Vorträge in der Umweltstation mit Professor Johannes Luers und Sven Stinner in Waldsassen
Mensch beim Klimawandel der größte Risikofaktor

Die Veranstalter des Informationsabends zum Thema Klimawandel in der Umweltstation Waldsassen, links Josef Siller vom Bund Naturschutz sowie (von rechts) Geoökologe Michael Selinger mit den Referenten, Klimawissenschaftler Dr. Johannes Luers und Soziologe Sven Stinner. Foto: mdk
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Waldsassen
01.04.2015
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(mdk) "Im Klimawandel auch die Chance sehen" - dies war wohl die überraschendste Aussage von Dr. Johannes Luers, Klimawissenschaftler und Dozent der Universität Bayreuth, anlässlich eines Informationsabends im Kultur und Begegnungszentrum (KuBZ) Abtei Waldsassen.

Zweiter Referent war Soziologe Sven Stinner. Beide Vorträge ergänzten sich ideal, beide mit ungewöhnlichen Botschaften. Veranstalter war der Leiter der Umweltstation im KuBZ, Michael Selinger. Die Kreisgruppe Tirschenreuth des Bund Naturschutz schloss sich an. Dr. Luers verstand es, die komplexen Vorgänge des Klimawandels gut verständlich und auch für Laien nachvollziehbar darzustellen. Hauptursache sei die erhöhte Temperatur der Erde, die in höheren Schichten zu massiven Luftdruckveränderungen führe.

Mensch hat keinen Einfluss mehr

Die Folgen: Extreme Wetterveränderungen mit hohen Temperatursprüngen, zeitliche Verschiebung der typischen klimatischen Bedingungen zu den verschiedenen Jahreszeiten, außergewöhnlich heftige Stürme mit starken Regenfällen in kürzester Zeit - bisher noch regional verkraftbar, in Zukunft global und flächendeckend. Auf die physikalischen Vorgänge habe der Mensch keinen Einfluss mehr, da sie bereits vor etwa 40 Jahren ausgelöst wurden. Maßnahmen,die heute ergriffen werden, kommen erst nach einem entsprechend langem Zeitraum zur Wirkung. Bange Frage aus dem Publikum: "Welchen Sinn hat es dann überhaupt dem Klimawandel entgegen zu wirken?" Darauf hatte Dr. Luers eine Reihe von Antworten.

Vorausschauende Planung

Die große Chance sah er darin, sich auf dieses Wissen einzustellen. Zum ersten mal in der Geschichte der Menschheit weiß man, welche klimatischen Veränderungen kommen werden. Dr. Luers, der regionale Auswirkungen für Kommunen und Wirtschaft wissenschaftlich begleitet, sprach von vorausschauender Planung - etwa beim Anlegen von Überschwemmungsflächen oder im Trinkwasser- und Abwassersystem der Städte und Gemeinden. Städteplaner und Architekten könnten sich vorausschauend darauf vorbereiten.

Ökologisches Miteinander möglich

Mit intelligenter Technik könne man vieles in Griff bekommen und zudem gewinnbringend vermarkten. Größter Risikofaktor sei das unberechenbare Verhalten der Menschen. "Viele verschließen vor bereits bekannten Gefahr die Augen, andere versinken schon vorab in Resignation." Wie man Bewusstsein wecken kann und wie auch jeder Einzelne seinen Beitrag dazu leisten kann, die Tatsachen wahrzunehmen und entsprechend zu handeln, darüber berichtet vorab schon Soziologe Sven Stinner. Vieles werde erträglicher und manches sei noch zu retten, wenn sich das gesellschaftliche Leben dementsprechend wandelt. Anhand beeindruckend schöner Bilder zeigte er, mit wie viel kleinen Aktionen, dass ökologisches Miteinander möglich ist.

Stinner ist, unter anderem, Vorreiter, Ausbilder und Begleiter für "Stadtgärten". Anbauflächen für Gemüse und Obst im städtischen Bereich sorgen für gesunde, bewusste Ernährung, verbessern die Luftverhältnisse und wirken der individuellen Vereinsamung der Bewohner entgegen. Eine regional sinnvolle Umstrukturierung des Marktes wäre so nach und nach erreichbar. Durch bewusstes Konsumverhalten lasse sich mehr zum Besseren wenden, als man allgemein für möglich halte. Dazu gehöre auch der Umgang mit Müll und mit reparaturfähigen Geräten im Alltagsgebrauch.
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