Wie Habgier wächst

Wolfgang Minssen (rechts) hatte zum ersten Philosophischen Stammtisch auch unterschiedliche Fachliteratur mitgebracht, die er am Ende der Veranstaltung interessierten Teilnehmern vorstellte. Bild: hfz
Vermischtes
Waldsassen
24.10.2016
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Auf den Spuren von Sokrates wandelten am Freitag 13 Teilnehmer des ersten Philosophischen Stammtischs im Kunsthaus. Künftig finden regelmäßig Treffen statt.

"Auf diese Veranstaltung habe ich lange gewartet. Es gibt bisher nichts Vergleichbares", freute sich Gerhard Götzl am Freitagabend über das neue Veranstaltungsangebot Philosophischer Stammtisch im Kunsthaus. Der pensionierte Grafenwöhrer Schulleiter war am Thema sehr interessiert und hatte, wie er erzählte, sogar schon einmal einen Schüler-Philosophiekurs angeregt. Götzl möchte trotz der räumlichen Entfernung zwischen Grafenwöhr und Waldsassen sehr gerne künftig regelmäßig dabei sein. Weitere Teilnehmer, darunter Rentner, Beamte, Geschäftsleute und Künstler, aus Waldsassen, Weiden, Plößberg, Josephshof oder Fuchsmühl waren ebenso gespannt, ob dieser Abend nun wirklich ihren Vorstellungen entsprechen würde. Während sich einige bei der Vorstellungsrunde erst einmal "nur" als Zuhörer outeten, gab es auch einige, die sich in der Thematik bereits gut auskennen.

Maßgeblich war es Wolfgang Minssens Ruf als Philosophie-Sachverständiger, der die Wege für diesen neuen Treff geebnet hat. Der ehemalige Schulleiter des Stiftland-Gymnasiums beschäftigt sich intensiv mit Philosophie und hat durch seine Volkshochschul-Seminare "Philosophische Spaziergänge" hohen Bekanntheitsgrad erlangt. Zum Einstieg erklärte Minssen den Begriff Philosophie anhand dreier Kernaussagen: "Was können wir wissen? Was sollen wir tun? Was können wir hoffen?" Mit dieser "Gesetzmäßigkeit der Philosophie" als Leitfaden für die kommenden Veranstaltungen leitete er über auf das Tagesthema, die Auseinandersetzung mit dem Buch "Haben oder Sein" von Erich Fromm. Die Lehre des 1900 geborenen Psychoanalytikers sei aktueller denn je: Fromm stellte die Habgier nach immer mehr Geld als zerstörerischen Faktor und Ursache für Kriege heraus. Bald entstand eine angeregte Diskussion über Fromms Thesen, der unter anderem schon 1975 in einem Buch von einer "gesunden Wirtschaft" auf Kosten krank werdender Mitarbeiter sprach. Umgesetzt auf die Jetzt-Zeit ging es bald auch darum, wie Habgier entsteht und wie sinnlos sie in Bezug auf menschliches Glück erscheint. Bevor sich die Teilnehmer, angereichert mit neuem Wissen über Philosophie, verabschiedeten, wurde als nächstes Thema die "Werteorientierung in der heutigen Gesellschaft" vereinbart. Nahezu alle waren sich einig, dass diese Veranstaltung eine Bereicherung für die Region sei. Der nächste Philosophische Stammtisch findet am Freitag, 18. November, um 19.30 Uhr im Kunsthaus Waldsassen in der Kunstgasse statt. Interessierte können sich an Ulla Britta Baumer, Telefon 0171/9 94 96 67 oder E-Mail ullabritta.baumer@gmx.de sowie an Wolfgang Minssen, Telefon 09633/9 12 76 oder E-Mail w.mi@w-minssen.de wenden.
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