Breite Zustimmung für "Herdprämien"-Urteil
CSU "Ewig-Gestrige"

"Vielleicht kommt es endlich auch bei den Bürgern an, dass bei der CSU nur ,Ewig-Gestrige" am Ruder sind." Jutta Deiml, Kinderschutzbund Kemnatz und SPD-Kommunalpolitikerin
Neben den politischen Entscheidungsträgern beschäftigte die Aufhebung des Betreuungsgeldes auch Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände oder kommunale Initiativen zum Kinderschutz oder zur Familienbetreuung in der Oberpfalz.

Jutta Deiml vom Kinderschutzbund Kemnath (Landkreis Tirschenreuth) und SPD-Kommunalpolitikerin freut sich "wie wahnsinnig" über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts - nach der Maut bereits das zweite CSU-Projekt, das gekippt wurde. "Vielleicht kommt es endlich auch bei den Bürgern an, dass bei der CSU nur ,Ewig-Gestrige' am Ruder sind." Ein bayerischer Alleingang bei der Fortsetzung des Betreuungsgeldes zeige für Deiml nur auf, "wie weit diese von der Lebenswirklichkeit entfernt sind".

Hans Sterr von Verdi Bayern forderte in einer Presseerklärung: "Die Herdprämie muss auch in Bayern weg." Landesbezirksleiterin Luise Klemens appelliert an die Bayerische Staatsregierung, für mehr Kinderbetreuungsplätze mit qualifiziertem und gut bezahltem Fachpersonal zu sorgen. Die "Herdprämie" halte ausgerechnet die Kinder vom professionellen Bildungsangebot der Kindertagesstätten fern, die es am nötigsten hätten.

In die gleiche Kerbe schlägt Thomas Beyer, Landesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt (AWO): "Das Betreuungsgeld darf nicht nachgebessert, sondern muss ersatzlos gestrichen werden." Er begrüße es außerordentlich, dass das Bundesverfassungsgericht dieses "rückwärtsgewandte Instrument" gekippt und für die Kinderbetreuung den "Weg nach vorne" geöffnet hat. "Das Betreuungsgeld ging seit Inkrafttreten 2013 an der Lebenswirklichkeit der meisten Eltern und Kinder vorbei."

Pia Kürschner von "Koki - Netzwerk frühe Kindheit" des Landkreises Tirschenreuth hofft indes auf den Bayerischen Ministerpräsident Horst Seehofer. "Jetzt nimmt man den Väter oder Müttern, die zu Hause bleiben wollen, auch noch diesen kleinen Obolus - denn mehr ist es ja nicht." Sie hoffe, dass es in Bayern trotzdem weiter gezahlt wird. Auch wenn der Trend deutlich in Richtung Krippe ginge, aber "da sind wir im Landkreis Tirschenreuth auch sehr gut aufgestellt".

Carina Grau vom Kinderschutzbund Amberg möchte nicht im Namen ihres Arbeitgebers sprechen, findet persönlich die bisherige Regelung jedoch suboptimal. "Der finanzielle Zuschuss hält Eltern davon ab, ihre Kinder in die professionelle Betreuung zu geben."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.