Asylbewerber nicht abschotten

Auf der Terrasse des Gesundheitszentrums beantworteten Bürgermeister Josef Beimler und Mitarbeiter des AK Asyl viele Fragen der Gäste aus dem Frankenland. Bild: fla
Lokales
Waldthurn
05.08.2015
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Schon seit einiger Zeit wohnen in Waldthurn Asylbewerber. Das Zusammenleben mit den Einheimischen funktioniert gut. Das zeigt auch ein Besuch aus dem Landkreis Hof.

"Es ist unsere Pflicht, anderen zu helfen, und sich humanitär anständig zu zeigen", forderte der Lichtenberger Stadtrat Rudolf von Waldenfels angesichts der momentanen Flüchtlingsflut. Mit ihm waren der Bürgermeister der kleinen Ritter-Stadt, Holger Knüppel, sowie Kerstin Hübner und Dr. Hartmut Hagemann, beide Zukunftswerkstatt, in die Oberpfalz gekommen.

Den Grund ihres Besuchs erläuterte Knüppel: "Wir möchten uns auf die Flüchtlingssituation vorbereiten." Bisher waren in seiner Gemeinde aus einer Notsituation heraus nur kurzzeitig acht unbegleitete Minderjährige untergebracht gewesen. Aber "es ist davon auszugehen, dass unserer Kommune Asylbewerber zugewiesen werden". Ihm sei zu Ohren gekommen, dass es in Waldthurn gut funktioniere. "Was können wir tun, um unsere Bürger darauf vorzubereiten?", fragten die Gäste aus Franken.

Integration in die Gemeinde

Zu diesem Treffen hatte Bürgermeister Josef Beimler auch die Helfer des Waldthurner Arbeitskreises (AK) eingeladen. "Wichtig ist vor allem, den Einheimischen von Anfang an die Wahrheit zu sagen", erklärte der Rathauschef. Zudem dürften die Flüchtlinge nicht in ein "Ghetto" abgeschoben werden. Falls möglich, sollten die neuen Mitbürger von Anfang an ins Gemeindeleben integriert werden. "Das hilft, viele Ängste abzubauen."

Die Flüchtlinge sollten nicht als Außenseiter behandeln werden. "Wir haben bisher fast ausschließlich Familien zugewiesen bekommen", sagte Marianne Pausch vom AK. Und Tanja Pflaum (AK) ergänzt: "Große Probleme gab es bisher bei uns eigentlich nicht - im Gegenteil." Die Familien, die nach Waldthurn kamen, "bringen sich gerne ein und schotten sich nicht ab". Häufig würden die Betreuer auch zum Essen eingeladen, denn Gastfreundschaft wird bei den Asylbewerbern groß geschrieben, berichtet Pflaum. Natürlich baue man auch eine Beziehung auf, allerdings sei immer im Hinterkopf, dass die Familien vielleicht wieder gehen müssten. "Je länger die Familien hier sind, umso schwerer wird es, sie wieder herzugeben", erläuterten Pausch und Pflaum. "Mancher braucht auch etwas länger, um sich mit einzubringen", sagte Heidi Kneidl (AK), die seit ungefähr einem Jahr dabei ist.

Die Franken dankten für die offenen Worte und luden zum Gegenbesuch ein. "Vielleicht wäre es möglich, zu unserer Bürgerversammlung zu kommen und auch dort Rede und Antwort zu stehen", bat Knüppel.
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