Beraterin über Erwartungen von Gästen - Drei leuchtende Beispiele
So geht Tourismus

Dörte Mäder, Beraterin: "Mein Rücken spricht oft mit mir."
 
Dörte Mäder, Beraterin: "Mein Rücken spricht oft mit mir."

Wenn wir die Münchener nicht hätten: Die Unternehmensberaterin Dörte Mäder sollte den Finger in die Wunde der Oberpfälzer Touristiker legen. Jetzt wissen wir: Schlechte Betten, pampiges Personal und 70er-Jahre Mobiliar sind nicht mehr en vogue.

"Tourismus im Wandel der Zeit" wollte Mäder den Gästen des "12. Tourismustages Oberpfälzer Wald" in der Weidener Max-Reger-Halle vor Augen führen. Und schon der Untertitel warnt: "Ansprüche des Gastes an Leistungserbringer". Mäder spart denn auch nicht mit selbst erlebten Negativbeispielen, bei der sich der Dame in Rot die Nackenhaare sträuben: "Müllberge am Parkplatz, ein voller Aschenbecher vorm Eingang, ungemachte schlechte Betten - mein Rücken spricht oft mit mir", klagt die Münchener Beraterin, "Wie lange müssen Matratzen durchhalten?"

Der Gast will alles

Der Tenor ist klar: Touristiker aller Branchen, wacht auf, denn: "Der Gast von heute will alles - gutes, auch regionales Essen, Kinderfreizeit, Party, Ruhe und alles natürlich günstig." Da muss sich der Oberpfälzer Wirt nach der Decke strecken, denn die Qualitätsstandards hinken in vielen Gasthäusern hinterher. Immerhin, der zertifikatverwöhnte Gast von heute kennt die Marke "Oberpfälzer Wald" - jedenfalls 90 Prozent bei der nicht näher definierten Befragung.

Was fällt den Befragten zu den Oberpfälzer Hotspots ein? "Zu Amberg gutes Bier, zu Weiden Marktplatz und Witt, zu Schwandorf Felsenkeller und die Burg Trausnitz als beste Jugendherberge." Die Erwartungshaltung der Befragten ist diffus: Kultur assoziieren 60 Prozent - und dann folgt eine Reihe von Modulen, die von annähernd 90 Prozent gewünscht werden: Kinderfreundlichkeit, Mountainbike-Touren, Wander-Strecken, gutes Essen und Trinken.

Die Krux dabei: Dies alles schreibt man sich von der Lüneburger Heide bis Südtirol, vom Elsass bis zum Böhmerwald auf die Fahnen. Auf die Qualität kommt es an. Und natürlich: "Gibt es noch jemanden, der nicht im Internet ist?" Keiner hebt die Hand - auch hierzulande hat man Dank Breitband das Netz entdeckt. Mäder empfiehlt: "Klären Sie die Bildrechte mit unserem Rechtsanwalt Uli Korb vom Hotel- und Gaststättenverband."

Wie man Touristen jenseits von Allgemeinplätzen und auch ohne SWOT-Analyse mit Fakten überzeugt, belegen drei ausgewählte Vorzeige-Gastwirte:

Gerhard Lang, Petersklause, Großbüchlberg: Geschäftssinn und voller Einsatz liegen in der Familie. Schon der Vater baut 1966 den ersten Rucksacklift. Heute ist das 100-Seelen-Dorf ein veritabler Freizeitpark mit Sommerrodelbahn, Minigolfplatz, Bimmelbahn und Fünf-Sterne-Campingplatz. "Wir fahren ganze Busgruppen durch unser schönes Stiftland - und die Leute kehren meist zweimal bei uns ein. So bleibt das Geld in der Familie." An guten Wochenenden bevölkern bis zu 2000 Besucher den Ort im Landkreis Tirschenreuth.

Harald Schaller, Raststation Floß am Bockl-Radweg: Der Betriebswirt aus Floß ist nicht der erste Quereinsteiger, der eine Radler-Station betreibt. Nur dass er zusammen mit seiner Frau Renata, einer gelernten Hotelfachfrau, sein Konzept an der Alten Bahnstrecke ständig weiterentwickelt. Aus dem kleinen Lokal mit 50 Plätzen innen und 100 im Biergarten ist binnen zehn Jahren ein Komplex mit neuem Gästehaus, Pension und Brauhaus gewachsen: "Die Nachfrage nach unserem Braunbier, dem Prellbock Nr. 42, dem Flosser Hell und dem Bockl-Weizen ist so rasant gestiegen, dass die Kellerbrauerei nicht mehr ausreichte."

Markus Wagner, Gasthof Sporrer, Neunburg vorm Wald: "Es g'freut mich sakrisch, Sie merkas an unsra Sprach, bei uns is ollas einfach, rustikal, oberpfälzisch." Auch das ist ein Erfolgsrezept: authentische Gastfreundschaft, ein gelernter Heizungs- und Lüftungsbauer mit Begeisterung in der Küche und die Weiterentwicklung des Traditionswirtshauses der Schwiegereltern zu einem Freizeitressort mit Ferienappartements, einem barrierefreien Zimmer, einer Terrasse mit altem Schuppen und einem eigenen Werbekonzept. "Den ,Wirtshaustratsch' bringen wir alle Frühjahr in einer Auflage von 1000 Stück raus", sagt Wagner, den man übers Internet nicht aufklären muss: "Unsere Homepage habe ich letztes Jahr überarbeitet, und wir posten viel bei Facebook und Google Plus."
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