Pfarrer Janusz Kropienwnickis letzte Urlaubsvertretung in Waldthurn
Abschied fällt schwer

Seit 29 Jahren kommt Professor Dr. Janusz Kropiewnicki pünktlich zu Beginn der Sommerferien nach Waldthurn. Heuer wird er zum letzten Mal Pfarrer Marek Baron vertreten. Der Abschied fällt auch den Waldthurnern schwer. Bild: fvo
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Waldthurn
21.08.2016
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"Einmal muss Ende sein", sagt der Urlaubspfarrer Janusz Kropiewnicki im Waldthurner Pfarramt St. Sebastian. Heuer wird er zum letzten Mal die Urlaubsvertretung für Pfarrer Marek Baron übernehmen. Die Reisestrapazen sind zu groß.

"Aus gesundheitlichen Gründen kann ich diese lange Reise von meinem Heimatdorf Tymawa in Polen hierher in die 1000 Kilometer entfernte Oberpfalz in Zukunft nicht mehr antreten", sagt der Geistliche. Am Sonntag, 28. August, bricht dann für die Waldthurner Gläubigen ein liebgewonnener, fester Bestandteil im Jahresablauf weg.

Seit 29 Jahren kommt Professor Dr. Janusz Kropiewnicki pünktlich zu Beginn der Sommerferien nach Waldthurn. Der polnische Pfarrer mit den lachenden blauen Augen gehört in der Gemeinde zum Monat August wie die Getreideernte. Die Reisestrapazen nagen aber an seiner Gesundheit. Seit 1988 kommt der Geistliche in die Oberpfalz, um alljährlich Pfarrer Marek Baron und davor Geistlichen Rat Andreas Renner den wohlverdienten Sommerurlaub zu ermöglichen.

"In den letzten fast drei Jahrzehnten gehörte es zum Jahreslauf. Wenn Pfarrer Janusz gekommen ist, war es ein sicheres Zeichen, dass die Ferien nicht mehr weit sind", resümiert Pfarrgemeinderatssprecherin Birgit Bergmann.

Die Pfarr- und Marktgemeinde wird den polnischen Geistlichen am Samstag, 27. August, nach einem Kirchenzug (18.45 Uhr an der Dreifaltigkeitssäule) mit Vereinsabordnungen und -fahnen im Gottesdienst um 19 Uhr in der Pfarrkirche und anschließendem Stehempfang verabschieden.

Anstrengende Fahrt


Die alljährliche Fahrt strengt den sympathischen Priester doch erheblich an. Für die Hin- und Rückreise sitzt er vier Tage im Auto. Waldthurn ist mittlerweile seine zweite Heimat geworden . "Dass ich so oft gekommen bin, ist das beste Zeugnis für diese liebenswerte Pfarrgemeinde", erklärte der Geistliche . "Allerdings ist es mir hier nicht möglich, beim Spaziergang durch den Ort oder auch beim Gang zum Fahrenberg den Rosenkranz ohne Unterbrechung zu beten", sagte der 64-Jährige mit einem Augenzwinkern und gleichzeitig voller Freude, dass die Waldthurner gerne mit ihm ins Gespräch kommen. Auch die weltliche Gemeinde schätzte die seelsorgerische Arbeit des Polen und würdigte dies 2012 mit dem Eintrag ins Goldene Buch der Marktgemeinde. "Die Zeit zuvor und die 14 Jahre, in denen ich Bürgermeister bin, waren von einer tiefen, freundschaftlichen Zusammenarbeit geprägt", sagte der Gemeindechef Josef Beimler.

Pfarrer Janusz leitet in seiner Heimat eine Pfarrei mit 600 Seelen und ist zusätzlich zwei bis drei Tage in der Woche als Professor im Priesterseminar Pelplin tätig. Kropiewnicki behauptete leidenschaftlich, er sei der direkte Nachfolger der spanischen Ritter der Calatrava, die sich im 13. Jahrhundert im polnische Heimatdorf Tymava angesiedelt hatten. So müsse auch heute das Christentum gegen die Heiden verteidigt werden. "Leider sitze ich als Ritter nicht mehr so sicher auf meinem Pferd", sagte er humorvoll.

Viele Freunde gewonnen


In Waldthurn hat Pfarrer Janusz viele Freundschaften geschlossen. "Abschied ist auch ein kleines bisschen wie Sterben." Die "Werktagskirchgänger" kenne er zu 70 Prozent mit Nachnamen und zu 100 Prozent vom Gesicht. Ob er wieder mal als Besucher nach Waldthurn komme, könne er heute nicht sagen. "Wer weiß?".

"Fahrer von Jesus Christus"Bevor Professor Dr. Janusz Kropiewnicki die Urlaubsvertretung in Waldthurn übernahm, vertrat er fünf Jahre den Pfarrer im Grenzort Waidhaus. Als der Priester Anfang der 90er Jahre von Polen über Ostdeutschland mit seinem Fiat nach Waldthurn reiste, hatte er an seinem Fahrzeug ein technisches Problem. Aus seiner Waidhauser Zeit kannte er einen dortigen Automechaniker, zu dem er sein Fahrzeug zur Reparatur brachte.

Der Mechaniker erklärte seiner Frau, dass der Mann mit dem Fiat der Pfarrer von Waldthurn sei. Diese missverstand ihren Mann und hörte, dass Janusz der "Fahrer von Waldthurn" sei. Sie fragte: "Dann sind sie der Fahrer vom Busunternehmen Bock?" Die schlagfertige Antwort von Janusz war: "Nein, ich bin der Fahrer von Jesus Christus", was zur Belustigung aller Beteiligten beitrug. (fvo)
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