Wallfahrt zum Geschändeten Heiland
„Mensch Meier!“

Beim Einzug in die Basilika begrüßte Abt Markus Eller einige der Kinder mit Handschlag.
Vermischtes
Waldsassen
26.09.2016
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Zuerst war es mucksmäuschenstill, dann gab es Beifall: Mit einer aufrüttelnden Predigt beeindruckte Abt Markus Eller am Sonntag in der Basilika.

Eine Sternwallfahrt der kirchlichen Vereine eröffnete den Festtag, bei dem der "Geschändete Heiland" besonders verehrt wurde. Hauptzelebrant war der 51-jährige Abt Markus Eller aus dem Benediktinerkloster Scheyern. Stadtpfarrer Thomas Vogl hieß neben dem Hauptzelebranten auch noch weitere Äbtissinnen und Äbte des Zisterzienserordens willkommen, die am Wochenende in Waldsassen ein Treffen hatten. Mit dabei war auch Pater Richard aus dem tschechischen Cheb (Eger). Vogl sah die zehnte Wallfahrt zum Gnadenbild als eine ganz besondere - auch weil aktuell wieder neue Zäune gegen Menschen aufgebaut werden.

"Im Kreuz ist Heil ..."


Abt Markus Eller verwies auf die Gemeinsamkeiten von Waldsassen und Scheyern: Beide Kirche werden derzeit restauriert. Nach dem von Äbtissin Laetitia Fech gesungenen "Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Liebe, im Kreuz ist Hoffnung" und dem Evangelium, vorgetragen von Pater Marianus, folgte die mit Spannung erwartete Predigt des gelernten Schreiners und jetzigen Abtes von Kloster Scheyern, Abt Markus Eller. Der rote Faden in seiner Predigt war "Mensch Meier". Diesen Ausdruck könne man bei Kritik, als Vorwurf oder auch als Zurechtweisung verwenden, eben als einen Appell an den Gegenüber verwenden. Vor seinem Besuch in Waldsassen habe der die Geschichte vom "geschändeten Heiland" gelesen, die er bisher noch nicht kannte. Diese Geschichte habe ihn berührt und betroffen gemacht, "Mensch Meier oder um Gottes Willen lag mir auf der Zunge", so der Abt. Warum gehe ihm und vielen anderen diese Geschichte so nahe, denn eigentlich sei dieses Kreuz nur ein Gegenstand, ein totes Material. Aber als gelernter Schreiner wisse er: "Holz ist nie tot, sondern immer lebendig".

"Wir sind alle aus dem gleichen Holz geschnitzt", benutzte der Abt eine bekannte Redewendung. Dennoch würden Menschen verletzt, geschunden oder getötet. Jeden Tag höre man von solchen Nachrichten, "Mensch Meier, warum ist das so, wir sind doch alle aus dem gleichen Holz geschnitzt?" Gott habe seinen Sohn in die Welt gesandt, damit die Welt durch ihn gerettet werde. "So hat Gott uns geliebt, Mensch Meier."

Der geschändete Heiland sei einst über die damals noch undurchlässige Grenze gebracht worden. "Gott sei Dank ist diese Grenze weg", so der Abt, um auf die aktuelle Situation einzugehen. Es werde seit einiger Zeit immer wieder über Grenzen gesprochen. "Man sollte wissen, es gibt nicht nur territoriale Grenzen, sondern auch sprachliche Grenzen, die Menschen verletzen". Der Abt weiter, "Mensch Meier, oder man könnte auch einen anderen Namen sagen". Bei all den Diskussionen sollte man nicht vergessen: "Es geht um Menschen". Dieses Stück Holz mahne uns, daran zu denken, dass wir alle aus dem gleichen Holz geschnitzt seien, diejenigen, die Menschen hier bei uns wohnen und leben, aber auch jene, die auf der Flucht sind.

Die Krönungsmesse


Ein Glanzlicht des Gottesdienstes war die musikalische Gestaltung: Basilika-Chor und Orchester unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter musizierten die Krönungsmesse von Wolfgang Amadeus Mozart. Solisten aus den eigenen Reihen des Chores waren Otmar Andritzky (Tenor), Johannes Röttges (Bass) sowie Gisela Malzer (Sopran) und Christine Kohl (Alt).

Es geht um Menschen.Abt Markus Eller über die aktuelle politische Diskussion
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