Alte Strukturen bewahren

Professor Andreas Hild (Dritter von rechts), Rudolf Fröschl (Vierter von rechts), Matthias Pfeil (Fünfter von rechts), Tobias Reiß (Sechster von rechts), Albert Rupprecht (Mitte), Bürgermeister Josef Beimler (Dritter von links) und Georg Braunreuther (links) präsentierten die Exponate der Studenten. Bild: fla
Lokales
Waldthurn
20.02.2015
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So viel Leerstand gibt es in Waldthurn gar nicht, sagt Professor Andreas Hild von der Technischen Universität (TU) München. Es müsse gar nicht so viel gemacht werden, wie man meint. "Wir müssen daran arbeiten - nicht unbedingt abreißen. Es muss sich alles behutsam weiterentwickeln."

MdB Albert Rupprecht hatte zur Präsentation "Alte Mauern neu beleben" eingeladen. 22 TU-Studenten erkundeten Waldthurn und machten sich in Semesterarbeiten Gedanken über einzelne, zum Teil leerstehende Gebäuden. Architektur-Professor Andreas Hild und Matthias Pfeil, Generalkonservator und Leiter des Landesamts für Denkmalpflege, erläuterten die Ideen. Im Mittelpunkt stand, alte Strukturen zu bewahren und Denkmäler zu erhalten. Ein fertiges Konzept gebe es jedoch noch nicht.

Wichtig sei, kombinierbare Förderungen zu finden und an Entwürfen weiterzuarbeiten. Die Studenten hatten maßstabsgetreue Modelle gebaut und Pläne gezeichnet. "Barrierefreiheit und Denkmalschutz - geht das und wohin führen diese Anforderungen?", war eine Kernfrage.

Fülle von Möglichkeiten

Die Hochschüler hätten am Szenario, die Strukturen um den Marktplatz zu erhalten, festgehalten. Bestimmte Strategien sind mit Sicherheit auch anderweitig anwendbar, informierte Hild. Für die "Brauerei" gab es drei Lösungen, den Marktplatz stellten die jungen Leute als "Ort der Begegnung" dar. Vorschläge kamen auch zur barrierefreien Erschließung von Gebäuden. "Ihre Häuser bieten eine Fülle von Möglichkeiten. Es wurde aber immer versucht, den Charakter zu erhalten", erklärte der Professor. Die Studie habe ihren Zweck erfüllt, wenn einiges genutzt werden kann und umgesetzt wird.

Pfeil erinnerte daran, dass ein Ort wie Waldthurn gewachsen ist. "Die Studie zeigt viele Varianten, aber man kann nicht alle eins zu eins umsetzen. Wenn man künftige Entwicklungen mit der Vergangenheit kombiniert, haben wir eine Zukunft.".

In der Diskussion tauchten viele Fragen auf. Hauptsächlich ging es um Möglichkeiten der Finanzierung und Fördermittel. Der Anspruch des Denkmalschutzes und die Fördermöglichkeiten oft in keinem Verhältnis zu einander stehen, meinten einige Teilnehmer. Hild stellte fest, dass die Politik durchaus etwas machen könnte und gefordert sei. Man müsse sich aber immer fragen: "Welchen Komfort wollen wir uns leisten?" Pfeil merkte an, dass das Ziel des Abends nicht Einzelprobleme sind, sondern gemeinschaftliche Überlegungen zu kombinieren und zu erkennen, welche Werte noch vorhanden sind.

"Wir haben noch Riesensprünge zu machen. Der heutige Abend ist nicht der Anlass Finanzierung und Gesetzgebung zu ändern", resümierte Rupprechts. Wichtig sei, Fäden zusammenzuführen, um Projekte zu verwirklichen. "Problematisch ist, dass es Fördermittel oft nur für Einzelprojekte gibt", ergänzte Georg Braunreuther vom Amt für Ländliche Entwicklung. Für eine vernünftige Finanzierung sei die Politik gefordert. Rupprecht war jedoch überzeugt, dass über kurz oder lang mehr Gelder zur Verfügung gestellt werden.

Modelle im Dorf lassen

"Wichtig ist, dass diese Studie bei uns im ländlichen Raum gemacht wurde, nicht in Berlin oder München", fand Bürgermeister Josef Beimler. "Vieles haben wir auch schon durchgespielt - meist sind wir an der Finanzierung gescheitert." Abschließend bat er darum, die Modelle noch länger in Waldthurn zu lassen, um sie auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
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