Postkartenansicht erhalten

Lokales
Waldthurn
25.07.2015
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"Waldthurn hat durch seine Geschichte bereits viel Historisches verloren", merkte Stadtbauhistorikerin Alexandra Baier bei einem Rundgang durch die Gemeinde an. Ein neues Konzept soll Abhilfe schaffen.

Neben Bürgermeister Josef Beimler schlossen sich der Wanderung viele Bürger an. Kommunales Denkmalkonzept (KDK) sei ein Konzept, das es in Bayern so noch nicht gibt", blickte Dr. Thomas Gunzelmann vom Landesamt für Denkmalpflege auf die Pläne. Waldthurn sei praktisch ein Modellprojekt.

Das KDK wolle keine neuen Vorschriften machen. Im Gegenteil, es solle eine Hilfestellung über die Denkmalliste hinaus sein. Im ersten Schritt wurden die Werte des historischen Ortskerns herausgearbeitet. In einem zweiten soll das Konzept auf identitätsstiftende Werte aufmerksam machen und Antworten suchen, wie man auf künftige Veränderungen eingehen kann. Das KDK analysiere sowohl Stärken als auch Schwächen. "Es ist ein Konzept für die Kommune, das nur im Dialog mit dieser funktionieren kann."

Alexandra Baier und Stadtplanerin Yvonne Slanz hatten sich mit einem weiteren Kollegen zwei Monate intensiv mit der Gemeinde beschäftigt und starteten ihre kleine Zeitreise mit den Teilnehmern an der Luhebrücke. Viele Informationen hätten sie den Arbeiten von Altbürgermeister Franz Bergler und Georg Schmidtbauer entnommen.

"Die Anfänge Waldthurns lassen sich bis ins Jahr 1217 zurückverfolgen, der Bau der Burg liegt ebenfalls in den Anfangsjahren des 13. Jahrhunderts", informierte Baier. Der alte Ortskern sei sehr interessant und eigentlich auch typisch für eine Siedlung in der Oberpfalz.

Die Burg stand an der topografisch höchsten Stelle, die Häuser folgten, "wie sie halt dann gerade reinpassten", referierte die Stadtbauhistorikerin. Das zeige sich nach wie vor in den engen Gassen und Steigen, unter anderem im Schlossgraben. Auch der Marktplatz liege an der günstigsten Stelle, wobei es sich um ein relativ spätes Beispiel eines sogenannten "Straßenmarktes" handle.

Schlichte Baustruktur

Rechts und links eine Häuserzeile, der "freie" Blick auf die Kirche - diese Postkartenansicht sollte man erhalten, warf Slanz ein. Die schlichten Baustrukturen entlang des Marktplatzes seien ein typisches Zeichen der Gemeinde und sollten deshalb auch geschützt und geschätzt werden.

An vielen Stationen veranschaulichten die beiden Frauen die Spuren der historischen Entwicklung. Anhand von alten Karten und Abbildungen im direkten Vergleich mit dem heutigen Ortsbild erläuterten die Planerinnen, wieviel geschichtliches die Gemeinde auch heute noch preisgibt.

Auf dem Rundgang wurden die bisherigen Ergebnisse des KDK informativ und anschaulich vorgestellt. Die Arbeitsgemeinschaft "Transform" und Klaus Herta aus Bamberg haben es in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege im Rahmen der Dorferneuerung erstellt.

An dem Rundgang nahmen auch Diplom-Ingenieur Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege sowie die Ortsplaner Anne Wendl und Rudi Meißner teil. Zudem brachten sich der Vorsitzende der Teilnehmergemeinschaft Waldthurn 3, Georg Braunreuther, und Karsten Hessing, beide vom Amt für Ländliche Entwicklung, ein.
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