Familie Aliyev gut in Waldthurn integriert
Schultüte mit 41 Jahren

Überrascht war Elnara Aliyev über die Schultüte, die ihr Helene Huber zum Ausbildungsbeginn schenkte. Darin waren "Süßigkeiten, Vitamine, alles für die Berufsschule und ein rosa Federmäppchen". Bild: hfz
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Waldthurn
13.08.2016
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Viel Unterstützung erhalten Elnara und Ali Aliyev von den Waldthurnerinnen Helene Huber und Tanja Pflaum (von links). Bild: rti

"Servus" begrüßt Elnara Aliyev den Gast. Und auch bei ihrem Sohn Ali lässt sich nicht leugnen, dass er schon länger in Waldthurn wohnt. Wenn er redet, ist ein leichter Oberpfälzer Dialekt herauszuhören. Aber nicht nur sprachlich ist die Familie aus Aserbaidschan in Bayern angekommen.

Seit 1. August macht Elnara Aliyev eine Ausbildung zur Konditorin bei der Stadtbäckerei Schaller in Weiden. Zum Start hat die 41-Jährige sogar von ihrer Freundin Helene Huber eine Schultüte bekommen. Wobei die Aserbaidschanerin damit zunächst nicht viel anfangen konnte: "So etwas habe ich nicht gekannt. Das hat es bei uns in Baku nicht gegeben." Gefreut hat sie sich aber natürlich riesig.

Suche nach Lehrstelle


Huber und Aliyev lernten sich bei der Arbeit im Gesundheitszentrum kennen. Seitdem hat die Waldthurnerin die 41-Jährige in ihr Herz geschlossen. "Sie ist wie eine Tochter." Daher habe sie die Asylbewerberin auch bei der Suche nach einer Ausbildung stark unterstützt.

"Elnara hat mir erzählt, dass sie so gerne backt und kocht. Sie kann super Torten machen." Daher habe Huber eine Konditoren-Stelle gesucht. Nach über vier Wochen und zig Telefonaten wurde sie bei der Bäckerei Schaller fündig. Die Aserbaidschanerin überzeugte offenbar im Juni bei ihrem zweitägigen Praktikum. Denn schon kurze Zeit später bekam sie die Zusage für die Lehrstelle.

"Ich mache zum ersten Mal in meinem Leben eine Ausbildung", freut sich Aliyev. Für die nächsten drei Jahre fungiert Huber als eine Art Patin: "Ich bin die Ansprechpartnerin für den Betrieb Schaller, falls es Probleme oder Unklarheiten gibt." "Schon ein wenig Angst" hat Aliyev vor der Berufsschule, da sie dort eine der ältesten Schüler sein wird. Dabei widerspricht Huber sofort: "So lange du weiter so stark bleibst und so viel Kraft hast, wirst du das schaffen."

Eine Hürde muss die Aserbaidschanerin, die mit ihren zwei Söhnen und ihrem Mann seit Februar 2014 in Waldthurn lebt, aber trotzdem schon jeden Tag meistern. Sie ist auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen, denn wegen ihres noch laufenden Asylverfahrens darf sie keinen Führerschein machen. "Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Auf dem Land brauchst du eigentlich ein Auto, um in die Arbeit zu kommen", erklärt Tanja Pflaum, die sich ebenfalls um die Familie kümmert. Wann das Asylverfahren abgeschlossen ist, könne man nicht abschätzen.

Bei den Festburschen dabei


Zur Familie gehört der 15-Jährige Ali. Er hat das Berufsgrundschuljahr zum Schreiner in Weiden hinter sich. Weil er in diesem Bereich keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, will er Heizungsbauer lernen. "Da habe ich schon ein Praktikum gemacht. Das gefällt mir."

Gefallen hat er auch am Vereinsleben in Waldthurn gefunden. Er spielt Fußball beim FSV und ist bei der Feuerwehr dabei. Zudem tritt der Moslem ab September der Katholischen Landjugend bei. "Ich kenne hier schon alle Leute. Das ist wirklich super", freut sich der 15-Jährige.

Zudem gehört er zu den Festburschen für die 800-Jahr-Feier Waldthurns 2017. "Wir haben schon Lederhosen anprobiert und eine bestellt." Ein weiterer Schritt zur Integration in die neue bayerische Heimat.

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Erste Geschichte über die Familie Aliyev:

www.onetz.de/78915

Arbeitskreis AsylViele Bürger setzen sich in Waldthurn dafür ein, dass die Asylbewerber im Ort integriert werden. "Bei uns gibt es keine Vorurteile gegen diese Leute", sagt Helene Huber. Wertvolle Unterstützung leistet der Arbeitskreis Asyl (AK). Momentan sind in Waldthurn in der Bahnhofstraße neun Asylbewerber (Aserbaidschan, Äthiopien und Syrien) untergebracht. Zudem sind in der Fahrenbergstraße noch fünf junge Iraker (Kurden). Im AK bringen sich etwa zwölf Personen ein. Die Kerngruppe besteht aus Dr. Johannes Weig, Marianne und Hans Pausch sowie Tanja Pflaum. Laut Pflaum sei es wichtig, dass alle aufeinander zu gehen. "Wir fühlen uns hier wohl und wollen in Waldthurn bleiben", erklärt Elnara Aliyev. Sehr geholfen hätten ihr die vielen Deutschstunden, die sie noch immer besucht. (rti)
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