28-jähriger Weidener geht mit Stuhl auf Polizisten los: Gefängnis und Entziehungsanstalt
Vier Jahre für zwei Schläge

Wegen einer nächtlichen Ruhestörung und einer Körperverletzung waren die Polizisten Ende Februar in einen Treff junger Leute in der Weidener Innenstadt gerufen worden. Schon beim Betreten empfing ein gewaltbereiter Pulk die Beamten mit Beleidigungen und Rufen: "Raus! Raus! Ihr habt hier nichts verloren!". Es folgte ein Gewaltausbruch, wie ihn auch langgediente Polizisten noch nie erlebt hatten. Einige von ihnen schilderten vor Gericht, dass sie Angst um ihr Leben gehabt hätten. Zumindest mitverantwortlich dafür war ein 28-Jähriger, der von der Schwurgerichtskammer des Weidener Landgerichts nun zu vier Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Gleichzeitig wies ihn das Gericht wegen Alkohol- und Drogensucht in eine Entziehungsanstalt ein.

Zwei von sechs Polizisten waren am 23. Februar gegen 1.30 Uhr in das Lokal gegangen, um die Personalien eines Verdächtigen festzustellen. Dieser stürmte, mit einer Bierflasche bewaffnet, auf einen der Beamten zu. Bei dem Versuch, ihn festzunehmen, stützte der Polizeihauptmeister. Sofort hagelte es Schläge und Tritte von allen Seiten. Ein Kollege, der mit einem Schlagstock die Menge fernhalten wollte, bekam ebenfalls Faustschläge auf den Kopf. Als er sich schützend über den am Boden Liegenden beugte, sah er plötzlich einen Stuhl auf seinen Kopf herabsausen. Den ersten Schlag konnte er noch abwehren Der zweite traf ihn.

Andere Gäste zogen den Angreifer weg. Er konnte flüchten, versteckte sich und stellte sich - auf Anraten einer Ärztin - einen Tag später. Da die Hiebe mit dem Stuhl, der sogar zu Bruch gegangen war, potenziell tödlich hätten enden können, klagte Oberstaatsanwalt Rainer Lehner den ledigen Berufslosen wegen versuchten Totschlags an. Eine Tötungsabsicht konnte letztlich aber nicht bewiesen werden.

Der Weidener wurde deshalb "nur" wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte verurteilt. Zugute hielt man ihm neben dem Geständnis, dass er in äußerst schlechten familiären Verhältnissen aufgewachsen war. Landgerichtspräsident Walter Leupold: "Er hatte wenig Chancen im Leben. Das musste in einer Sackgasse enden." Leupold stellte aber auch klar, dass derartige Angriffe auf Polizisten nicht geduldet werden.
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