Vorstellung der Zwischenfrucht-Demoanlage in Waldthurn
Nitratwerte steigen nicht mehr

Josef Weiß (mit Hut) zeigt die Versickerung des Wassers im gut durchwurzelten Boden (linker Metallring) und in der verdichteten Fahrspur (rechter Metallring). Bild: fla
Vermischtes
Waldthurn
09.11.2016
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Diplom-Ingenieur Martin Schreyer (links) referierte über die Vorteile des Zwischenfruchtanbaus und erläuterte die einzelnen Pflanzenmischungen.

Landwirt Georg Bocka baut auf seinen Flächen bereits im vierten Jahr verschiedene Zwischenfruchtmischungen im Wasserschutzgebiet Waldthurn an. Bei einem Ortstermin präsentierte er die aktuelle Demo-Anlage.

Bürgermeister Josef Beimler freute sich, dass viele Landwirte der Einladung zur Vorstellung der Zwischenfrucht-Demoanlage gekommen waren. "Ohne Wasser gibt es kein Leben, deshalb müssen wir alles dransetzen, um dieses wertvolle Lebenselixier zu erhalten", erklärte Beimler. Der Markt setzt hier auch auf die Kooperation mit den Landwirten. Man sei auf einem guten Weg. Die Nitratwerte sind zumindest nicht mehr gestiegen, betonte das Waldthurner Gemeindeoberhaupt.

Behörden kooperieren


Beimler begrüßte Diplom-Ingenieur Martin Schreyer (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten), den neuen Wasserberater der Oberpfalz, Josef Weiß (AELF Amberg), Rainer Bodenmeier (Berater Oberpfalz, KWS Saatzucht), Axel Lämmermann (Pflanzenbaufachberater Erzeugerring Oberpfalz). Außerdem hieß er den Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, Hans Winter, Alois Fischer (Wasserwirtschaftsamt, Franz Fehnl (Sachgebietsleiter) und Rudolf Frischholz (LKP Ringwart) willkommen. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Weiden, das Wasserwirtschaftsamt und der Bayerische Bauernverband erarbeiteten und begleiten zusammen mit dem Markt Waldthurn eine Kooperationsvereinbarung mit den Bewirtschaftern der Flächen im Wasserschutzgebiet.

Eines der wesentlichen Ziele ist die Reduzierung der Reststickstoffgehalte nach der Ernte. Der Anbau von Zwischenfrüchten, die vor dem Winter nicht umgebrochen werden und die die Nährstoffe bis zum Frühjahr in ihren Wurzeln festhalten, trägt entscheidend dazu bei. So kann der Stickstoff von der nachfolgenden Kultur aufgenommen werden und Nitrat nicht ins Grundwasser gelangen. Christine Griesbach (Gemeinde Waldthurn) stellte die Ergebnisse der Bodenbeprobung vor und merkte an, dass sämtliche Zwischenfruchtarten den Stickstoffgehalt reduzieren. Am eindrucksvollsten zeigt sich dies bei der Mischung "Terra Life AquaPro" mit "nur" 16,8 Kilogramm pro Hektar ohne Gülleausbringung.

Keine Erbsen


Landwirt Georg Bocka hat eine Vielzahl von Zwischenfrüchten angebaut, um zu demonstrieren, welche sich am besten für den Anbau im Wasserschutzgebiet eignen, angefangen von Ölrettich und Phacelia bis zu speziellen Mischungen für Wasserschutzgebiete. Stickstoffsammelnde Zwischenfrüchte, zum Beispiel Erbsen, sollten nicht angebaut werden. Der Pflanzenbaufachberater Schreyer ist davon überzeugt, dass der Zwischenfruchtanbau eine der wichtigsten Maßnahmen zur Sicherung einer guten Trinkwasserqualität ist. "Gerade Mischungen mit verschiedenen Pflanzen durchwurzeln den Boden auch in tieferen Schichten und verringern den Nährstoffgehalt", so Schreyer. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Nitratgehalt im Boden durch den Anbau einer Zwischenfrucht um 75 Prozent gesenkt werden kann.

Der Wasserberater demonstrierte wie der Zwischenfruchtanbau das Bodenleben fördert und die Pflanzen davon profitieren. "Durch die bessere Bodenstruktur kann bei starken Niederschlägen wesentlich mehr Wasser einsickern, was den Boden und die Oberflächengewässer schützt", erläuterte Weiß.

Im Blickpunkt: Schwere Maschinen verdichten Boden


Axel Lämmermann, Pflanzenbaufachberater Erzeugerring Oberpfalz, merkte an, dass jeder Landwirt in der Verantwortung stehe. "Immer größere Geräte werden nicht immer helfen", so Lämmermann. Schwere Maschinen verdichten den Boden. Pflanzen können nicht tief verwurzeln, Wasser kann nicht aufgenommen werden. Je besser jedoch der Boden durchwurzelt ist, desto lockerer ist er auch und kann somit auch mehr Wasser aufnehmen und speichern. Auch würde er Zwischenfrüchte nicht einpflügen.

Besser sei es, den Aufwuchs im Winter zu zerkleinern und später unterzumischen. Dadurch wird die Bodenstruktur nicht zerstört. "Wir können jedoch nur abwägen und beraten", erklärte Lämmermann weiter. "Wir können auch nicht sagen, was richtig oder falsch ist. Die letzte Entscheidung liegt beim Landwirt." Hans Winter, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, erklärte: "Die Wasserwirtschaft und die Fachstellen sollten diese Thematik verstärkt gemeinsam in die Gemeinden tragen." Bürgermeister und Landwirte gingen manches Mal nicht konform, zum Teil auch weil sie von den Aufgaben und Auflagen des anderen nicht immer alles wissen.

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