Bayerische Ärzte offen für neue Organisationsformen - Ab Freitag Treffen in Weiden
Operation Gesundheit

Ärzte sind keine Sterbeengel, Töten ist keine ärztlich Aufgabe.
Die bayerische Landesärztekammer (BLÄK) will am Wochenende auf dem Ärztetag in Weiden intensiv über die künftigen Strukturen der Gesundheitsversorgung im Freistaat debattieren. Kammer-Präsident Max Kaplan warnte im Vorfeld der Tagung vor einer Schließung von Krankenhäusern in ländlichen Regionen und zeigte sich gleichzeitig offen für neue Organisationsformen in der ambulanten Versorgung. "Gerade hier muss sich noch viel bewegen", sagte Kaplan.

Mehr angestellte Ärzte

Nach aktuellen Daten der BLÄK ging die Zahl der niedergelassenen Allgemein- und Fachärzte im laufenden Jahr erneut zurück. Sie fiel von 6312 auf 6179. Gleichzeitig stieg die Zahl der in Arztpraxen angestellten Mediziner um gut 500 auf 4530. Die Politik müsse dieser Entwicklung mit der Förderung von Gemeinschaftspraxen und medizinischen Versorgungszentren (MVZ) Rechnung tragen, so Kaplan. Bezüglich der stationären Versorgung sprach sich Kaplan für eine stärkere Spezialisierung der Krankenhäuser in den Regionen aus. Um die wohnortnahe Akutversorgung sicherzustellen, sollte jedes Krankenhaus über einen Notarztstandort verfügen. Ansonsten aber sollten sich benachbarte Häuser über die angebotenen Schwerpunkte absprechen, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Zudem sprach sich Kaplan für "kooperative Belegarztmodelle" aus, um ambulante und stationäre Versorgung enger miteinander zu verzahnen. Ferner müsse den Krankenhäusern das Vorhalten bestimmter Versorgungsleistungen besser vergütet werden. Das Prinzip der Fallpauschalen allein reiche nicht.

In der aktuellen Debatte um die Sterbehilfe totkranker Menschen wandte sich Kaplan ausdrücklich gegen Überlegungen, einen ärztlich assistierten Suizid straffrei zu stellen. "Ärzte sind keine Sterbeengel, Töten ist keine ärztlich Aufgabe", betonte Kaplan. Die Ärzteschaft stehe zwar hinter Bestrebungen, gewerblich organisierte Sterbehilfe zu verbieten, für weitere gesetzliche Regelungen gebe es aber keine Notwendigkeit.

Gebührenordnung ändern

Der Oberpfälzer BLÄK-Bezirksvorsitzende Wolfgang Rechl plädierte für eine umfassende Novellierung der ärztlichen Gebührenordnung. Seit deren Inkrafttreten 1995 habe sich das ärztliche Leistungssprektrum enorm verändert. Neben einem längst überfälligen Inflationsausgleich bei den Honorarsätzen müssten medizinische Innovationen in den Katalog aufgenommen werden. Auf keinen Fall dürfe es zu weiteren Budgetierungen oder gar zu Honorarminderungen kommen.
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