"15 Stunden im Platzregen"

Die Gewerkschaft der Polizei kritisiert Überstunden und Ausrüstung beim G7-Einsatz: "Die Mehrzahl der Kollegen klagt über 15-Stunden-schichten mit mangelhafter Regenausrüstung."

Rund 100 Polizisten aus der nördlichen Oberpfalz waren am G7-Einsatz in Elmau und Garmisch beteiligt. Je nach Aufgabe und Einsatzort sind die Erfahrungen unterschiedlich: "Was die Kollegen Werner Stopfer, Norbert Kellner und Muhammet Dal schilderten, stimmt sicher zu 100 Prozent", möchte Heinz Preßl die Eindrücke, welche die Kollegen im Beitrag unserer Zeitung am Donnerstag schilderten, keineswegs in Frage stellen. Aber der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Kreisgruppe Weiden, kennt eben auch die andere Seite der Medaille: "Ich würde sagen, dass rund 80 Prozent der Kollegen die Situation vor Ort nicht ganz so rosig beurteilen."

Stau beim Rücktransport

Preßl sei am Montag bei der Einsatzbetreuung in Oberbayern mit vielen Klagen konfrontiert gewesen: "Manche Einheiten waren 14 Tage da drunten - fünf Nachtschichten mit mehr als 12 Stunden waren nicht ungewöhnlich." Wieso kam es trotz hohen Personaleinsatzes zu solchen Überstunden? "Der Rücktransport hat aus verschiedensten Gründen nicht geklappt", sagt der Gewerkschaftler. Zum Teil sei die topografische Lage einfach schwierig gewesen. "Dann kam es wieder zu Verzögerungen, weil ein hoher Herr durchwollte, und eine Straße gesperrt werden musste." Fairerweise müsse man sagen, dass die Instruktion für so ein großes, übersichtliches Gebiet nicht einfach sei: "Ich kann nicht vier Einheiten für die gleiche Aufgabe einweisen." Insofern hätten trotz der großen Mannstärke die Belastungen nicht ausgeglichen werden können.

Die Kritik des Gewerkschafters richte sich nicht gegen die Planung im Allgemeinen. "Die Organisation eines solchen Großeinsatzes bringt einen unheimlichen Aufwand mit sich", sagt Preßl, "da ist klar, dass Fehler passieren." Es gebe eine Nachbereitung, bei der zu klären sein wird, warum eine Reihe von Polizisten keine vollständige Regenausrüstung erhalten habe. "Da waren einige Kollegen schon richtig sauer", legt er nach, "nach dem Motto, ,was planen die so lange und wir stehen dann 15 Stunden im Platzregen und haben nicht mal einen Schirm'." Sicher, es habe an diesem Tag ungewöhnlich "runtergeschüttet" - "aber das ist in die Planung einzubeziehen, schließlich war das im Gebirge, da hätte es auch schneien können."

Grund der Kleiderpanne: "Man wollte unbedingt einheitlich im neuen dunkelblauen Anzug auftreten und dann fehlten beim einen die Regenhose, beim anderen der Umhang." Die Kollegen hätten teilweise ihre Kleidung nicht mehr trocken bekommen. "Einige Standposten haben sich mit Planen beholfen."

Balsam für Polizeiseele

Balsam auf die gereizte Polizistenseele sei dagegen die positive Resonanz der oberbayerischen Bevölkerung gewesen: "Anwohner kamen vorbei, haben uns auf die Schultern geklopft", freut sich Preßl, "die Kinder haben sich am meisten gefreut, weil die von uns versorgt wurden - das tut auch mal gut, wenn du so was mal siehst."
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