"Im Dienste der Heimat"

Dieses Ölgemälde entstand um 1850. Zu sehen sind die Kirche und der Marktplatz in Waldthurn. Repro: fvo
Lokales
Waldthurn
15.10.2014
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Nach fünf Jahren Recherche ist eines der umfangreichsten historischen Werke des Waldthurner Lands fertig. Unermüdlich trug Franz Bergler zusammen, was die Geschichte seiner näheren Heimat hergibt. Sein Motiv: Die Liebe zur Heimat und ihrer Vergangenheit.

Der Heimatpfleger hat das mit dem Titel "Im Dienste der Heimat: Herrschaft - Markt - und Pfarrei Waldthurn" herausgegeben. Intensive Forschungen in Archiven in Tschechien und Amberg gingen dem Buch voraus, das Gemeinde, Pfarrei und das bischöfliche Zentralarchiv Regensburg unterstützt haben.

Bescheidener Autor

Bescheiden meinte Bergler, dass der Inhalt lediglich eine Auswahl sei, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe. Hier gelte das Bibelwort: "Stückwerk ist unser Erkennen" - es gebe immer wieder neue Erkenntnisse. Der 1934 verstorbene Waldthurner Hans May hatte 1904 das Buch "Der Fahrenberg" veröffentlicht. Nun - 110 Jahre später - sei der Gedanke Wirklichkeit geworden, eine Neuauflage der Heimatgeschichte mit umfangreichen historischen Inhalten zu erstellen, sagte Bergler. Auf die Quellenangaben von May folgten weitere Nachforschungen.

Funde aus der Steinzeit, der Waldsassener Zehent, die Herren von Waldthurn (1217 bis 1308) und die Herrschaft unter den Fürsten von Lobkowitz - die Goldene Zeit von Waldthurn (1666 bis 1806), sind nur einige Auszüge. Die schlimme Zeit des Dreißigjährigen Kriegs sowie die großen Waldthurner Brandkatastrophen werden ebenfalls aufgearbeitet. Antwort gibt der Verfasser auch auf viele Fragen, beispielsweise was ein Rainungsschauer ist.

Die damaligen ehrsamen Handwerksberufe wie den Bader oder die Wundärzte werden erörtert. Gab es in Waldthurn einen "Brotladen", in welchem die "Becken" des Ortes ihre Erzeugnisse gemeinsam verkauften? Hatte tatsächlich der "Brothüter" die Aufsicht?

Der Musikliterat und Schriftsteller Wolfgang-Caspar Printz ist Namensgeber für die Waldthurner Grundschule - darüber sowie über die Schulen Lennesrieth, Albersrieth, Oberbernrieth und Spielberg erfährt der Leser nun einiges. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit der Entstehung der Gemeinden Waldthurn, Spielberg, Lennesrieth und Bernrieth. Gefährlich wird es wenn Geschichten über die Abdeckerei, im Volksmund Schinderei, auftauchen. Alljährlich bestimmte in früheren Zeiten die Bürgerschaft die Bier- und Malzschauer. Das "Umgeld", die verhasste Biersteuer, wurde in der Herrschaft Waldthurn bis 1667 von der Churpfalz eingefordert.

Geschichte der Eisenbahn

Glück auf: Der Schmirgel-Bergbau hatte in Ottenrieth, Albersrieth und Zeßmannsrieth Tradition. Und was hat es mit dem Schmirglmannl auf sich? Selbstverständlich darf im Buch die Historie des Eisenbahnbaus und des Bahnhofs nicht fehlen. Weiter informiert Bergler über die Pfarreien Lennesrieth, Bernrieth (Pernrewt), Waldkirch bis hin zur Pfarrei Waldthurn und den siebenmaligen Bau der Pfarrkirche Waldthurn. Pfarrer, Priester, Ordensfrauen und -brüder ab 1400 sind aufgelistet.

Die Verbindungen mit der Partnerstadt Hostau, die vor 10 Jahren geschlossen wurde, hatte ein geschichtliches Vorspiel. Mit den Erinnerungen an das große Heimatfest "775 Jahre Waldthurn" 1992 schließt dieses Buch und weckt Vorfreude auf die 800-Jahr-Feier 2017.
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