Gefühlvolles "Mesnerregiment"

Die "Drei von der Sakristei": Lisa Käs, Maria Glatter und Sieglinde Ertl (von links) stehen am Eingang zur Sakristei der Pfarrkirche St. Sebastian mit Pfarrer Marek Baron. Bilder: fvo (2)
Lokales
Waldthurn
24.12.2014
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Die "Drei von der Sakristei" sind für ihre Gotteshäuser da, teilen sich die Arbeit und sind die "drei rechten Hände" des Seelsorgers. Zu Weihnachten haben sie Hochsaison und verbreiten weibliche, souveräne Gelassenheit.

Die Rede ist von den drei Mesnerinnen in der Pfarrei St. Sebastian Waldthurn mit der Hauptmesnerin Maria Glatter und den beiden Stellvertreterinnen Sieglinde Ertl aus Lennesrieth und Lisa Käs aus Spielberg.

Das ganze Jahr läuft alles wie am Schnürchen in der Pfarrkirche, so übersieht man sie leicht, und trotzdem verbreiten sie dezenten Glanz im Gotteshaus.

Was wäre eine Pfarrgemeinde ohne ihre Mesner. In der Pfarrei St. Sebastian gibt es gar fünf. Josef Riedl vom Fahrenberg, Paulus Bodensteiner, der sich um die Kapelle des Heiligen Michael in Albersrieth kümmert, und eben die "Drei der Pfarrkirche". Die Gläubigen sind stolz auf ihre Mesnerinnen, die ihren Dienst zuverlässig, unaufgeregt und adrett versehen.

An Ostern 2013 war Glatter für drei Wochen krankheitsbedingt außer Gefecht. So sprangen Ertl und Käs kurzerhand ein und traten als "Aushilfen" in der Pfarrkirche ihren Dienst an. "Da wurden wir ins kalte Wasser geworfen - haben uns aber schnell zurecht gefunden", erklärte Sieglinde Ertl, die normal in der Lennesriether Filialkirche St. Jakobus hingebungsvoll das "Mesnerregiment" führt. Angefangen vom Kirchenschmuck bis hin zur Reinigung des schmucken Kirchleins - sie ist für alles zuständig. Nebenbei organisiert sie für die Dorfgemeinschaft Rosenkranzgebete und sperrt das Gotteshaus auf, damit die Gläubigen in Ruhe beten können. Sie ist seit 2011 die Nachfolgerin des verstorbenen Franz Lang in der kleinen Kirche, die bei Hochzeitspaaren gerne für Trauungen gebucht wird. Die Familie stehe voll hinter dem Dienst, ob in Lennesrieth oder als Aushilfsmesnerin in Waldthurn. "Wir sehen dies nicht als verlorene Zeit, sondern der Dienst stärkt uns im Glauben", sagte die in Oberbernrieth aufgewachsene Lennesrietherin, die auch im Pfarrgemeinderat vertreten ist.

Intensives Gefühl

Weihnachten spüre man bei diesem Dienst wesentlich intensiver, meinen alle drei Damen einhellig. Maria Glatter ist sechs Tage in der Woche für ihre Pfarrkirche unterwegs. An ihrem freien Tag springen ihre beiden Mitarbeiterinnen für sie ein. Sonntags übernehmen Ertl beziehungsweise Käs abwechselnd die Frühmesse - den Rest macht Glatter selbst. Die drei verstehen sich bestens, sind ein sehr homogenes Team und sprechen sich selbstständig ab. Eine Stunde vor dem Gottesdienst und eine Stunde danach wird alles für den Gottesdienst hergerichtet und nachbereitet - das gehöre zum normalen Ablauf. "Für uns ist die Kommunikation und Absprache wichtig", meinte Pfarrer Marek Baron. Dass wir für die Pfarrkirche die drei Frauen haben, ist ein richtiger Luxus, schwärmt der Geistliche.

Auf dem Käsnhof in Spielberg ist seit Generationen die "Mesnerei" zu Hause - seit 18 Jahren ist die in Frankenrieth aufgewachsene Bäuerin Lisa Käs die Mesnerin von Spielberg. Sie zeichnet sich für die Kirchenwäsche verantwortlich und sperrt täglich das ortsbildprägende Kleinod auf. "Darauf achte ich, damit wirklich jeder in der Kapelle kann". Die Waldthurner Frauenbundvorsitzende läutet auch alljährlich im Juli die Spielberger Wallfahrer aus dem Ort Richtung Fahrenberg.

Die "Drei von der Sakristei", die auch Kommunionhelferinnen sind, fungieren als zentrale Anlaufstelle für Pfarrer, Ministranten, Lektoren, Organisten und sind im Hintergrund "Mädchen für alles". Beim Aufstellen des Christbaums in der Pfarrkirche ist eine gewisse Schwindelfreiheit gefragt - mit Hans Beer und Josef Schwab sind hier echte Profis am Werk. Aber auch Herbert Glatter, der Ehemann der Mesnerin und Sohn Bernd arbeiten und dekorieren unter der gestrengen Aufsicht von Enkelsohn Bruno - ein echtes Familienunternehmen also. Für die Krippe zeichnet sich alljährlich Franz Wittmann mit seinen Helfern verantwortlich - den Kirchenschmuck kreiert Elisabeth Meißner. "So greifen alle Rädchen ineinander - das macht Spaß", sagte Glatter beim Pressetermin.

"Manchmal muss man bei jungen Ministranten, die besonders nervös sind schon beruhigend auf sie einwirken", erzählt sie weiter. Durchwegs seien die Minis der Pfarrei sehr freundlich und zuvorkommend - es gebe da keinerlei Probleme.
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