„König der Oldtimer“
Alfons Gollwitzer im Alter von 78 Jahren überraschend gestorben

Alte Vehikel hatten es Alfons Gollwitzer angetan. Viel Prominenz chauffierte er in seinem Praga, dem Dienstwagen des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei, Tomás Garrigue Masaryk. Am Wochenende starb 78-jährige Woppenriether an Krebs. Bild: ms
Vermischtes
Waldthurn
28.02.2016
2689
0

Erst am vergangenen Dienstag hatte Alfons Gollwitzer auf dem "Fullertn"-Hof in Woppenrieth mit seiner Familie noch 78. Geburtstag gefeiert. Völlig überraschend erlag der "König der Oldtimer" und begeisterte Musikant in der Nacht zum Samstag einem heimtückischen Krebsleiden.

Alfons Gollwitzer, 2010 Kulturpreisträger des Landkreises Neustadt, gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten in der Region. Wenn er zu seiner Diatonischen griff, war Stimmung angesagt. Der originelle Landwirt war ein hochgeschätzter Unterhalter. Umso mehr löste am Wochenende die Nachricht von seinem Tod Betroffenheit und Bestürzung aus.

Weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus war der Vater dreier Töchter als Oldtimer-Sammler bekannt. Es gab wohl kaum einen bedeutenden Festzug in der Oberpfalz, bei dem er nicht mit einem seiner wertvollen Vehikel die Blicke auf sich zog. Regierungspräsidenten, Bischöfe, die Fürsten von Lobkowitz und unzählige Brautpaare hat er chauffiert.

Präsidenten-Karosse


Sein mit viel Fleiß aufgebautes Museum in Woppenrieth beherbergt 60 Oldtimer: Traktoren, Motorräder und alte Erntemaschinen, die der Tüftler bis aus Kalifornien in die Oberpfalz geholt hat. Das bekannteste Fahrzeug ist ein Praga, Baujahr 1918. Das offene 27-PS-Gefährt war der Dienstwagen des ersten Präsidenten der Tschechoslowakei, Tomás Garrigue Masaryk. Gollwitzer entdeckte 1983 die völlig heruntergekommene Karosse, für die ein Ausfuhrverbot bestand, in der Nähe von Prag in einer Scheune. Er zerlegte sie und schlichtete die Teile feinsäuberlich in einen uralten, mit Spinnweben übersäten Dreschwagen.

Am Heiligen Abend, einem eisigen Wintertag, an dem es heftig schneite und der "Böhmische" blies, fuhr der gewiefte Woppenriether damit am Grenzübergang Waidhaus vor. Der tschechische Zöllner besah sich den alten Dreschwagen, schüttelte nur den Kopf und winkte das Gefährt durch. Gollwitzer fiel ein Stein vom Herzen. Hätte man ihn erwischt, wäre er in einem tschechischen Gefängnis gelandet. Ähnliche Geschichten wusste der Liebhaber alter Technik zu vielen seiner Fahrzeuge zu erzählen.

Seine zweite Leidenschaft galt der Musik. Erst mit 50 Jahren, nachdem ihm seine Ehefrau Monika zum runden Geburtstag eine Steirische Harmonika geschenkte hatte, brachte der bodenständige Oberpfälzer sich selbst das Spielen bei. Seine erste Gruppe hieß "Die Lustigen", die beim "Singenden klingenden Landkreis" im Schwab-Stodl in Pirk ihr Debüt gaben. Später gründete er die "Dampfbröider", die auf unzähligen Veranstaltungen mit ihrer unverfälschten Volksmusik für Stimmung sorgten.

Vilsmaier häufig zu Gast


Viele Fernsehleute besuchten Gollwitzer auf dem "Fullertn"-Hof, der seit 1515 im Familienbesitz ist, zuletzt 2015 Franz Xaver Gernstl. Der Film lief am 26. Dezember im Bayerischen Fernsehen. Regisseur Josef Vilsmaier lieh sich immer wieder alte Fahrzeuge für seine Filme aus. Nur wenige wissen, dass er 1984 für "Herbstmilch" die Szene von der Heimkehr Alberts aus dem Krieg hinter dem "Fullertn"-Hof drehen ließ - mit einem Oldtimer mit Holzgasantrieb von Gollwitzer.

Als der Leichenwagen am Samstag Alfons Gollwitzer holte, drehte er noch einmal eine Runde durch das weitläufige Areal auf dem "Fullertn"-Hof. Dazu läutete die Glocke, die Gollwitzer vor zwei Jahren installiert hatte. Das Requiem ist am Dienstag, 1. März, um 15 Uhr in der Filialkirche Lennesrieth, anschließend Beerdigung auf dem Dorffriedhof.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.