Hand halten, Zuspruch geben

Lokales
Waldthurn
09.11.2015
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Ist ein Geschäft mit dem Tod ethisch vertretbar, auch wenn der Patient dies wünscht? Freunde oder die Familie dürfen beim Sterben helfen, ohne dafür bestraft zu werden.

Die Diskussion um das Thema Sterbehilfe wurde in den letzten Wochen sehr konträr geführt. Nun hat der Bundestag ein neues Gesetz verabschiedet, das die geschäftsmäßige Sterbehilfe verbietet. Der Pfarrgemeinderat (Sachausschuss Erwachsenenbildung) und der Katholische Frauenbund hatten am Vortag der Gesetzesentscheidung die Religionspädagogin Eva Maria Strack aus Amberg zum Referat "Tod in Würde" eingeladen. "Menschen wollen keine Spritze, sondern die Hand ihrer Mitmenschen spüren und fühlen. Sie wollen nicht durch die Hand eines Menschen sterben." Zu dieser Erkenntnis kam die gläubige Referentin. "Sterbehilfe ist Tötung."

Strack war vor ihrer jetzigen Tätigkeit als Religionslehrerin insgesamt zwölf Jahre Krankenschwester im Klinikum in Amberg. "Sterben ist kein Verlorengehen ins Nichts, sondern ein Finden in Gottes Geborgenheit", erklärte sie. Sie halte nichts von der assistierenden Sterbehilfe wie sie in der Schweiz praktiziert wird. Denn irgendwann gehe es weiter, und man findet sich bei der aktiven Sterbehilfe wieder. "Ältere Menschen müssen sich irgendwann rechtfertigen, dass sie noch leben wollen."

Bei der Diskussion um Sterbehilfe sei die katholische Kirche nur eine von vielen Säulen. Deshalb müsse man gute Argumente aufbauen, um gehört zu werden. Strack erläuterte die verschiedenen Sterbehilfeformen wie aktive, indirekte oder passive Sterbehilfe sowie die Beihilfe zur Selbsttötung. Der ältere Mensch braucht die Ansprache und den Blick. Er wolle wahrgenommen und wertgeschätzt werden. "Humanes Sterben hängt von der Zuwendung der Mitmenschen ab."

"Der Mensch hat auch Würde, wenn er im Koma ist". Damals als Krankenschwester habe man im Krankenhaus oft flapsig und gedankenlos gesagt: "Die Galle von Nr. 3 - der Blinddarm von Nr. 6." Die Würde sei immer zu kurz gekommen.

Warum macht sich die Gesellschaft Gedanken über den assistierten Suizid? In Naturvölkern werde der alte Mensch wegen seiner Erfahrung und Weisheit geschätzt. In Gesellschaften, wo das nicht so sei, hätten Menschen oft Angst, im Leid verlassen und abgeschoben zu werden. Mit der Furcht vor unerträglichen Schmerzen und dem Gefühl, anderen Menschen zur Last zu fallen, spüre man beim heutigen Jugendwahn die Missachtung des Alters. Die zentrale Frage sollte sein: "Wie können wir Menschen beim Sterben gut begleiten?"
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