Starker Integrationswille

Die Familie Aliyev fühlt sich wohl in Waldthurn. In Tanja Pflaum haben Ali, Asis und Elnara (von links) eine sehr gute Freundin gefunden. Die Aserbaidschaner haben sich gut integriert. Dies zeigt auch, dass der elfjährige Fayyaz kurz vor dem Fototermin weg musste. Marianne Pausch vom AK Asyl holte ihn ab, um ihn ins Pleysteiner Freibad zu seinen Freunden zu fahren. Bild: rti
Lokales
Waldthurn
09.08.2015
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Die Mutter arbeitet im Gesundheitszentrum in Waldthurn. Der Vater packt am Bauhof mit an. Die zwei Söhne spielen beim FSV Fußball und gehen in Vohenstrauß in die Mittelschule. Das besondere daran? Die vier sprachen bis vor 18 Monaten noch kein Wort Deutsch.

Noch vor eineinhalb Jahren war Familie Aliyev in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, zu Hause. Vater Asis (42) arbeitete dort als Automechaniker. Mutter Elnara (40) schmiss den Haushalt und kümmerte sich um die Kinder Ali (14) und Fayyaz (11). Dann bedrohten Salafisten die Aliyevs. "Ich hatte Angst um meine Familie, daher sind wir geflohen", erklärt der Vater.

Die vier Muslime (Asis: "Welche Religion ein Mensch hat, ist egal. Für mich sind alle gleich") verraten nur wenig über ihre Flucht nach Deutschland. Eines steht aber fest: Es musste sehr schnell gehen. Das einzige was die Familie mitnahm, war ein bisschen Kleidung. Asis macht klar: "Wir können nicht in unsere Heimat zurück." Er habe auch keinen Kontakt mehr nach Baku. Und seine Frau ergänzt: "Letztendlich haben wir unser Leben noch einmal neu begonnen. Das ist nicht einfach."

Die ersten Tage verbrachte die Familie in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Bad Berleburg (Nordrhein-Westfalen) und Zirndorf. Seit Februar 2014 lebt sie in Waldthurn. Die vier wohnen mit anderen Asylbewerbern in einem Gebäude an der ehemaligen Tankstelle. "Es gefällt uns wirklich super", versichern alle unisono.

Viel Deutschunterricht

Dass dies keine Floskel ist, zeigt zum einen das sehr gute Deutsch der Aliyevs. Nach 18 Monaten reden und verstehen sie perfekt die neue Sprache. Sie hatten Deutschkurse an der Volkshochschule (VHS) und beim Verein zur Förderung der Integration russischsprachiger Mitbürger "Neue Zeit" in Weiden besucht. Außerdem geben unter anderem der ehemalige Gymnasiallehrer Hans Pausch und einige VHS-Lehrer im Aufenthaltsraum der Waldthurner Unterkunft Deutschstunden.

Zum anderen hat die Familie einen starken Integrationswillen. Ali ist mit voller Leidenschaft bei der Jugendfeuerwehr Waldthurn dabei. Erst kürzlich legte er zusammen mit den anderen Jung-Rettern erfolgreich die Jugendleistungsprüfung ab. "Dort und beim Fußball habe ich schon viele Freunde gefunden", betont der 14-Jährige. Genau wie sein jüngerer Bruder kickt er beim FSV. Der Kleine kommt im September in die siebte Klasse der Mittelschule Vohenstrauß. Diese Einrichtung besuchte Ali bis Ende Juli auch noch. Zum neuen Schuljahr geht er auf die Europa-Berufsschule in Weiden. "Ich will Schreiner lernen", blickt er schon auf das Berufsgrundschuljahr.

Elnara arbeitet seit zwei Monaten in Vollzeit als hauswirtschaftliche Hilfe im Gesundheitszentrum. "Das macht mir wirklich viel Spaß." Dabei ist sie vor allem in der Küche tätig. Asis packt 90 Stunden im Monat auf dem Bauhof in Waldthurn mit an. "Ich würde gerne mehr arbeiten, aber leider darf ich nicht mehr", bedauert er. Das Gesetz setzt für "gemeinnützige Arbeiten" klare Grenzen.

Problem Mobilität

Die Umstellung von der Millionen-Stadt Baku auf die beschauliche Fahrenberg-Gemeinde ist der Familie nicht schwer gefallen. "Das war einfach. Wir haben viele Freunde gefunden. Das einzige Problem sind die Busverbindungen", erklärt Elnara.

Am vergangenen Montag hatte die Familie in Zirndorf ihr drittes "Asyl-Interview". In den nächsten sechs bis zwölf Monaten wird entschieden, ob ihr Asylantrag genehmigt wird. Falls der Bescheid positiv ausfällt, wollen die vier in Waldthurn bleiben. "Alle Leute sind sehr freundlich zu uns. Uns gefällt es hier", erklärt der Vater.
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