"Meine zweite Heimat"

Professor Dr. Janusz Kropiewnicki wird in einigen Tagen die Pfarrei in Waldthurn wieder verlassen. Bild: fvo
Lokales
Waldthurn
25.08.2015
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Der Sommer ist in der Pfarrgemeinde St. Sebastian ohne Professor Dr. Janusz Kropiewnicki gar nicht mehr denkbar. Der polnische "Pfarrer Janusz" wie er kurz genannt wird, gehört seit 28 Jahren zum Monat August wie der alljährliche Beginn der Schulsommerferien.

Seit 1988 kommt der Geistliche mit dem "unaussprechlichen" Nachnamen nach Waldthurn, um alljährlich Pfarrer Marek Baron und zuvor Geistlichen Rat Andreas Renner den wohlverdienten Sommerurlaub zu ermöglichen. Mittlerweile hat er viele gute Freunde in der Marktgemeinde gefunden, die sich auf die gemeinsamen drei Wochen im Sommer freuen.

Abreise am Freitag

Am Freitag reist er nach der Morgenmesse wieder mit seinem VW-Polo Richtung Polen. Die einfache Wegstrecke beträgt dabei um die 1000 Kilometer. Ob Hin- oder Rückreise - er fährt jeweils zwei Tage. Die erste Tour geht bis Frankfurt/Oder, und den Rest bewältigt er nach einem Erholungsschlaf in einem Hotel. Insgesamt hat der sympathische Priester in den Urlaubsvertretungen zwischen seiner Heimatdorf Tymawa, das 70 Kilometer südlich von Danzig liegt, und Waldthurn in 28 Jahren um die 56.000 Kilometer zurückgelegt.

"Waldthurn ist meine zweite Heimat. Alljährlich beim ersten Gottesdienst sehe ich die freundlichen Gesichter und weiß, dass ich hier in Waldthurn am richtigen Ort bin." In diesem Jahr musste er bei seinem Aufenthalt leider einige liebe Menschen zu Grabe tragen.

"Das sind keine Blutsverwandten, aber sie sind Mitglieder meiner ewigen Familie um den Altar mit denen ich durch Christus verwandt bin." Besonders habe ihm der Heimgang des ehemaligen Mesners Josef Pflaum getroffen. "Ich habe im letzten Jahr oft an ihn gedacht. Er war offen und herzlich - er war mein Freund und ich bin froh, dass ich den Trauergottesdienst halten durfte."

Janusz hat mit seiner ruhigen, bescheidenen und sehr humorvollen Art die Herzen der Pfarrgemeinde schnell erobert und ist ein Waldthurner geworden sei. Seine unverwechselbare Stimme und sein Anblick sind vertraut. Nicht nur die Absprache mit Pfarrgemeinderat und Kirchenverwaltung klappen perfekt. "In den Wochen meines Aufenthalts treffen wir keine großen Entscheidungen, sondern gehen gemeinsam in die Gaststätte und unterhalten uns."

Auch mit der weltlichen Gemeinde mit Bürgermeister Josef Beimler versteht sich der Priester aus der polnischen Landgemeinde Gniew. Der Rathauschef sieht den Geistlichen nicht mehr als Urlaubsvertretung, sondern als gerngesehenen echten Bürger der Marktgemeinde am Fuße des Fahrenbergs.

Pfarrer Janusz leitet in seiner Heimat eine Pfarrei mit 600 Seelen und ist zusätzlich zwei bis drei Tage in der Woche als Professor im Priesterseminar Pelplin tätig. Im 13. Jahrhundert haben sich die spanischen Ritter der Calatrava im polnischen Dorf Tymawa angesiedelt. Sie verteidigten den Ort gegen die Heiden und Ostpreußen, gibt Kropiewnicki einen geschichtlichen Einblick.

Ritter aus Leidenschaft

"Ich bin der direkte Nachfolger dieser Ritter, da ich das Christentum heute auch gegen die Heiden verteidige", erklärte der humorvolle Priester scherzhaft. Auf Wiedersehen Pfarrer Janusz Kropiewnicki - Ritter vom Orden der Calatrava.
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