Melanie Reber aus Waldthurn startet eigene Selbsthilfegruppe nach dem Tod ihrer Tochter
"Man will sein Kind nicht verleugnen"

Melanie und Stefan Reber mit Töchterchen Mia. Deren große Schwester Mayla wurde nur sechs Tage alt. Im Flur erinnert eine Collage an das Kind. Bild: m
Kultur
Waldthurn
23.02.2015
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Als bei Melanie Reber in der 26. Schwangerschaftswoche Blutungen einsetzen, handelt sie sofort. Die ausgebildete Kinderkrankenschwester lässt sich ins Klinikum bringen. Schon eine Stunde später ist Töchterchen Mayla auf der Welt: 900 Gramm leicht und 35 Zentimeter groß.

Mayla kam am 19. März 2013, einem Dienstag, zur Welt. Die Ärzte mussten mit einem Kaiserschnitt das Leben von Mutter und Kind retten, nachdem sich die Plazenta vorzeitig gelöst hatte. Auf der Kinderintensivstation des Klinikums Weiden kämpften Ärzte und Schwestern um das Leben des Frühchens. Bis zum Freitag entwickelte sich alles positiv. Dann allerdings wendete sich das Blatt ganz plötzlich.

Massive Blutung

"Als abends der Arzt zu uns ins Zimmer gekommen ist, wussten wir schon Bescheid", erinnert sich Melanie Reber. Die junge Mutter hatte eine Zeit lang selbst auf der Kinder-Intensivstation gearbeitet. "Dabei hat am Vormittag alles noch gut ausgesehen. Nach der Ultraschalluntersuchung haben wir aufgeatmet, es war alles in Ordnung." Die Freude währte nicht lange, Mayla erlitt im Laufe des Tages eine massive Gehirnblutung. Melanie Reber war klar: "Ich werde meine Mayla verlieren. Der Allgemeinzustand war total kritisch."

Nach der schlechten Nachricht verließ die geschockte Mutter um ein Uhr nachts fluchtartig die Entbindungsstation. Unter diesen Umständen konnte sie es nicht ertragen, das Zimmer mit einer frischgebackenen Mama zu teilen. Am nächsten Tag, einem Samstag, kehrten die Eltern zurück. "Dann haben wir Mayla zum ersten Mal auf den Arm bekommen." Am Nachmittag starb das winzige Baby in den Armen der Mutter. In einem gesonderten Raum durften die Eltern ihr Kind, das nun von allen Schläuchen und Kabeln befreit war, waschen und ankleiden. Nachdem der Totenschein ausgestellt war, überführte ein Bestatter das Baby mit Melanie und Stefan Reber nach Hause. "Ich habe Mayla im Arm nach draußen getragen," erinnert sich die Mutter. "Alle, die mich gesehen haben, haben wahrscheinlich gedacht, dass ich ein lebendiges Kind im Arm halte."

Zu Hause in Maylas Kinderzimmer "konnten wir dann erst einmal richtig Kontakt aufnehmen. Wir haben Mayla der ganzen Familie vorgestellt und Rosenkränze gebetet." Getauft worden war das Frühchen schon zwei Tage zuvor. Sechs Tage nach ihrer Geburt wurde Mayla in aller Stille bestattet. Später fand noch eine Trauerfeier in der Kirche statt, an der auch Freunde des Elternpaares teilnahmen.

Melanie Reber fühlte sich nach dem Tod ihrer Tochter "völlig überfordert". Sie wollte unbedingt jemanden finden, der das Gleiche erlebt hatte, und surfte durchs Internet. Fündig wurde sie schließlich bei den "Verwaisten Eltern", einer Selbsthilfegruppe, die sich regelmäßig auch in Weiden trifft. Nach anfänglichen Einzelgesprächen mit dem Gruppenleiter Winfried Hübner stieß Melanie Reber zu den anderen. "Ich bin in der Gruppe super aufgenommen worden," erinnert sie sich.

Doch bei Melanie Reber wurde bald mehr aus dem Kontakt zur Selbsthilfegruppe. Die Waldthurnerin nahm ein Angebot des Bistums Bamberg wahr und belegte einen Wochenendkurs. Jetzt leitet sie selbst eine spezielle Gruppe für "Frühtodbetroffene". "Mir persönlich hat geholfen, dass ich mich mit anderen Betroffenen austausche. Wichtig war aber auch der Halt in der Familie", betont die junge Mutter. Sie sagt: "Man will sein totes Kind nicht verleugnen, man will drüber sprechen, will, dass der Name des Kindes fällt."

Erinnerungs-Tattoo

Den Namen ihrer erstgeborenen Tochter hat sich Melanie Reber deshalb auf ihr Handgelenk tätowieren lassen. Auch Papa Stefan Reber trägt ein Erinnerungs-Tattoo: "Ich hab mir den Handabdruck über meinem Herzen stechen lassen", erzählt er. Beide Eltern raten anderen, so viele Erinnerungen wie möglich an ein früh verstorbenes Kind zu bewahren: "Man sollte einen Hand- und Fußabdruck machen, auch wenn das Kind bereits verstorben ist, und auch ganz viele Bilder. Sonst kann man nichts mehr aufholen."

Informationen:www.veid.de (Bundesverband verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland)www.verwaiste-eltern-muenchen.deKontakt:Gruppe Weiden: Winfried Hübner, Tel. 09645/1010; speziell für Frühtod-Betroffene: Melanie Reber, Tel. 09657/922 451
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