530 000 Briefe bleiben liegen

Für einige Stunden herrschte am Dienstagabend Ruhe am Briefzentrum in Schafhof. Archivbild: Hartl

Die Welle der Warnstreiks bei der Post schwappt auch in die Region. Am Dienstagabend legten rund 90 Beschäftigte in Amberg und Bayreuth die Arbeit nieder. Rund 530 000 Briefe blieben liegen. Und Verdi droht mit weiteren Maßnahmen.

Von 17 bis 21.30 Uhr dauerte der Warnstreik in den Briefzentren Amberg in Schafhof und Bayreuth. Jeweils 45 Mitarbeiter legten nach Auskunft von Matthias Than, stellvertretender Verdi-Betriebsgruppenvorsitzender, in der Abendschicht die Arbeit nieder. 280 000 Briefe in der Postleitzahlenregion 95 und 250 000 in der Region 92 blieben liegen. Die Zustellung dürfte sich um einen Tag verzögern. Than: "Bis Freitag müsste der Stau abgearbeitet sein." Der Gewerkschafter warnte: "Die Zeichen stehen jetzt auf Sturm. Unsere Beschäftigten lassen sich nicht an der Nase herumführen."

Auch Zusteller möglich

Nach derzeitiger Planung sollten in Bayern in den kommenden Tagen mehr als 200 Betriebsstätten in den Ausstand treten, erklärte Anton Hirtreiter von Verdi Bayern am Dienstag in München. Er schloss nicht aus, dass die Aktionen bis kurz vor der Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen am 20. Mai andauern. Am Morgen hatten rund 80 Beschäftigte des Briefsortierzentrums in München die Arbeit ganztägig niedergelegt. Am Freitag könnte auch die Brief- und Paketzustellung einbezogen werden, sagte Hirtreiter.

Das von der Post zuletzt vorgelegte Angebot sei "völlig inakzeptabel" gewesen, erklärte der Gewerkschafter. Die Post hatte unter anderem angeboten, den Kündigungsschutz um drei Jahre bis Ende 2018 zu verlängern, weitere Erholungszeiten und den 24. und 31. Dezember wieder als arbeitsfreie Tage einzuführen.

Wegen Fremdvergabe

Daraus ergibt sich nach Rechnung der Post insgesamt eine Stunde weniger Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Verdi fordert eine Arbeitszeitverkürzung von 38,5 auf 36 Stunden ebenfalls bei vollem Lohnausgleich. Hintergrund des Konflikts ist der Aufbau eines weiteren Zustellernetzes durch die Gründung von 49 regionalen Gesellschaften im Paketgeschäft. Verdi sieht darin einen Bruch bestehender tarifvertraglicher Vereinbarungen über das Verbot der Fremdvergabe an interne oder externe Unternehmen.
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