Marktrat Waldthurn
Gewässerschutzstreifen fehlen

"Wichtig ist, dass Landwirte die Äcker nicht bis zum äußersten Rand bewirtschaften." Zitat: Sandra Siebert (LBV)
Politik
Waldthurn
31.07.2016
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Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) will mit Unterstützung des Amts für Ländliche Entwicklung ein Projekt zum kommunalen Hochwasserschutz und zur biologischen Vielfalt umsetzen. Waldthurn gehört zu den vier Pilotgemeinden in Bayern, die sich beteiligen.

Sandra Siebert vom LBV gab in der Marktratssitzung dem Gremium und den Zuhörern einen Überblick über das Projekt "Lebendige Bäche in Bayern - Kommunaler Hochwasserschutz und biologische Vielfalt". "Wir wollen niemandem vorschreiben, was er tun soll. Wir entwickeln lediglich Handlungsempfehlungen zur Renaturierung von Fließgewässern in Staatswaldbereichen", betonte die Sprecherin.

Inhalte und Ziele


Zunächst stellte Siebert Inhalte und Ziele vor. Vorrangige Aufgabe sei es, Handlungsempfehlungen für die Kommunen zu entwickeln. Zur Zeitplanung merkte die LBV-Vertreterin an, dass sie ihre Kartierungsarbeiten abgeschlossen habe und nun ausarbeiten werde. "Im August könnte ich ein Konzept aus fachlicher Sicht erstellen", informierte sie. Dieses zeige, was grundsätzlich notwendig sei. Anschließend komme es zur Abstimmung mit Ämtern und Kommunen. Danach seien die Flächeneigentümer und Anrainer an der Reihe. "Anfang 2017 könnte ich dann in die Detailplanung einsteigen", fügte sie an.

Weiter ging es mit einer kurzen Übersicht über Beeinträchtigungen. Im Fokus der Untersuchung lagen der Vockhofbach, der Sandbach und die Luhe von der Quelle an. Der Vockhofbach wurde im Laufe der Flurbereinigung begradigt, so dass dort die Breiten- und Tiefenvariabilität fast komplett fehlt. Auch sind die Gewässer häufig verrohrt oder weisen einen Ufer- und Sohlverbau auf. Durch intensive landwirtschaftliche Nutzung fehle auch oft ein sogenannter Gewässerschutzstreifen. Der Oberlauf der Luhe liege zudem in einem dichten Fichtenforst, was zu einer zusätzlichen Versauerung des Gewässers führt.

Mögliche Sofortmaßnahmen wären, die Gewässerdurchgängigkeit wieder herzustellen und ungenutzte Verrohrungen zu entfernen und stattdessen kleine Brücken und Stege zu errichten. Auch der Lebensraum am und im Gewässer könnte schnell und kostengünstig verbessert werden, indem man sogenannte Störsteine im Bachlauf unterbringt und die Entwicklung eines Ufergehölzsaumes zulässt. Die stoffliche Belastung könnte durch die Anpassung der landwirtschaftlichen Nutzung verringert werden. "Wichtig ist hier, dass Landwirte die Äcker nicht bis zum äußersten Rand bewirtschaften", merkte Siebert an. "Das Anlegen eines Gewässerschutzstreifens ist in Bayern leider nicht verpflichtend, wäre aber äußerst sinnvoll", erläuterte die LBV-Beauftragte.

Bürgermeister Josef Beimler merkte an, dass die ersten Schritte nicht tragisch in der Umsetzung seien. "Die Fehler liegen meines Erachtens bei der Flurbereinigung", fand der Rathauschef. Es wäre damals weniger problematisch gewesen, Schutzstreifen anzulegen, als jetzt. "Aber es sind ja nicht so viele Landwirte, die den Ackerbau bis an den Bach betreiben", beschwichtigte er. Beimler sah jedenfalls die Möglichkeit, eventuell bereits im Herbst Verrohrungen, die nicht mehr gebraucht werden, auszubauen.

Viel miteinander sprechen


"Ich bin grundsätzlich nicht gegen Gewässerschutz", sagte Alfons Weig. Er sieht es aber schwierig, mit den Bauern bezüglich der Schutzstreifen zu verhandeln. "Hier muss viel miteinander gesprochen werden. Nur miteinander kann es funktionieren", meinte er. Ein anderes Problem sei der Biber, der die Gewässer verbaue und gegen den man keine Handhabe habe. "Viele Punkte müssen gewährleistet werden", fordert er. Nur im gegenseitigen Einvernehmen könne man Lösungen finden.

Roman Bauer stellte größere Maßnahmen für den Vockhofbach in Frage, da dieser ja eigentlich nur ein Rinnsal ist. Abschließend stellt Georg Bocka fest, dass die Renaturierung auch gepflegt werden muss. Er sehe dies an dem bereits renaturierten Bereich der Luhe. "Man muss aufpassen, dass die Bäume und Sträucher nicht überhand nehmen oder zu groß wachsen - auch das muss jedem klar sein."

Wichtig ist, dass Landwirte die Äcker nicht bis zum äußersten Rand bewirtschaften.Sandra Siebert (LBV)
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