Josef Fichtl junior kauft ehemalige Brennerei am Maienfeld
Boote statt Branntwein

Brennerei-Vorstandsvorsitzender Heinrich Weig (vorne, links) überreichte l die Schlüssel an den neuen Besitzer Josef Fichtl junior (vorne, rechts). Bild: fvo
Wirtschaft
Waldthurn
11.11.2016
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Der Geruch nach Schlempe, "der alkoholfreien Erdäpflsuppe" wie die Landwirte das Abfallprodukt nannten, ist längst verflogen. Im März 2013 brannte man die letzten Kartoffeln - nun wurde die Brennerei verkauft.

Albersrieth/Maienfeld. Auf dem Vorplatz gab es seither keine Landwirte mehr, die die braune Knolle anliefern oder sortieren. Der Remmelberger Josef Fichtl junior ist der neue Hausherr am Maienfeld. Brennerei- Vorstandsvorsitzender Heinrich Weig aus Albersrieth überreichte nun die Schlüssel an den 30-Jährigen. Der Maschinenbaumechaniker ist bei Firma Lukas (Abteilung Wasserkraft) in Albersrieth beschäftigt. Fichtl will in der ehemaligen Brennerei Unterstellmöglichkeiten für Fahrzeuge aller Art wie Wohnwagen aber auch Boote anbieten.

In 45 Jahren erzeugte die Brennereigenossenschaft Albersrieth insgesamt 7,53 Millionen Liter Branntwein aus knapp 1,5 Millionen Zentner Kartoffeln. Seit März 2013 ist Schluss und die Herstellung von Rohalkohol an der Verbindungsstraße zwischen Waldthurn nach Albersrieth ist Geschichte.

Grund war der Wegfall des Branntweinmonopols. Die Brenngenossen standen zwar in der Lieferpflicht, aber auch unter dem Schutz der Bundesmonopolverwaltung. Diese gab den von der Brennerei hergestellten Rohalkohol mit entsprechendem Preisaufschlag an die Industrie ab.

Kurze Wege der Vorteil


"Bei der Gründung der Brennereigenossenschaft Albersrieth eG am 20. November 1967 galt der Gedanke der kurzen Wege", erklärte Weig, der das Amt seit 1990 bekleidete. "Durch die Abschaffung des Monopols durch den EU-Beschluss vom 22. Oktober 2007 wurden die Großbrennereien forciert, die optimale Kreislaufwirtschaft unserer Brennerei wird dadurch aufgelöst."

Die Idee zur Gründung der Brennereigenossenschaft Albersrieth hatte 1967 der Bürgermeister der Gemeinde Lennesrieth, Franz Weig. Das Maienfeld war idealer und zentraler Anlaufpunkt für die Landwirte, die aus Albersrieth, Ottenrieth, Erpetshof, Frankenrieth, Woppenrieth und Spielberg kamen.

Ab November 1967 beteiligten sich 16 Genossen. Sie kauften das Grundstück, bohrten zur Sicherung der Wasserversorgung einen Tiefbrunnen und erwarben die Brennrechte. Baubeginn für die Brennerei war im April 1968, im November 1968 brannte der Brennmeister schon die im Oberpfälzer Raum prächtig gedeihenden ersten Kartoffeln mit viel Stärkegehalt.

Damals erhielten die Verantwortlichen ein Brennkontingent für 1500 Hektoliter Branntwein, das später durch Zukauf auf 2400 Hektoliter aufgestockt wurde. 1969 bauten sie schließlich auch noch eine große Lagerhalle, in der bis zu 40 000 Zentner Kartoffeln Platz fanden.

"In den Wintermonaten holten die Genossen die eiweißreiche Schlempe täglich ab und verfütterten sie an die Tiere. Die Gülle der Kühe diente wieder als Dünger für die Kartoffelfelder, so war eine ideale Kreislaufwirtschaft entstanden, bei der Landwirte und Umwelt in idealer Symbiose lebten", sagt Vorstandvorsitzender Weig. "Für die Brennereigenossen garantierten die erkauften Brennrechte eine sichere Abnahme der Kartoffeln, zu einem sicheren Preis unter dem Schutz der Bundesmonopolverwaltung." Gebrannt wurde von September bis März. Zum Trinken direkt von der Produktionsstätte sei der Rohalkohol nicht und wäre nach Verschluss durch den Zoll auch nicht möglich gewesen.

Statussymbol


"Die Albersriether Brennerei war für den Agrarsektor in der Region sehr bedeutend", resümierte Weig. Sie sei ein Statussymbol in der Marktgemeinde Waldthurn gewesen und fast ein halbes Jahrhundert eine "Riesensache".

Die Albersriether Brennerei war für den Agrarsektor in der Region sehr bedeutend.Brennerei- Vorstandsvorsitzender Heinrich Weig
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