Leerstände in Waldthurn
Der Ortskern muss leben

Diese beiden Häuser am Waldthurner Marktplatz stehen schon länger leer. Das linke ist eins von zwei Sorgenkindern. Bilder: tss (2)
Politik
Waldthurn
20.04.2017
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Das Anwesen am Schloßgraben 1 einmal aus einer anderen Perspektive als von der Straße aus. Auch dieses Gebäude ist ungenutzt und das zweite Sorgenkind im Waldthurner Ortskern.

Waldthurns Bürgermeister ist in einer Zwickmühle. In seiner Gemeinde gibt es viele Leerstände. "Ein altes Haus ist normalerweise ein Fass ohne Boden", sagt Josef Beimler . "Wir können unsere Gebäude aber auch nicht verfallen lassen." Was tun?

Zunächst einmal "braucht es vernünftige Zuschüsse", meint Beimler. Daher hat er ein ambitioniertes Ziel: "40 bis 45 Prozent Förderung für einen Altbau wären ein guter Anreiz." Außerdem müsste der Staat auch die Kosten von Forderungen des Denkmalschutzes übernehmen. "Ansonsten brauchen die Politiker gar nicht mehr groß vom ländlichen Raum sprechen."

Insgesamt sind es 18 leerstehende Gebäude, davon 11 in Waldthurn, 3 in Albersrieth sowie je 2 in Lennesrieth und Oberbernrieth. Ein Großteil befindet sich in zentraler Lage, und viele sind schon seit 20 Jahren ungenutzt. Oft sind es ehemalige Ackerbürgerhäuser mit Nebengebäuden, für die Sanierung müsste wohl rund eine Million Euro aufzubringen sein.

Für sechs leerstehende Gebäude sind schon Lösungen in Sicht, für die übrigen nicht. Die Gemeinde ist gleich mit mehreren Problemen konfrontiert: Die Nachfahren der Eigentümer alter Häuser wohnen oft selbst am Waldthurner Ortsrand oder anderswo und sind nicht bereit, zu investieren. Potenzielle Interessenten gibt es zwar immer wieder, sie springen aber bei der Aussicht auf eher geringe Mieteinnahmen auch immer wieder ab.

Angebot fehlt


Auch die Nachfrage nach kleineren Wohnungen für junge Leute, die zum ersten Mal aus dem Elternhaus ausziehen wollen, ist da. Es fehlt nur das Angebot. "Wenn wir ein Baugebiet hätten, würden sofort drei oder vier Familien bauen. Sie wollen kein altes Haus sanieren", erklärt Beimler. Ruhige Randlage, Garage und Garten haben dann Priorität.

Charakter und Charme


Das ist vielleicht das größte Problem, mit dem nicht nur Waldthurn zu kämpfen hat. "Das Verständnis für alte Bausubstanz fehlt", bedauert Huberta Bock, Pressesprecherin des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz. "Ein altes Haus hat Charakter und Charme, Neubauten fehlt oft die Seele."

Aber: Bauherren können ein neues Haus nach ihren Vorstellungen errichten, auch wenn es im Endeffekt vielleicht nicht billiger oder sogar teuerer ist als renovieren. "Solange Gemeinden Baugebiete ausweisen, ist es nicht möglich, das Leerstands-Problem zu lösen", ist Bock überzeugt. "Die Gemeinden müssten an einem Strang ziehen, keine Neubaugebiete mehr ausweisen und sich auf die Ortskerne konzentrieren. Denn wenn der Ortskern stirbt, will auch niemand in den Ort. Der Ortskern muss leben."

Das ALE probiert es daher ständig, auf die Kommunen einzuwirken. Doch das ist "ein ganz hartes Los", findet die Pressesprecherin. Es reicht nicht, wenn ein Bürgermeister überzeugt ist. Auch der Gemeinderat muss es sein und schließlich noch die Bürger. "Das dauert vielleicht Jahre oder Jahrzehnte. Das Bewusstsein für Altbauten ist einfach nicht da", weiß Bock. Dieses Bewusstsein wieder in die Köpfe zu bekommen, ist neben den finanziellen Anreizen wohl die größte Herausforderung. "Dazu ist viel Ausdauer, Energie und Mut nötig." Dabei liegt die Chance des ländlichen Raums gerade darin, dass Häuser hier günstiger sind und damit das Wohnen billiger ist als in der Stadt, findet Bock.

Ein positives Beispiel für gelungene Überzeugungsarbeit ist das Waldthurner Gesundheitszentrum. Das Projekt wäre nämlich fast gescheitert, weil das Nebengebäude unter Denkmalschutz steht und nicht abgerissen werden durfte. Aber schließlich konnte Beimler den Investor doch überreden. In die ehemalige Sparkasse zieht demnächst der "Gänsbürger Laden" ein. In das Haus, in dem das Geschäft jetzt noch untergebracht ist, möchte ein Physiotherapeut aus Köln seine Wirkungsstätte einrichten - gegenüber der Arztpraxis ein idealer Standort.

Denkanstöße geben


Außerdem läuft noch das Denkmalprojekt "Alte Mauern neu beleben" von Studenten der Technischen Universität München. Es soll Denkanstöße geben und darüber hinaus beispielgebend für andere Gemeinden in Bayern sein.

Solange Gemeinden Baugebiete ausweisen, ist es nicht möglich, das Leerstands-Problem zu lösen.Huberta Bock, Pressesprecherin des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz
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