Appell an Eltern: Kinder nicht bis vor die Tür fahren
Nadelöhr Schule

Es blockiert die Entwicklung der Selbstständigkeit, ist gesundheitsschädlich und sorgt für tägliche Verkehrsprobleme.
Eine Woche ist das neue Schuljahr 2015/16 erst alt, schon treten altbekannte Probleme zutage. Passend zur Aktionswoche "Zu Fuß zur Schule" klagen Schulleiter über den Drang vieler Eltern, ihre Sprösslinge morgens bis vor die Schultür zu eskortieren und mittags genau dort wieder abzuholen.

"Aus pädagogischer Sicht ist dies unsinnig. Es blockiert die Entwicklung der Selbstständigkeit, ist gesundheitsschädlich und sorgt für tägliche Verkehrsprobleme", fasst Wolfgang Krauß, Schulamtsdirektor im Landkreis Tirschenreuth, seine Erfahrungen zusammen. Zudem würden "übereifrige und übervorsichtige Eltern" das Ansehen ihrer Kinder riskieren. "Selbstständigere Mitschüler verspotten die Kinder, die tagtäglich von Mami oder Papi gebracht und geholt werden." Krauß setzt auf Kommunikation zwischen Schulleitern und Eltern. Bei Elternabenden und mittels Info-Blättern werde immer wieder an die elterliche Vernunft appelliert, dass Sechsjährige durchaus in der Lage sind, den Schulweg zu bewältigen.

Sein Kollege Peter Junge vom Schulamt Amberg schlägt in dieselbe Kerbe. Er berichtet von "beratungsresistenten Eltern", die den Schul-Transport ihrer Kinder bis "zum Exzess" betrieben. "Teilweise kommt der morgendliche Berufsverkehr komplett zum Erliegen", sagt Junge. Im Optimalfall verfüge jede Schule über eine Art Kreisverkehr nach dem Prinzip: Anhalten - Aussteigen - Weiterfahren. Doch zu oft sei die Infrastruktur noch nicht angepasst.

Christine Söllner, Schulamtsdirektorin in Neustadt/WN, bringt Verständnis auf: "Eltern sollten mit ihren Kindern den Schulweg abgehen und Schulanfänger anfangs begleiten. Nach einer Woche sollte es sich auf einem Normalmaß einpendeln." Vernünftigerweise versuchten Eltern meist, ihre Kinder ab der zweiten Klasse zur Selbstständigkeit zu erziehen. Mehr um den gesundheitlichen und sozialen Aspekt sorgt sich Georg Kick vom Schulamt Schwandorf. "Auf dem Gehweg nach Hause können Kinder den Kopf freibekommen oder sich mit Schulkameraden austauschen."
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