Digitalisierung hilft Handwerk

Fast wie beim Feuerwerk präsentierte Christian Zwack, Innovations- und Technologieberater der HWK Niederbayern-Oberpfalz (rechts), den Zuhörern eine digitale Technik nach der anderen. Bild: sbü
Wirtschaft
Waldsassen
11.07.2016
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Viele denken nur an die Industrie, wenn von digitalen Techniken die Rede ist. Dabei bieten diese auch für den Handwerker enorme Vorteile. Die Handwerkskammer informierte jetzt darüber.

"Handwerk digital und Industrie 4.0" nennt sich die Veranstaltungsreihe, zu deren Auftakt die Wirtschaftsförderung und das Gründerzentrum im Landkreis Tirschenreuth eingeladen hatten. Christian Zweck, Innovations- und Technologieberater bei der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, referierte im Gründerzentrum. Längst haben auch im Handwerk Automaten und digitale Helferlein ihre Hände im Spiel.

Die Veranstalter präsentierten dafür zahlreiche Beispiele wie den 3-D-Drucker, der eine virtuelle Vorlage in einem sogenannten additiven Schichtverfahren zu einem gegenständlichen Objekt umwandelt. "Wir können damit bereits heute hochpräzise Teile fertigen", lobte der Referent diese Methode. "Hinterschnitte und Hohlkörper sind möglich, die in traditionellen Fertigungstechniken nicht hergestellt werden können." Besonders geeignet sei der Drucker für die Anfertigung von Ersatzteilen und Prototypen. Der Formen- und Modellbau könne ebenso wie die Orthopädietechnik davon profitieren.

Als weitere digitale Technik stellte Zweck den 3-D-Scan und Multicopter (Drohne) vor. Vor allem für die Bauwirtschaft und für Restauratoren würden diese Verfahren große Vorteile bieten. So könnten Baustellen problemlos ohne Gerüst dreidimensional erfasst und in ein Modell umgewandelt werden. Allerdings seien die rechtlichen Einschränkungen bei der Nutzung eines Multicopters zu beachten, sagte Zweck.

Ausführlich vorgestellt wurde eine "Handwerkersoftware" zur Kommunikation zwischen Baustelle und Büro. Termine, Planunterlagen, Auftragszettel, Stundenzettel, Bildaufnahmen bis hin zur Rechnungsstellung könnten damit verwaltet werden. Weitere Stichworte des Technologieberaters waren der "RFID-Chip" als Speicher und Sender wichtiger Informationen, die digitale Buchführung sowie automatisierte Kassensysteme für Metzger, Bäcker, Friseure und Einzelhandel. Wichtig war für den Referenten der Hinweis auf das neue Förderprogramm "Digitalbonus" des Freistaats für kleine und mittlere Unternehmen.

Empfehlungen für Handwerker zur Gestaltung ihres Auftritts im Internet fehlten nicht. Digitalisierung sollte nicht als Schreckgespenst betrachtet werden, empfahl Christian Zweck. Schließlich würden viele Kunden "online recherchieren, aber offline kaufen". Falls ein Betrieb sich für eine eigene App entscheide, müsse diese für den Kunden einen Zusatznutzen bieten, zum Beispiel aktuelle Mittagsgerichte einer Metzgerei. Ein eigener Online-Shop benötige auch Personal, damit er flüssig läuft. Chancen für Handwerker sieht der Berater auch in Visitenkarten mit dem sogenannten Zapper-Code, der dem Kunden zahlreiche Informationen einschließlich Videos übermittle.

Als Moderator führte der Projektleiter Bildungsmanagement, Hilmar Fütterer, durch die Veranstaltung. Gründerzentrums-Geschäftsführer Manfred Dietrich erkannte in der Region "einen echten Bedarf für Digitalisierung" und empfahl die Zusammenarbeit mit den Betriebsberatern der Handwerkskammer. "Der Kunde ist König", warb er dafür, dass die Betriebe trotz hoher Auslastung Kapazitäten für das Thema Digitalisierung schaffen. Unterstützung biete hier auch Lucie Valentová, Technologie- und Netzwerkmanagerin des Bezirks Oberpfalz.
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