Mut zur Unvollkommenheit, auch in der Erziehung
Perfekte Eltern gibt es nicht

In Arbeitsgruppen diskutierten Eltern mit der Weidener Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Antje Giesecke (links) verschiedene Erziehungsfragen. Bild: fvo
Vermischtes
Waldthurn
10.03.2016
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"Haben Sie Mut zur Unvollkommenheit auch im Alltag, lassen Sie sich nicht unterkriegen, und vergessen Sie nicht die Freude an Ihrem Kind", weiß die Weidener Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Antje Giesecke. Die Kindertagesstätte hatte die Expertin zu einem Vortrag eingeladen. Dabei sprach sie über das Thema Kindererziehung und über die Angst, "etwas falsch zu machen".

Weltweit suchen Eltern nach Orientierung. In der Gesellschaft gebe es keine Konzepte mehr. Mütter und Väter sollten es sich erlauben, unsicher zu sein. Bis in die 1950er und 1960er Jahre war Kindererziehung stark autoritär geprägt sowie vergleichsweise simpel zu verstehen und anzuwenden. Als Gegenbewegung dazu bekam in den 1970er Jahren die antiautoritäre Erziehung Aufwind. Egal, ob autoritär, laissez-faire, alles dazwischen - nichts funktioniere optimal. Aktuell steuere man eine "goldene Mitte" an, ein Gleichgewicht im Hinblick auf Grenzen und Freiraum.

Mit den 25 Teilnehmern erarbeitete und diskutierte die Expertin "Erziehungsfehler" wie Inkonsequenz, Uneinigkeit durch viele Miterzieher, Zeitproblematik oder Kinder als kleine Erwachsene. "In bestimmter Weise sind wir alle sogenannte Helikopter-Eltern, die ihre Kinder stets zu sehr behüten. Geben sie Ihrem Kind eine gehörige Portion Selbstwertgefühl mit", erklärte Giesecke.

Entscheidend sei es, den Kindern die eigenen individuellen Werte mitzugeben, beispielsweise Ehrlichkeit. An der inneren Einstellung müsse man die Erziehung ausrichten. Daran könnten sich die Kinder orientieren. "Sie machen in der Erziehung gar nicht so viele Fehler, wie Sie meinen. Seien Sie positiv und geben Sie ihren Kindern Halt, Orientierung und Liebe. Perfekte Eltern gibt es nicht." Diejenigen, die nach Perfektion streben, setzen auch den Nachwuchs unter Druck. "Selbstakzeptanz, das Bewusstsein, unvollkommen zu sein, und Selbstermutigung spielen heute für die Kindererziehung eine ganz wichtige Rolle."
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