Erinnerungen an Hans Beimler aus Waldthurn
Kämpfer gegen die Nazis

Hans Beimler. Repro: fvo
Politik
Waldthurn
25.11.2016
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Bild (fvo) Freiheitskämpfer Hans Beimler Medaille
 
In der DDR war Hans Beimler ein Held. Dies zeigt auch diese Briefmarke.

Es wirkt ein bisschen wie ein Heldenepos aus vergangenen Zeiten: das Leben des Hans Beimler, Freiheitskämpfer aus der nördlichen Oberpfalz.

Der gelernten Schlosser Hans Beimler war bis zu seinem 16. Lebensjahr in Waldthurn. Später lehnte er sich gegen das Regime der Nationalsozialisten auf. Bürgermeister Josef Beimler geht nun hinsichtlich des etwas vergessenen "prominenten Kommunisten" in die Offensive und lässt den Freiheitskämpfer die nötige Ehre zuteil werden. Der Markt hält am Donnerstag, 1. Dezember, dem 80. Todestag von Hans Beimler, eine Gedenkveranstaltung. (Infokasten) .

Wer war dieser Kämpfer gegen den Faschismus, der Zeit seines Lebens seinen Idealen folgte? Er war ein raubeiniger Geselle, mit auffallend großen und abstehenden Ohren und hartem Schlossergesicht. Der "Beimlerschlosser-Hans" wurde am 2. Juli 1895 in München als Johann Baptist Beimler geboren. Seine Mutter war die Köchin Rosina Beimler aus Waldthurn. Mit drei Wochen übergab die ledige Frau das Kind den Großeltern in der Oberpfalz.

Spitznamen "Kistenböibl"


Angeblich soll der kleine Hans in einer Kiste mit Luftlöchern von München mit der Bahn geschickt nach Waldthurn worden sein. Vermutlich hat ihn aber seine Mutter bis zum Bahnhof Waldthurn begleitet und dort seinen Großeltern in einer Kiste übergeben. Deshalb bekam der Kleine aus München später den Spitznamen "Kistenböibl", was aber auch seiner späteren Mitgliedschaft bei den Spartakisten herrühren könnte.

Die Oma und der Opa kümmerten sich um den Buben, der nach Aussagen von Schulkameraden ein sehr lebhaftes Kind war. Schon damals war Beimler ein Draufgänger, der immer wieder etwas anstellte und dafür oft auch Prügel bezog. Er besuchte in Waldthurn die Schule, um anschließend das Schlosserhandwerk bei seinem Großvater zu lernen. Am Sonntag seien sie immer in das sechs Kilometer entfernte Steinfrankenreuth (Markt Floß) marschiert und haben dort Krieg gespielt. "Hans war immer der Anführer", erinnert sich der Waldthurner Hans Klier an die Erzählungen von Beimlers Schulkameraden, den Schneidermeister Johann Vitzthum.

Nach oben gearbeitet


Als 16-Jähriger kehrte Beimler Waldthurn den Rücken und ließ sich zunächst in München und anschließend in Hamburg nieder. Dort war er als Werftarbeiter tätig und lernte seine erste Frau Magdalena Müller kennen, die ihm zwei Kinder zur die Welt brachte. 1914 brach der Erste Weltkrieg aus. Die Nachricht von der russischen Oktoberrevolution beeindruckte ihn, so schloss er sich dem Spartakusbund an und gehörte zu den ersten Mitgliedern der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Mit seiner Gattin ging er vom Norden wieder nach Südbayern. Die Parteispitze der KPD berief im Juni 1925 den umtriebigen Kämpfer in die Bezirksleitung Südbayern. Seine Frau konnte mit seinen Idealen und der süddeutschen Mentalität wenig anfangen. 1927 beging sie Suizid. Beimler leitete in Augsburg die KPD und wurde in den Stadtrat gewählt. Im April 1932 wurde er kommunistischer Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Am 31. Juli des selben Jahres schaffte er den Sprung in den Berliner Reichstag. In Augsburg hatte der geniale Redner schon vorher die 14 Jahre jüngere Centa Dengler als 16-Jährige kennengelernt. 1930 hatte er die junge Frau geheiratet.

Beimler erkannte schnell die Gefährlichkeit der Nazidiktatur. Viel Zeit für seine politische Betätigung im Reichstag blieb ihm nicht. Bei den Wahlen zum Reichstag wurde er am 5. März 1933 als Abgeordneter bestätigt, doch mit dem Machtantritt Hitlers am 30. Januar 1933 begann die Hatz auf politisch Andersdenkende. Beimler wetterte gegen die Nazis und ging mit der Parteiführung der KPD in den Untergrund. Dort setzte er seinen Kampf gegen den Nationalsozialismus fort. Bis zum 1. April 1933 konnte Beimler seinen Verfolgern entkommen. Doch trotz aller Vorsicht nahm ihn zivile SS-Leute fest. Verhöre und Misshandlungen folgten. 14 Tage war er in den Verließen des Münchner Polizeipräsidiums furchtbaren Schmerzen ausgesetzt - brechen konnten sie ihn nicht.

