Besorgter Blick in die Heimat

"Ich habe Hoffnung für diese Regierung", sagt der Gastronom Konstantinos Balis - hier vor einem Akropolis-Bild in seinem Restaurant. Bild: Götz

Dolmadakia, Gyros, Tzatziki, Suflaki und Bifteki: Die meisten Oberpfälzer pflegen ihre Beziehung zu Griechenland auf dem kulinarischen Wege - im Restaurant. In diesen Tagen haben zwei griechische Wirte aus der Region tiefe Sorgenfalten auf der Stirn. Man hört aber auch optimistische Töne.

"Ich habe keine Konten in Griechenland", sagt Alexandros Smardenkas mit einem leisen Lachen, das nach Erleichterung und Nervosität gleichzeitig klingt. Der Weidener Gastronom ("Pallas") hat viel Kontakt zu seinen Landsleuten, und er weiß, dass die Verunsicherung groß ist: "Ich habe heute mit zwei guten Freunden telefoniert, und keiner weiß, wie es jetzt weiter geht - Informationen bekommt man auch nur aus den Medien." Es sei "eine schlechte Situation", und besonders kritisch werde es zum Monatswechsel, wenn die Renten ausgezahlt und die Mieten überwiesen werden müssen. "Wie soll das klappen, wenn fast der ganze Geldverkehr gestoppt ist?"

Smardenkas hält die Forderungen der Geldgeber an das geschwächte Griechenland für zu hoch: "Das einzige, was dort läuft, ist der Tourismus - dann kann man nicht die Mehrwertsteuer für diesen Bereich auf 23 Prozent erhöhen. Das ist zu hoch." Das Land sei zehn Jahre in seiner Entwicklung zurück. Schuld seien die Vorgängerregierungen, die es nicht geschafft hätten, Steuern von denen einzutreiben, die sich bisher gedrückt haben. Trotzdem glaubt er, dass eine Lösung im Schuldendrama gefunden werden kann - unter einer Bedingung: "Es muss ein Schuldenschnitt her, sonst gibt es keine Chance." Und Ministerpräsident Tsipras? Wird der sich trotz der Krise halten? "70 Prozent aller Bürger stehen hinter ihm, der Optimismus im Land ist weiter stark", meint der Wahl-Oberpfälzer.

Referendum ein "Fehler"

Auch sein Kollege Konstantinos Balis, der nur wenige Meter weiter in der "Taverne Kostas" die Gäste bewirtet, klingt eher optimistisch. "Ich habe Hoffnung für diese Regierung", sagt er, "auch wenn sie sich nicht besonders diplomatisch verhalten hat in den vergangenen Monaten - das ganze hin und her war nicht gut." Balis hat mit seinen Eltern telefoniert. Beide seien Rentner und sagten ihm immer wieder, man brauche keine Angst zu haben. Es seien auch nicht alle Banken tatsächlich geschlossen, und man komme nach wie vor an sein Geld.

Trotzdem konstatiert auch er: "Es gibt Riesenprobleme da unten." Und: "Das Referendum anzusetzen, das war ein Fehler." Dennoch sieht er die Regierung Tsipras nicht in Gefahr - mangels Alternativen. "Die Leute hatten die Schnauze voll von Samaras und den anderen Vorgängern, das waren alles nur Jasager." Die Zukunft Griechenlands, sagt Balis, muss zwei Kriterien erfüllen: "Welche Lösung auch immer gefunden wird: Die Griechen müssen mit ihr leben können, aber auch die Geldgeber."

Ganz gut leben können mit der Krise derzeit wohl nur die Touristen. Das meint jedenfalls Christa Hummel, die in Amberg ein Reisebüro betreibt und im bayerisch-griechischen Freundschaftsverein Philia Amberg als Pressewartin aktiv ist. "Die meisten Urlauber buchen ohnehin all-inclusive, brauchen also nicht viel Bargeld. Hotels und Transfers sind gesichert, trotz der Krise." Als Reiseziel habe das von der Pleite bedrohte Land nichts von seiner Attraktivität verloren.

Mit Bargeld im Urlaub

Das hätte uns sicher auch der Amberger Wirt Sotirios Bornovas ("Taverna Syrtaki") gerne aus erster Hand bestätigt - doch unsere Nachfrage läuft ins Leere. "Der ist in Urlaub in Griechenland", teilt ein Mitarbeiter am Telefon mit. "Und keine Sorge: Er hat genug Bargeld mitgenommen." Der Versuch, den Gastronomen danach auf dem Festnetz im Urlaubsland zu erreichen, scheitert allerdings. Nur Rauschen am anderen Ende der Leitung. Dann ein Besetztzeichen. Ein schlechtes Omen?
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