Dorftreff mitten auf der Skipiste
Zusammenhalt in Oberbernrieth

Der 86-jährige Albert Wüst ist der Dorfälteste. Er ist begeisterter Landwirt und schätzt die familiäre Atmosphäre in seinem Ort. Er verbrachte sein ganzes Leben in Oberbernrieth, am Hang des Fahrenbergs.
Vermischtes
Waldthurn
05.03.2016
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Die Kleber-Kinder spielen auf der Skipiste am Fahrenberg an der Talstation Fußball.

Von Feuerwehr über Fußball bis hin zu den Hüttenfreunden, in Oberbernrieth ist einiges geboten. Das Dorf am Fahrenberg überrascht durch starken Zusammenhalt. Auch zwischen Jung und Alt.

Oberbernrieth. "Sie haben einen eigenwilligen, aber netten Charakter und halten zusammen wie Pech und Schwefel", skizziert Waldthurns Bürgermeister Josef Beimler seine "Untertanen" in Oberbernrieth. In diesem unauffälligen, kleinen Ort leben 72 Einwohner. Ob Jung oder Alt, Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn werden großgeschrieben. Insgesamt 22 junge Menschen unter 30 Jahren und davon acht Kinder füllen das Dorf fast zu ein Drittel mit zukunftsorientierter Dynamik. Es gibt eine Feuerwehr und den Verein der Hüttenfreunde.

Mit Mistgabel und Latzhose


Wer vom Waldthurner Tal hinauf fährt, wird von einem allzeit feinsäuberlich geschlichteten Misthaufen eines kleinen bäuerlichen Anwesens mit der Hausnummer 1 empfangen. Und wer Glück hat, kann den ältesten Dorfbewohner, den 86-jährigen Albert Wüst, bei seiner filigranen Arbeit mit Mistgabel und blauer Latzhose beobachten. Er versorgt tagtäglich seine Tiere und bringt den Lagerplatz des Mistes feinsäuberlich in die richtige Form. Dieser gestandene Mann steht symbolisch für sein Dorf. Hier ist er geboren, hier ging er zur Schule und hat sich sein Leben lang neben seiner Tätigkeit bei einer Zimmerei der Arbeit in der Landwirtschaft verschrieben. Der Dorfälteste ist ein Abbild von einem fleißigen, fidelen sowie stolzen Landwirt und nebenbei die Freundlichkeit in Person, der den Zusammenhalt im Dorf schätzt.

Oberbernrieth lehnt sich an die Auffahrt zum Fahrenberg - dem Heiligen Berg der Oberpfalz. Hier kümmern sich die Alten um die Jungen; und die Jungen respektieren die Alten. Wie im Bilderbuch.

Die Dorfjugend flitzt gerne dem runden Leder hinterher und krönt auf dem Bolzplatz die Dorfchampions. Der 14-jährige Simon Kleber spielt in der B-Jugend des FSV Waldthurn, ist Läufer beim TSV Pleystein und startet für den gleichen Verein erfolgreich als Skiabfahrtsläufer am Fahrenberghang.

Seine 18-jährige Schwester Katrin ist Studentin für Medizintechnik und hat ebenfalls fußballerisches Talent. Sie ist eine "Klasseverteidigerin" in der Damenmannschaft des SV Altenstadt/Vohenstrauß. Die junge Frau schnallt sich im Winter die Brettln an, ist Stadt- und Landkreismeisterin bei der Ski-Jugend und jagt für den TSV Pleystein auch in dieser Sparte von Erfolg zu Erfolg. Die sympathischen "Kleber-Kinder" sind sich einig: "Hier im Dorf passt alles, Freunde, Nachbarschaft und die schöne Landschaft."

Ein Allrounder


Einer hat sich 1966 als Jungschullehrer angesiedelt und ist mittlerweile vom Scheitel bis zur Sohle ein echter Einheimischer: Georg Schmidbauer - eine der vielen guten Seelen im Ort. Er ist Heimatpfleger, Musiker, Feuerwehrmann, Moderator, Chronist, Kulturpreisträger und einer der beliebtesten Bürger im Fahrenberger Land.

Viele heute gestandene Lehrer erinnern sich an den "fairen Lehramtsanwärterausbilder", der in der Region als Seminarrektor die jungen Pädagogen an ihre wichtige Aufgabe heranführte. Schmidbauer schrieb unter anderem Bücher wie "Der Fahrenberg" oder "Waldthurner Gschicht'n" und komponierte das Fahrenberglied. "Der Schorsch" spielt die Kirchenorgel am Fahrenberg, in der Waldthurner Pfarrei und überall, wo sein harmonisches Spiel zur Ehre Gottes gerne gehört wird.

Genannt werden die Dorfbewohner auch liebevoll "Affen", was Josef Müller - der Kramer Sepp - nicht besonders gerne hört. Nach den Recherchen Schmidbauers hat diese Bezeichnung eine einfache Herkunft. "Früher fuhren nur wenig Fuhrwerke durch den Ort, wenn dann eines kam, schauten die Leute neugierig aus den Fenstern - eben wie die Affen."

Müller ist Ehrenvorsitzender der Feuerwehr Bernrieth. Die Floriansmänner und -frauen tragen den Ort und sind neben den "Hüttenfreunden" die gesellschaftliche Zentrale. Im Sommer 2015 feierte die Wehr nach 4000 freiwilligen Arbeitsstunden die Einweihung ihres neuen Gerätehauses. Vorsitzender der Gemeinschaft mit Mitgliedern aus 14 Orten der Gemeinden Waldthurn und Georgenberg sowie der Stadt Pleystein ist Norbert Feneis, ein gestandener Zimmermann vom Unterfahrenberg. Als Feuerwehr-Motivator, Taktzahlgeber und "gestrenge Hand" fungiert der Oberbernriether Kommandant Rudi Bayer.

Geselligkeitspflege


Unweit vom Dorfzentrum befindet sich die Talstation vom Ski- und Snowboardzentrum Fahrenberg. Dort, wo manchmal scharf mit der Schneekanone geschossen wird und die Brettlfans in den Skilift einsteigen, gibt es eine Skihütte. Sie ist seit acht Jahren die Heimat der Hüttenfreunde und der eigentliche Dorftreff auf der Skipiste.

Andreas Gmeiner, ein echter Oberbernriether, ist der Vorsitzende des agilen 70 Mitglieder zählenden Gesellschaftsvereins mit Mitgliedern aus der ganzen Region. Jung und Alt feiern miteinander Kirwa, entzünden das Johannisfeuer, machen Wanderungen, lieben die Geselligkeit und sind oft gleichzeitig Mitglieder der Feuerwehr.
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