Eine fremde Welt

Zum Vortrag des pakistanischen Erzbischofs Joseph Coutts (Zweiter von rechts, mit Dolmetscherin) waren viele Interessierte in das Waldthurner Pfarrheim gekommen. Bild: fvo
Lokales
Waldthurn
24.10.2014
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Die Radikalisierung der Muslime war im Pfarrheim unlängst ein Thema des pakistanischen Erzbischofs Joseph Coutts. Den zahlreichen Besuchern bot er einen Einblick in die Seelenlage der Fundamentalisten. Coutts selbst sucht den interreligiösen Dialog.

Er ist ein äußerst sympathischer Kirchenmann mit weißer Mähne und Vollbart. Im erstern Augenblick wirkt er wie das Abbild eines Mannes, der in jede Werbung passen würde. Coutts hat gute Verbindungen zu gemäßigten Imamen in Pakistan.

Eingeladen hatte die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Neustadt/WN - Stadt Weiden und die Arbeitsstelle Weltkirche. Dr. Thomas Rigl als Leiter der Stelle war begeistert vom regen Interesse der zahlreichen Besucher. Zunächst zelebrierte der Bischof zusammen mit dem Waldthurner Pfarrer Marek Baron einen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Sebastian. Zur Einstimmung des Vortrags lief ein Film, der den Alltag der insgesamt 2 Prozent Christen in Pakistan zeigte und die Geschichte des Landes durchleuchtete.

Ein Raunen ging durch die Reihen, als der Bischof erzählte, dass in seiner Heimat eine Zeugenaussage eines Muslim höher bewertet werde als die eines Christen. Das Zeugnis einer Frau sei nur die Hälfte wert als das eines Mannes. Das Blasphemie-Gesetz besage, dass bestraft werde, wer den Koran in den Schmutz ziehe. Wer Mohammed beleidige, werde zum Tode verurteilt. Das Problem sei, dass dieses Gesetz leicht missbraucht werden könne.

Die Besucher folgten äußerst interessiert den Ausführungen des Direktors von Caritas-Pakistan, dessen englischen Vortrag eine Dolmetscherin übersetzte.

In den Augen der Muslime habe die westliche Welt die Kriege in Irak und Afghanistan als moderne Kreuzzüge begonnen. Die Gefahr komme von den muslimischen Fundamentalisten, die alle Christen als "verdorben" sehen.

"Ist das große Problem in Pakistan nicht die schlechte Bildung?", wollte ein Besucher wissen, der bereits sechs Mal in Pakistan war. Zur Hälfte, meinte der Bischof, unterstützen auch sehr gut ausgebildete Muslime die Taliban. "Die Muslime in der ganzen Welt haben das Gefühl, sie werden unterdrückt". Die Lösung hinsichtlich der Radikalisierung verschiedener Gruppen müsse aus den eigenen Reihen kommen. (weiterer Bericht Seite 7)
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