"Zweite Chance gibt es nicht"

Lokales
Waldthurn
07.10.2014
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Der Ort soll noch schöner werden. Deshalb bemüht sich Waldthurn um Dorferneuerungs-Maßnahmen, die jedoch mit dem Denkmalschutz übereinstimmen müssen. Nun gab es Informationen, was alles machbar ist.

"Heute ist der richtige Zeitpunkt, um einiges zurechtzurücken", erklärte Diplom-Ingenieur Raimund Karl vom Landesamt für Denkmalpflege in der Marktratssitzung. Er versuchte, die Absichten der Behörde bei der Dorferneuerung transparenter zu machen.

Im Großen und Ganzen gehe es immer um die Rahmenbedingungen, die seine Arbeit bestimmen. Das vorrangige Ziel sei der Erfolg der Dorferneuerung. "Eine zweite Chance wird es für Waldthurn in absehbarer Zeit nicht geben", stellte er fest.

Zu viele "Schnellschüsse"

Voraussetzungen sind für Karl eine rechtzeitige Planung und konkrete Überlegungen. Der Waldthurner Marktplatz steht unter Ensembleschutz , somit benötige man für alle Maßnahmen ein sogenanntes Erlaubnisverfahren. "In den letzten Jahren war in Waldthurn die Planung oft sehr begrenzt", bemängelte Karl. Oft gab es Schnellschüsse bei Entscheidungen, wie zum Beispiel beim Lobkowitzschloss oder dem ehemaligen Schwesternwohnheim.

Denkmalschutz bedeute, dass man im Ort verstehe, was erhaltenswert und das Besondere am Ort sei. Waldthurn weise eine interessante geschichtliche Entwicklung auf, die man nicht vergessen dürfe. "Ich sehe immer nur Einzelentscheidungen - kein Gesamtkonzept", bedauerte der Ingenieur.

Detailliert erläuterte der Sprecher die Hintergründe beim Bau des Gesundheitszentrums. Auch stellte er fest, dass Maßnahmen am Schloss genauestens geplant werden müssten. "Die nächste Zeit sollte sinnvoll genutzt werden, um Vorkonzepte für das Lobkowitzschloss zu erstellen", forderte Karl. Auch sollte man sich zwecks der Vorplanung mit der Kirche zusammensetzen.

Altbausubstanz erhalten

Zum geplanten Abriss des alten Rathauses stellte er eine weitere Lösung in den Raum. Sein Vorschlag lautete, nur den linken, neueren Teil abzutragen. "Mir geht es darum, zu schauen, wie kann ich Altbausubstanz erhalten", erklärte er. Außerdem sei es wichtig, dass am Ende kein "neues" Waldthurn dastehe und womöglich die Geschichte des Orts verloren gegangen sei.

In der Diskussion zeigten sich die Markträte durchaus aufgeschlossen gegenüber dem neuen Vorschlag. "Bisher wurde diese Lösung gar nicht angedacht", merkte Hubert Stahl an. Die Idee sei aber gar nicht schlecht. Er wollte wissen, ob nicht eine provisorische Reparatur möglich wäre. "Es gilt die Reihenfolge einzuhalten und abzuwägen, ob ein Provisorium sinnvoll ist", erwiderte Karl. Roman Bauer zeigte ebenfalls Verständnis: "Wir hätten den Denkmalschutz schon vor Jahren mit einbeziehen sollen." Nichtsdestotrotz sei er angehalten, getroffene Beschlüsse mitzutragen. "Wir wurden vom Landratsamt aufgefordert, Parkplätze auszuweisen - darum wurde der Abbruch des Rathauses beschlossen", erklärte Bauer. Karl entgegnete, dass es keine unumkehrbaren Beschlüsse gebe.

Die "Hülle" erhalten

Die Diskussion erstreckte sich über weitere Gebäude, wobei Karl jeweils für die Erhaltung der "Hülle" und die entsprechende Planung plädierte. Zum Beispiel auch beim "Bergmann-Haus". Für Karl habe das Gebäude Neubauwert und wäre mit wirtschaftlichem Aufwand instand zu setzen. Dr. Nikolaus Globisch wollte wissen, inwieweit die Denkmalschutzbehörde dem Straßenbauamt Paroli bieten könne "Die breite Hauptstraße durch den Marktplatz gefährdet meiner Meinung nach fast die geplante Barrierefreiheit", merkte er an. Karl stellte fest, dass das Straßenbauamt hohe Macht genieße. Man müsse sich überlegen, ob man mit der Durchgangsstraße leben könne. "In vielen Bereichen habe ich aber erlebt, dass eine gute Mischung zustande kam", erklärte er weiter. Wichtig sei immer, eine Planung zu erstellen und "wenn nötig, hartnäckig zu verhandeln".

Georg Bocka fand, dass es viele gute Gedanken zum Rathaus gegeben habe, der Gemeinde aber die Zeit im Nacken säße. Man müsse nun zügig vorankommen. Damit müssten sich jetzt die Dorfplaner auseinandersetzen, erwiderte Karl.
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