Archäologe erläutert Entdeckungen bei der Sanierung der Wallfahrtskirche auf dem Fahrenberg
Nonnenchor und Grabstätte

Lokales
Waldthurn
04.07.2015
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Einen vielschichtigen Blick in die Vergangenheit warfen Interessierte am Donnerstag auf dem Fahrenberg. Bei der Innenrenovierung der Wallfahrtskirche Mariä Heimsuchung traten Überbleibsel eines einmaligen Bodendenkmals - die Reste der gotischen Kirche aus dem 14. Jahrhundert - zum Vorschein (wir berichteten). Die Katholische Kirchenstiftung Waldthurn als Bauherrin sowie Architekt Rudolf Meißner engagierten den Lappersdorfer Archäologen Dr. Matthias Hensch für Untersuchungen.

Erste Ergebnisse stellte er nun vor. Mit dabei waren Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher, Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege und Kreisbaumeister Werner Kraus. Bei einem weiteren Ortstermin kamen über 100 Interessierte zur Wallfahrtskirche und ließen sich die archäologischen Ergebnisse zusammen mit Architekt Rudolf Meißner und dem Waldthurner Kirchenpfleger Max Kick erklären.

Erst gotisch, dann barock

Die Funde sind laut Hensch Mauerreste der gotischen Vorgängerkirche aus dem Jahr 1352 mit Altarblock und Grabstätten. "Wir sind zu den Wurzeln ihrer Kirche und ihrer Wallfahrt vorgedrungen - ohne die alte Kirche hätte es die jetzige nicht gegeben". Auf dieses gotische Gotteshaus setzten spätere Generationen die barocken Nachfolgekirchen.

Im 14. Jahrhundert holten die Herren von Waldau die Zisterzienserinnen auf den Fahrenberg. Bei der gotischen Klosterkirche von 1352 handelt sich um eine einschiffige Saalkirche mit einem klassischen 5/8-Chor im Osten in den Maßen 28 mal 12 Meter. Hensch: "Das heißt nicht, dass es keine ältere Kirche vor der Klosterkirche gegeben hat."

Spannend sei der Einbau von sechs Pfeilerfundamenten im Osten des Schiffes unmittelbar vor dem Chor. Diese Pfeiler könnten laut Hensch zu einem Nonnenchor gehören, auf der die Zisterzienserinnen der Ordensregel noch abgeschieden von der Öffentlichkeit an der Messe teilhaben konnten, ohne von unten gesehen zu werden. "Dieser Nonnenchor ist für die Oberpfalz einmalig", erklärte der Archäologe.

Neben einem Grab im Chorraum tauchte in der Mittelachse der Kirche ein Grab für mehrere Personen auf - vermutlich für die Herren von Waldau. Ein Skelett ist noch erkennbar.

Als die gotische Klosterkirche damals zu klein wurde, bauten die Waldthurner 1757 an gleicher Stelle eine barocke Kirche, die durch einen Blitzschlag 1775 abbrannte. Die dritte Kirche, die nun an diesem Platz steht ist die jetzige Wallfahrtskirche, die 1779 fertig war.

Eine steinerne Kirche des 12. und 13. Jahrhunderts könne am Standort der jetzigen Wallfahrtskirche ausgeschlossen werden. Allerdings gab es frühere Spuren menschlicher Ansiedlungen. Belegt werde dies durch Keramikfunde.

"Wir werden nun die Bodensituation herstellen, wie sie für die Sanierung gedacht war", sagte Architekt Meißner, um möglichst nah an den geplanten Termin 1. Mai 2016 heranzukommen. Alles mit einer Glasplatte abzudecken, sei nur möglich, wenn es sich um ein Museum handeln würde. Für die Kirche sei es aber undenkbar. So werden die Funde wieder dem Boden übergeben und nach Dokumentation mit entsprechendem Material aufgefüllt.
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