Waldsassener Survival-Fan ist für den Ernstfall bestens gerüstet
Sein Hobby: Überleben

Survival-Fan Thomas Langner: "Ich bin kein Weltuntergangsfanatiker, aber wenn der Fall der Fälle eintritt, stehen viele auf dem Schlauch."
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Waldsassen
29.08.2016
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Die Bundesregierung ruft Bürger auf, Notvorräte anzulegen für Katastrophenfälle wie Cyberangriffe und kontaminiertes Trinkwasser. Was bei einigen Überlebensängste auslöst, darüber kann Thomas Langner aus Waldsassen nur müde lächeln. Sein Hobby ist das Überleben.

Waldsassen/Berlin. In der neu aufgelegten "Konzeption Zivile Verteidigung" hat die Regierung die Notfallversorgung überarbeitet und ruft vor allem die Bürger auf, Wasser und Lebensmittel zu horten. Im Ernstfall braucht der Waldsassener Thomas Langner keinen vollen Lebensmittelschrank, sondern nur seinen Rucksack. "Damit kann ich drei Tage draußen überleben, mit ausreichender Wasserversorgung auch eine Woche." Das hat er schon öfter getestet. "Manchmal haue ich einfach ab", erzählt er. Dann zieht der 37-Jährige allein oder in einer Gruppe durch die Wälder der Oberpfalz, baut Unterschlüpfe oder schnitzt Löffel.

Notfall-Ausrüster boomen


Auf seiner Webseite "Bushcraft Oberpfalz" teilt der Waldsassener sein Wissen - einige Oberpfälzer sind dabei, aber vor allem Leute aus den USA, Russland und Japan. "Bushcrafter" testen Überlebenstechniken wie Biwakbau oder Feuer machen, "Prepper" bereiten sich speziell auf Katastrophenfälle vor. "Vor allem die Amis sind beim Prepping total extrem", erzählt Langner. Seine amerikanischen Internetkollegen bauen sich sündhaft teure Luftschutzbunker in den Garten, lagern Gasmasken und statten sich mit Waffen aus. Durch den neuen Krisen-Plan der Bundesregierung verzeichnen auch Notfall-Ausrüster in ganz Deutschland einen regelrechten Bestell-Boom. Seit dem Aufruf der Bundesregierung "drehen die Leute am Rad. Wir arbeiten mehr oder weniger rund um die Uhr", berichtet etwa Benjamin Blech vom Krisenausrüster "Segurisk" der Deutschen Presse-Agentur.

Langner nimmt das nicht zu ernst. Für ihn ist "Bushcrafting" ein Freizeitvergnügen - aber auch Krisenvorsorge. "Ich bin kein Weltuntergangsfanatiker, aber wenn der Fall der Fälle eintritt, stehen viele auf dem Schlauch." Er nicht. Wenn er mit seinem Rucksack loszieht, ist er vollkommen unabhängig. Sollte das Stromnetz zusammenbrechen, hat er Taschenlampen und eine Powerbank. "Die reicht immerhin für zweimal Handy aufladen." Natürlich ist auch ein Kocher im Gepäck, der mit Spiritus oder Holz feuert. Sollte die Trinkwasserversorgung ausbleiben, hat er Vorräte, aber auch Wasserreinigungstabletten - "da schmeckt das Wasser wie im Schwimmbad, aber besser als nix" - und einen Reinigungsfilter, der Keime und Schwebstoffe filtert: "Damit kann ich täglich 3 Liter filtern, 90 Jahre lang."

Ich bin kein Weltuntergangsfanatiker, aber wenn der Fall der Fälle eintritt, stehen viele auf dem Schlauch.Survival-Fan Thomas Langner

Pulver gegen den Hunger


Messer, Säge, Axt und Kompass helfen beim Überleben. Bei den Lebensmitteln hält Langner sich nicht lange mit den Empfehlungen des Bundesamts für Katastrophenschutz auf (siehe Grafik). Alles, was er zum Essen braucht, befindet sich in einer kleinen Box, der sogenannten "Einmannpackung". "Die hält drei Tage", erzählt der Waldsassener. Zwölf Packungen davon hat er daheim stehen und eine in seinem Rucksack. Darin vor allem Pulver: Kaffee-, Tee- und isotonisches Getränkepulver. Müsli, zwei Fertiggerichte und: "Mousse Stracciatella-Pulver, das rührt man mit Wasser an und schmeckt total geil." Luxus für den Überlebenskämpfer.