Flucht aus KZ


Beimler wurde als einer der ersten Häftlinge in das Konzentrationslager Dachau überführt. Die Quälereien verschärften sich und er wurde dort zum Selbstmord aufgefordert. So beschloss der damals 38-Jährige, auszubrechen. In der Nacht zum 9. Mai startete er eine spektakuläre Flucht. Beimler verließ den Arrestbau durch das Oberlicht seiner Zelle und näherte sich dem Stacheldrahthindernis mit dem dahinterliegenden elektrisch geladenen Drahtzaun. Er hatte einen genialen Einfall: Er überwand die Drahtsicherungen geschützt durch ein Holzbrett, das den Stromfluss isolierte, und so gelang ihm das tollkühne Unternehmen ohne jede Verletzung.

Beimler floh nach Moskau, wo im August 1933 seine Aufzeichnungen "Im Mörderlager Dachau - vier Wochen in den Händen der braunen Banditen" in Druck gingen. 1935 wurde er nach Zürich ins Exil geschickt. Im August 1936 traf der Waldthurner in Spanien ein und half bei der Verteidigung Madrids. Am 1. Dezember 1936 starb der Freiheitskämpfer unter ungeklärten Umständen vor Madrid.

Getötet in Spanien


Beim Durchlaufen einer Passage, die von feindlichen Scharfschützen eingesehen werden konnte, wurde er durch einen Herzschuss getötet. Beimlers Tod löste im spanischen Rundfunk Bestürzung aus. Über zwei Millionen Menschen nahmen vom Tag der Aufbahrung in Madrid bis zu seiner Beisetzung in Katalonien Abschied. 300 000 Menschen gaben ihm am Bergfriedhof Montjuic in Barcelona das letzte Geleit.

Volksheld in der DDR


Mögen die Umstände seines Todes auch ungeklärt sein, so setzte nach Beimlers Ableben eine gigantische Heroisierung sein. Er eignete sich als antifaschistisches Vorbild. Ein Umstand, den die Führung der DDR später ausgenutzte. Sie stilisierte ihn zum eindimensionalen Volksfrontkämpfer, zum heldenhaften Märtyrer, zum Vorkämpfer des realexistierenden Sozialismus. Er wurde in der "Ostzone" als Volksheld gewürdigt, Fabriken und Chöre, Kriegsschiffe, Kasernen, Schulen und Straßen wurden nach ihm benannt. Das DDR-Fernsehen produzierte Spiel- und Dokumentarfilme. In der Bundesrepublik fand der Freiheitskämpfer nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der Naziherrschaft als Kommunist wenig Anerkennung.

In Augsburg befindet sich mittlerweile ein Hans-Beimler-Zentrum. Dort und in München-Moosach ist auch jeweils eine Straße nach Beimler benannt. Was bleibt, ist der Name eines Mannes, der den Mut hatte der Hitlerdiktatur Widerstand zu leisten. Beimler war einer der ersten Zeugen, der die Öffentlichkeit im In- und Ausland über die Machenschaften der Nazis und den Terror in den Konzentrationslagern informierte.

Am Ort seiner Kindheit und Jugend in Waldthurn war er in Vergessenheit geraten. Das Schlosserhaus, in dem Beimler aufgewachsen ist, steht heute noch. "Wir sind stolz, dass Hans Beimler einer von uns war und ist", sagt Bürgermeister Josef Beimler. Und er ergänzt, dass es "nicht mein Onkel Hans war", auf die Namensgleichheit angesprochen. "Auch Bezirkstagvizepräsident Lothar Höher aus Weiden schätzt die Verdienste des Waldthurner Schlossers", berichtet der Rathauschef und freut sich über eine Hans-Beimler-Medaille, die Höher im Internet ersteigerte und dem Markt überreichte.

GedenkveranstaltungDie Fahrenberg-Gemeinde erinnert am Donnerstag, 1. Dezember, um 18 Uhr mit einer Gedenkveranstaltung im Gemeindezentrum an den etwas vergessenen, aber trotzdem berühmten Sohn Waldthurns. Zum 80. Todestag von Hans Beimler wird eine Gedenktafel enthüllen. Auch Bezirkstagvizepräsident Lothar Höher und Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl haben ihre Teilnahme zugesagt. (fvo)


Wir sind stolz, dass Hans Beimler einer von uns war und ist.Bürgermeister Josef Beimler
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