Private Haushalte können bis zu 50 Prozent der Energie einsparen
Selbstversorgung keine Utopie

Stromverbrauch des Marktes Waldthurn. Grafik: NT/AZ; Quelle: Dipl.-Ing. (FH) Josef Pauli/TH Deggendorf
Wirtschaft
Waldthurn
15.10.2014
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Mit der richtigen Strategie könnte Waldthurn viel Strom sparen. Die privaten Haushalte und die Gemeinde sind gefordert, die Energiewende mitzugestalten.

"Die Gemeinde könnte sich selbst mit der nötigen Energie versorgen und autark sein." Diese Botschaft übermittelten bei der Abschlussveranstaltung zum Energiekonzept die Fachleute der Technischen Hochschule Deggendorf.

Professor Dr. Roland Zink erläuterte zunächst die allgemeine Lage. Demnach bröckle bei verschiedenen Staaten nach dem Schock von Fukushima die Abkehr von der Atomenergie. China, Indien und Brasilien sorgten für steigenden Kohlendioxid-Ausstoß. Deutschland, das in Richtung erneuerbare Energien marschiere, sei mit 16,1 Prozent der größte Abnehmer von russischem Erdgas. Es wären allerdings genügend alternative Ressourcen vorhanden - auch ohne Fracking.

Sollte sich die energetische Unabhängigkeit tatsächlich durchsetzen, könnten unsere Technologien als Exportschlager sicher auch in anderen Ländern für eine Reduzierung des Schadstoffausstoßes genutzt werden.

Diplom-Ingenieur (FH ) Josef Pauli stellte die für Waldthurn erhobenen Zahlen vor. Der Energieverbrauch lag 2012 bei 54 Millionen Kilowattstunden (kWh) . Der Löwenanteil, 56 Prozent, wurden für das Heizen verbraucht. Für den Verkehr waren es 34 Prozent, während der Stromverbrauch mit zehn Prozent zu Buche schlägt. Bei der CO2-Emmision lagen Waldthurner Haushalte im Bereich von rund 1250 Tonnen. Bei Gewerbe, Handel und Dienstleistung fielen 500 Tonnen, durch die Landwirtschaft rund 400 Tonnen an. Der Wert bei den Liegenschaften der Gemeinde beträgt rund 100 Tonnen.

Durch eine richtige "Wärmestrategie" könnten vor allem die privaten Haushalte mehr als 50 Prozent einsparen. Die Sanierung von Gebäuden, der Wille zum Sparen und eine Effizienz-Steigerung würden den Verbrauch von 22 Millionen kWh auf rund 9 Millionen kWh reduzieren.

Solaranlagen aufs Dach

Thermische Solaranlagen seien besonders zu empfehlen. Viele Möglichkeiten böten sich an, in der Region erzeugten Strom ortsnah zu verbrauchen. Würde auf jedem Privathaus-Dach eine 1-kWp-Anlage Dienst tun, senke dies die Bilanz erheblich.

Die Nutzung von Windenergie, so stellten die Experten fest, ist im Bereich Waldthurn momentan nicht relevant, da keine geeigneten Vorrangflächen ausgewiesen seien. Potenzial wäre jedenfalls zu Genüge vorhanden. Nahwärmenetze wurden ebenfalls angesprochen. Eine sinnvolle Betreiber-Variante wäre eine Gesellschaft mit Mehrheitsbeteiligung der Gemeinde.

Bürgermeister Josef Beimler forderte die Einwohner auf, sich an der Umsetzung des Konzepts zu beteiligen. Ein Energie-Stammtisch oder weitere Energie-Werkstätten sollen mit Leben erfüllt werden. Im Gemeinderat stehen jetzt die Entscheidungen an, welche Projekte in Angriff genommen werden.

Elisabeth Sternemann vom Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) wies auf die Fördermöglichen für viele Vorhaben hin. Auch ihr Kollege Karsten Heßing bot die Mithilfe der Behörde an.
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