Betonschäden ohne Ende

Vor allem alte Betonfahrbahnen neigen bei großer Hitze zum Zerbersten. Eine umfassende Sanierung der Streckenabschnitte wäre technisch erforderlich. Dafür aber fehlt das Geld. Der ADAC schätzt, dass Autofahrer auch weit bis ins nächste Jahrzehnt entsprechenden Straßenschäden rechnen müssen. Bild: dpa (Archiv)

Fahrrinnen im Asphalt, zerbröselte Betonautobahnen. Im Sommer die Hitze, im Winter der Frost. Viele Straßen sind marode. Und sie werden es wohl auch bleiben. Denn schnelle, umfangreiche Sanierungen sind nicht zu erwarten.

(räd) Im Sommer die Blow-ups, nach dem Winter die aufgefrorenen Schlaglöcher. Zwar sind heuer hohe Temperaturen nicht mehr zu erwarten, doch auch im kommenden Jahr müssen die Autofahrer wieder mit Behinderungen durch Hitzeschäden rechnen. Sie "bestätigen grundsätzlich den hohen grundhaften Erneuerungsbedarf an den betroffenen Bundesfernstraßen". Diese Auskunft bekam die Bundestagsfraktion von "Bündnis 90/Die Grünen" von der Bundesregierung. Mindestens 19 betroffene Autobahnabschnitte in Deutschland sind derzeit bekannt.

Jürgen Berlitz, Fachreferent für Straßenverkehrsplanung beim ADAC in München, drückt sich prägnanter aus: "Die Strecken sind abgenudelt." Probleme durch sogenannte Blow-ups bestehen vor allem auf älteren Straßen. Oft habe der Beton dort seine Lebensdauer schon weit überschritten. Zudem sei er auf heutige Verkehrsbelastungen nicht ausgelegt, erklärt Berlitz. "Als geplant wurde, war nicht absehbar, dass sich der Verkehr so entwickelt." Während der Beton auf neu gebauten Strecken 28 Zentimeter dick ist, sind es auf den alten Routen nur 22 Zentimeter.

Nur Notmaßnahmen

In Bayern war vor allem die A92 im Bereich Deggendorf und München betroffen. Nicht mehr aufgeführt wird die A93, die vor allem in den 2013 und 2014 Schlagzeilen gemacht hat. Damals platzte zwischen Regensburg und München sowie auf der A3 zwischen Regensburg und Passau der Beton sozusagen am laufenden Band. Die A7 bei Würzburg aber zeigt, dass auch Abschnitte schadensträchtig sind, die in den Vorjahren nicht auffällig waren.

Vielerorts sind die Probleme keineswegs dauerhaft gelöst: Bis umfassende Arbeiten in Angriff genommen werden, behelfen sich die Autobahnmeistereien übergangsweise mit Entspannungsschnitten und Geschwindigkeitsbeschränkungen. Alle 400 Meter wird auf der ganzen Fahrbahnbreite Beton herausgeschnitten und durch flexibleren Asphalt ersetzt. Auf mehreren Abschnitten gilt zudem ab 30 Grad Lufttemperatur Tempo 80. So sollen schwere Unfälle verhindert werden. Vor zwei Jahren war auf der A93 bei Abensberg ein Motorradfahrer nach einem Blow-up tödlich verunglückt. An einer grundlegenden Sanierung führt nach Meinung des ADAC kein Weg vorbei. Die kann aber noch dauern. Er rechnet mit einem Zeitraum von zehn Jahren, ehe alle hitzeanfälligen Abschnitte grundsaniert sind.

Zu wenig investiert

Nach Ansicht des ADAC müsste grundsätzlich mehr Geld in den Straßenbau gesteckt werden. "Obwohl im Bundesverkehrswegeplan für den Zeitraum von 2001 bis 2012 Investitionen von 28 Milliarden Euro als notwendig erachtet wurden, sind nur rund 20 Milliarden Euro in den Erhalt der Bundesfernstraßen geflossen", heißt es aus der ADAC-Zentrale. Extra-Geld für die Hitzesanierug gibt es ohnehin nicht. "In den bedarfsorientierten Mittelzuweisungen an die Länder ist dieser Bedarf berücksichtigt", heißt es. Berlin nimmt die Länder in die Pflicht, die sich im Auftrag des Bundes um die Autobahnen kümmern. Sie sollten "Verdachtsstrecken konsequent in die Erhaltungsprogramme" einbeziehen.

Speziell in Bayern hat die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren wesentlich mehr Geld in den Erhalt der Autobahnen gesteckt als noch um die Jahrtausendwende. Während die Ausgaben bis 2005 jährlich 148 Millionen Euro nicht überstiegen, so waren es seitdem teilweise mehr als 300 Millionen Euro, im vergangenen Jahr sogar 425 Millionen Euro. Wieviel davon in Beton- und Asphaltbeläge fließt - dazu machte das Ministerium keine Angaben. Denn es unterscheide bei der Erfassung nicht zwischen diesen zwei Bauarten. Allerdings stünden heuer 2 Milliarden und im kommenden Jahr 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Aber fließende Gelder sind noch lange kein Garant für zügige Sanierungen. Denn Straßenbauverwaltungen seien aufgrund fehlender Kapazitäten mit dem Planen, Beauftragen und Beaufsichtigen des Fernstraßenerhalts und -ausbaus zunehmend überfordert, so der ADAC. Da der Fernstraßenetat außerdem schwanke, gebe es weder Planungs- noch Finanzierungssicherheit. Der ADAC fordert deshalb eine auf mehrere Jahre festgezurrte Finanzausstattung.
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