Waldthurn enthüllt Gedenktafel für Widerstandskämpfer Hans Beimler
„Im Sinne der Demokratie kein Held“

Heimatpfleger Georg Schmidbauer (Zweiter von links) und Bezirkstagvizepräsident Lothar Höher enthüllen die vom Lennesriether Bernhard Bodensteiner gestaltete Hans-Beimler-Gedenktafel. Landrat Andreas Meier, MdL Anette Karl, Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Waldthurns Rathauschef Josef Beimler (von links) verfolgten die Zeremonie. Bild: fvo
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Waldthurn
03.12.2016
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(fvo) Einen raubeinigen und berühmten, aber in der Heimat vergessenen Gesellen ehrte die Marktgemeinde am Donnerstag direkt vor Bürgermeister Josef Beimlers Amtszimmer. Viele Gäste erinnerten am 80. Todestag von Hans Beimler an den Waldthurner Kämpfer gegen die Nazis, dessen Markenzeichen abstehende Ohren und ein hartes Schlossergesicht waren. Dabei gab es auch kritische Töne.

Der Rathauschef begrüßte dazu viel Prominenz. Sogar Bundespräsident Joachim Gauck wünschte in einem Brief der Gedenkveranstaltung anregende Gespräche. Auch Randolf Oechslein und Eva Petermann von der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) aus Hof waren samt Fahne der VVN (Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) angereist.

Hans-Beimler-Lied


Die Trachtenkapelle Waldthurn unter Leitung von Josef Pflaum begleitete die Feierstunden. Beeindruckend intonierte dritter Bürgermeister Hans-Peter Reil bei der Enthüllung der Gedenktafel das Hans-Beimler-Lied.

Die Festansprache hielt Georg Schmidbauer aus Oberbernrieth. Der Laudator erinnerte an Beimlers Todestag, den 1. Dezember 1936, und dessen widersprüchliche Darstellung. Im Westen vergessen oder bewusst als Kommunist totgeschwiegen, in der ehemaligen DDR aber als Kämpfer für die Arbeiterklasse gegen den Faschismus geradezu als Held vergöttert.

Beimler sei jedoch kein Heiliger und seiner Frau nicht immer treu gewesen. Vermutlich habe sie sich deshalb das Leben genommen. "Errichten wir also eine Gedenktafel für einen Ehebrecher und Terroristen?", fragte Schmidbauer. Dies seien aber nur einzelne Facetten. "Was bleibt im Jahr 2016 von Hans Beimler übrig?" In Zeiten, wo der rechtsradikale Mob Anschläge verübt, sei es ein wunderbares Zeichen, dass der Waldthurn dem Widerstandskämpfer Beimler eine Gedenktafel widmet.

Laut Bezirkstagsvizepräsident Lothar Höher sei Beimler ein tapferer, großer Mann, der mit der Errichtung einer Gedenktafel nach Waldthurn heimgekehrt sei. Er habe sich dem Nazi-System entgegengestellt, das Millionen Tote und ein zerstörtes Europa hinterlassen hat. Weidens Oberbürgermeister Kurt Seggewiß schlug in die gleiche Kerbe: "Beimler war ein echter Oberpfälzer. Respekt vor seinem Mut."

Kritischer ging Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl mit dem Kommunisten um. Trotz einer langen Liste an Vorzügen diene Beimler "nur bedingt als Eins-zu-Eins-Vorbild", und als Held vielleicht noch weniger. Seine mutige Haltung gegenüber den Schergen des Dritten Reichs nötige auch heute noch höchsten Respekt ab. Und dennoch: Beimlers Leben stand im Dienst einer undemokratischen Weltanschauung.

Konsequenter Mahner


Als es Ende der 1920er Jahre zu einer stetigen Radikalisierung der Gesellschaft kam, attackierten Beimler und seine Gesinnungsgenossen der KPD laut Dr. Appl die demokratischen Parteien des bürgerlichen Lagers stetig und hart. "Im Sinne der Demokratie ist Beimler kein Held und Vorbild." Er zeigte sich aber als interessanter, konsequenter Mahner und historische Person, die geradlinig und unbeirrt seinen Weg ging.

Für MdL Anette Karl taugt Beimler zwar nicht als Held, aber er könne trotzdem ein Vorbild sein, der seine Überzeugungen gelebt habe. "In der heutigen Zeit, wo der Rechtsradikalismus anfängt, sein Haupt zu erheben, brauchen wir Vorbilder wie Beimler." Landrat Andreas Meier sagte, der Markt habe heute den Mut, die Geschichte in die Gegenwart zurückzuholen. Waldthurn habe mit dem Gedenken an Beimler einen Denkanstoß gegeben.

In der heutigen Zeit, wo der Rechtsradikalismus anfängt, sein Haupt zu erheben, brauchen wir Vorbilder wie Beimler.MdL Anette Karl


Errichten wir also eine Gedenktafel für einen Ehebrecher und Terroristen?Georg Schmidbauer
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