Verbindungen von Karl IV. zum Kloster Waldsassen
Ein Gönner der grauen Mönche

Burg Karlstein bei Prag, die Kaiser Karl von 1348 bis 1355 errichten ließ und die heute als museale Einrichtung zu besichtigen ist. Bilder: Archiv Treml/ hfz
Vermischtes
Waldsassen
12.02.2016
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Ein Porträt Karls IV. mit einer Ansicht der Burg Karlstein im Hintergrund aus dem 17. Jh.

Der Jubilar hat etliche "Spuren" hinterlassen in der nördlichen Oberpfalz - den Erwerb eines Landstrichs "Neuböhmen" und die dazu gehörige "Goldene Straße". Sie führte von Hirschau über Kohlberg, Weiden und Neustadt nach Bärnau - eine Landbrücke von Prag nach Nürnberg.

Der einstige deutsche Kaiser und böhmische König Karl IV. steht anlässlich seines 700. Geburtstags am 14. Mai im Mittelpunkt der großen, bayrisch-tschechischen Doppelausstellung (wir berichteten bereits im überregionalen Teil). Bei der Haltung des Kaisers als Wohltäter und Gönner des Stifts Waldsassen spielte eine wichtige Rolle das Dorf Bärnau. Es war am 3. September 1343 vom Kloster mit Erlaubnis Kaiser Ludwigs des Bayern zur Stadt erhoben worden und durfte mit Wall und Graben umgeben werden.

Erster Kontakt mit dem Stift


Nachdem Karl IV. im Juli 1346 zum deutschen und im September 1347 auch zum böhmischen König aufstieg, trat er bereits 1350 mit dem Stift Waldsassen erstmals in Kontakt, als er dem Kloster 660 Schock Prager Groschen zuwies. Sie sollten die Bürger von Eger für die dort ermordeten Juden bezahlen. Um 1350 brachte König Karl auch die begehrte Stadt Bärnau mit mehreren Orten im Wege der angeblichen "Rücklösung" aus dem Besitz des Klosters an sich. Der Vollzug dieses Rechtsaktes erfolgte mit zwei Urkunden vom 8. Oktober und 22. November 1358. Letztere wird heute im Staatsarchiv Amberg verwahrt.

Böhmische Dörfer für Abtei


Darin kam auch zum Ausdruck, dass Karl IV. - wie schon sein Vorgänger - das Kloster Waldsassen in den Schutz des Königreiches Böhmen nahm. Die Abtei sollte ungehindert im Besitz aller übrigen Dörfer bleiben. Außerdem galt, dass die böhmischen Amtsleute in Bärnau das Kloster in keinster Weise durch etwaige Abgaben belasten durften.

Ungeachtet dieser Urkunde ist die Stadt Bärnau bereits in der großen Inkorporationsurkunde vom 5. April 1355 verzeichnet, in der Karl IV. seine Besitzungen in Nordbayern der Krone Böhmens einverleibte. Demnach sollte das "Städtlein Bärnau" für ewige Zeiten zum Königreich Böhmen gehören, "... damit die böhmischen Könige zur Wahl eines römischen Kaisers seinerzeit einen besseren Zutritt hätten und mit besserer Gelegenheit durchkommen könnten".

Ganz ohne Schulden


Im gleichen Jahr 1355 zeigte sich Karl dem Kloster Waldsassen einmal mehr gewogen und sprach die Mönche von allen Schulden los, die sie den Juden, ihren Kammerknechten schuldig waren, wobei alle Briefe darüber vernichtet werden sollten. Außerdem genehmigte Karl, dass die Waldsassener Mönche ihr Klostergut Chodau, einen Hof mit 2 Pflügen und das Dorf selbst mit allem Zubehör an Trost Winkler in Kinsberg verkaufen durften. Eine weitere Bestätigungs-Urkunde Karls, datierend vom 1. Januar 1360 besagte, dass das Gut Albenreuth und die Feste Hardeck Eigentum des Klosters seien, weil Abt Nikolaus Schreiber entsprechende Beweisbriefe vorgelegt hatte. Karl IV. befreite überdies Waldsassen von dem "Onus", also der Abgabe, wonach das Kloster bei der jeweiligen Abtwahl gewisse Leistungen an Pferden und Geld wegen der Lehen an den böhmischen König zu gewähren hatte. Damit bewies Karl IV. als böhmischer König überzeugend seine noble, wohlwollende Haltung als Wohltäter und Förderer gegenüber den grauen Mönchen im Stiftland.

Kaiser Karl IV. verstarb nach vielen durchlittenen Höhen und Tiefen seiner drangvollen Regierungs-Epoche am 29. November 1378. (Info-Kasten)

Waldsassen im Schatten der Goldenen StraßeWegen der immensen Bedeutung von Karl IV. auch für Franken und die Oberpfalz war es der erklärte Wunsch der Organisatoren der Landesausstellung, neben den beiden zentralen Orten auch ein breitgefächertes Begleitprogramm mit grenzüberschreitenden Projekten in Nordbayern und Tschechien zu initiieren. Daran beteiligt sich auch das Stiftlandmuseum Waldsassen ab 16. März mit einer Sonderausstellung zum Thema. Die Schau trägt den Titel "Waldsassen im Schatten der Goldenen Straße: Stiftland - Egerland".
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