Das Interesse für sein Hobby habe seine Oma in ihm geweckt: "Früher war das ganz normal, dass Leute eingeweckt haben und sich ohne Technik zu helfen wussten. Das ganze Wissen geht doch verloren. Früher hatte jeder eine gut gefüllte Speis." Langner hat den Eindruck, dass das Interesse an Überlebenstechniken und Krisenvorsorge steigt. Zu Recht: "Wenn man nur die Hälfte von dem glaubt, was man liest, dann kann jemand mit einem Laptop mittlerweile schon unsere gesamte Infrastruktur lahm legen." Zwar ist auch die Bundesregierung gerüstet. Die staatliche Notvorsorge sichert die Minimalversorgung mit Trinkwasser für mindestens 14 Tage (siehe Grafik). Zwei Wochen sind keine Ewigkeit.

Überleben als Entspannung


Ein privater Vorrat von zwei Wochen, wie das Bundesamt für Katastrophenschutz empfiehlt, ist nach Meinung des Waldsasseners ohnehin zu wenig. "Wenn wirklich mal alles zusammenbricht, dann braucht man einen Vorrat von mindestens 30 Tagen." Doch trotzdem macht sich der Waldsassener nicht verrückt. Der Maschinenmann bei einer Mittterteicher Firma sieht das Überleben als Entspannung. "Mal so ein paar Tage im Wald, weg von der Zivilisation, da komme ich richtig runter."

Tipps für den Ernstfall vom ExpertenEinen Grundvorrat für 14 Tage soll jede Person haben, empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (siehe Grafik). Doch wo soll zum Beispiel eine fünfköpfige Familie die nötigen 140 Liter Wasser in ihrer Mietwohnung lagern? "Diese Liste ist nur eine Handlungsempfehlung", sagt Wolfgang Kast, Teamleiter für gesundheitlichen Bevölkerungsschutz und Rettungswesen beim Deutschen Roten Kreuz in Berlin.

Wer nicht in der Nähe von Flüssen wohnt, müsse nicht unbedingt mit Hochwasser rechnen. "Ein Stromausfall kann mich aber trotzdem treffen." Kast empfiehlt deshalb: "Ich sollte mich mindestens 24 Stunden selbst versorgen können, besser noch 48 Stunden." Auch weitere Tipps hat der Experte auf Lager. "Auf einen Grill kann man im Zweifel auch einen Topf stellen". Eine Taschenlampe mit genügend Batterien sei ebenfalls wichtig, um nicht im Dunkeln zu sitzen. "Wenn Sie ein Radio mit Kurbel haben, können Sie im Zweifel auch Nachrichten hören, wenn es keinen Strom gibt."

Nicht alle Unglücke passieren unvermittelt. Manchmal kündigen sich Katastrophen auch an, zum Beispiel starke Unwetter. "Füllen Sie in einem solchen Fall die Badewanne mit Wasser", rät Kast. "Das Wasser können Sie dann für viele Dinge nutzen, wenn die öffentliche Wasserversorgung unterbrochen ist. (dpa/blu)




Tschüss, Welt - Angemerkt von Beate-Josefine LuberDer Blick in den Vorratsschrank: Verstaubte exotische Gewürze aus dem letzten Marokkourlaub. Die obligatorische Packung Nudeln. Diverse Alkoholika vom letzten Grillfest. Zum Überleben im Katastrophenfall reicht es nicht. Für eine kleine Abschiedsparty ist es gerade gut genug. Motto: "Tschüss, Welt."

Vorsorge liegt den meisten aus der viel beschworenen Millennials-Generation, die zwischen 1980 und 1999 geboren wurden, fern. Warum auch? Terror und Angst als ständige Begleiter sind schon normal. Auf eine staatlich garantierte Rente verlassen sich die Millennials nicht mehr. Finanzielle Vorsorge ist sinnlos, wenn das Geld in ein paar Jahrzehnten ohnehin nichts mehr wert ist. Immobilien-Kauf bindet, und wer weiß, vielleicht lebt man kommendes Jahr schon in Tokio. Und wer daheim Goldbarren anhäuft oder sich einen Luftschutzbunker in den Garten stellt, wird beim friedvollen Sonntagsspaziergang womöglich vom Auto überfahren.




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