht so leicht machen und sagen: Jetzt sperren wir zu", sagt Kreitmeier. Schneearme Winter habe es früher schon gegeben, selbst in den 80er Jahren, mehrere nacheinander.

Nur mit Engagement, Zusammenhalt und Idealismus"Das geht nur, weil die Leute hier herunten so gut zusammenhalten", sagt TVW-Vorsitzende Silvia Stark über das enorme Engagement der Verantwortlichen in der Skiabteilung. "Die werkeln hier mit vereinten Kräften und mit einem Riesenpacken Idealismus.

Kassier Karlheinz Lutz hat ganz genau aufgezeichnet, wie oft in den vergangenen Jahren der Lift in Betrieb gewesen ist: In der Saison 2015/16 sind in der Liste drei Skitage vermerkt, im Winterhalbjahr zuvor 20 und der "Winter" 2013/14 ist als Totalausfall für die Skianlage verbucht, mit keinem einzigen Betriebstag. 2016 ist die Beschneinungsanlage insgesamt 60 Stunden gelaufen. Das bedeutet, dass zwischen 30 und 35 Leute Personal benötigt werden, alles ehrenamtliche Helfer. Gefragt und gefordert sind die TVW-Leute auch vor- und nach der Saison - zum Mähen des Geländes sowie für die Wartung und Pflege der Maschinen und Geräte, darunter auch die inzwischen zehn Jahre alte Pistenraupe "Chantall".

"Wir schauen uns gefühlte 200 Wetterberichte an", sagt Karlheinz Lutz über die Phase vorm Saisonstart. 100 Stunden dauert es, bis der Hang komplett beschneit ist und die Unterlage für den Wintersportbetrieb reicht. Bei einem Umschwung zu mildem Wetter lasse sich noch eine gewisse Zeit überbrücken: Denn als Reserve wird haufenweise Schnee produziert. Um die dadurch entstehenden Kosten zu decken wären längere Phasen nötig - mit 50, 60 oder gar 70 Skitagen am Stück - am besten in der zweiten Hälfte der Ferien. "Dann sind auch die Kinder noch da", heißt es aus den Reihen der TVW-Leute.

"Wir werden die Anlage am Laufen halten so lange es geht", sagt Max Kreitmeier bei aller Problematik. Denn die Anlage sei nach wie vor beliebtes Ziel, auch von Leuten aus Tschechien, obwohl dort auch Konkurrenz erwachsen sei. (pz)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.