Markt kämpft um seinen Laden

Lokales
Waldthurn
04.05.2015
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"Nah- und Grundversorgung sind Voraussetzungen für eine Gemeinde. Es ist wichtig, dass wir die Einrichtungen dafür im Ort haben und auch erhalten", meinte Bürgermeister Josef Beimler beim Informationsabend im großen Saal des Lobkowitz-Schlosses.

Besonders begrüßte Beimler neben dem Referenten, Wolfgang Gröll, auch Karl-Heinz Dommer (Büro "landimpuls"), den Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft Waldthurn 3, Georg Braunreuther, dessen Stellvertreter Karsten Heßing und Vertreter des Amtes für Ländliche Entwicklung

Die Betreiberin des Marktladens wird im Laufe des Jahres aufhören, um sich beruflich zu verändern. Man habe bereits im Vorfeld den Fachberater Gröll kontaktiert, um ein genaues Gesamtkonzept für den Markt zu erstellen. "Vorrangig betrifft es in der jetzigen Situation natürlich den Marktladen, denn es soll und muss weitergehen", so Beimler.

Gröll: "Dorfläden müssen nicht zwangsläufig nur Lebensmittelgeschäfte sein - viele bieten ein breitgefächertes Angebot." In seiner Präsentation griff der Berater viele Punkte auf, zum Beispiel die quantitative und qualitative Entwicklung des Lebensmitteleinzelhandels. Auch die Handelsstruktur in Deutschland war ein Thema. Ein weiterer Punkt betraf die Betriebstypen im Lebensmitteleinzelhandel. "Die Leute werden trotzdem zu den Discountern fahren, selbst wenn ein Laden im Ort ist", ist sich Gröll sicher. Anhand von verschiedenen Gemeinden konnte er aber gut funktionierende praktische Beispiele vorstellen.

"Groß ist nicht gleich billig"

Er zählte auch die Hauptursachen des Rückganges kleinerer Verkaufsflächen auf. Dies wären vor allem Generationsprobleme, die Fortentwicklung der Vertriebstypen, Veränderungen der Ertrags- und Kostenstruktur und natürlich der Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher. "Groß ist nicht gleich billig", stellte Gröll richtig.

Zukunftschancen hätten Dorfläden mit "Zusatzfunktionen", das bedeutet Lebensmitteleinzelhandel im komprimierten Kleinflächenmanagement. "Bäcker, Metzger, Lotto, Post, Kaffee-Ecke. In so einem Laden müssen viele Möglichkeiten angeboten werden, um ihn für den potenziellen Kunden attraktiv zu gestalten."

Wichtig seien auch der Standort, die Räumlichkeiten, Sortimentspolitik und die Preisstruktur, um einen Dorfladen am Leben zu halten. "Aktionswerbung, gelegentliche Preis-Aktionen, Mund-zu-Ohr-Marketing, Stärkung der Frische, Lieferservices und vieles mehr sind das A und O für ein erfolgreiches kleinflächiges Geschäft", stellte der Berater fest. Natürlich gebe es auch Rückschläge und so manches Geschäft müsse trotz allem schließen. Aber die Zahl der geretteten und neuen Geschäfte würden für die Arbeit des Beraters und seines Teams sprechen. In der Diskussion beantwortete Gröll viele Fragen, zum Beispiel zur Vermarktung von regionalen Produkten bezüglich der lebensmitteltechnischen Überwachung. Hier müsse alles genauestens deklariert werden. "Wer liefert, braucht einen Gewerbeschein", so die Aussage Grölls.

Zügig starten

Ein Zuhörer merkte an, dass der Standort der Postagentur ein wichtiger Punkt wäre. Durch die momentane Situation komme man in Zugzwang, sah auch Gröll ein. Man müsse jetzt mit dem Projekt "Marktladen" zügig starten. Auch die Frage nach Zulieferern konnte der Unternehmensberater beantworten. "Es geht in allem um die Gesamtattraktivität des Ortes", merkte er an. Dr. Nikolaus Globisch erklärte: "Packen wir es doch einfach mal an." Dommer stellte fest: "Wir müssen einen supertollen Laden gestalten, in den die Leute gerne gehen. Wir brauchen vor allem Macher - die Kundschaft muss dann von selber kommen!"
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