Der Sommer als Rechenspiel

Auf einen tollen Sommer hoffen alle - wie die Gäste im Naturerlebnisbad Schnaittenbach (Kreis Amberg-Sulzbach). Bild: Hartl
 

Wie wird der Sommer in diesem Jahr? Das Wetter-Schicksal entscheidet sich am 27. Juni, dem Siebenschläfer-Tag. Zumindest zu 80 Prozent, wie unser NT/AZ-Wetterexperte beschreibt.

Tatsächlich hat die Siebenschläferregel eine relativ hohe Trefferwahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent in Norddeutschland, und 80 Prozent in Süddeutschland. Dabei ist aber zu beachten, dass der Ausblick auf den bevorstehenden Sommer nicht am Wetter des einzelnen Tages, dem 27. Juni, ausgemacht werden darf.

Zum einen ist der eigentliche Siebenschläfertag seit der Kalenderreform von Papst Gregor auf den 5. Juli verschoben worden, zum anderen ist entscheidend, welche Großwetterlage sich um diese Zeit herum - also in der Woche davor und danach - über Europa etabliert. Stellt sich eine stabile Wetterlage ein, sei sie nun kalt und nass oder heiß und trocken, dann ist sie Wahrscheinlichkeit, dass diese sich in den folgenden Wochen hält, auch recht hoch.

Eine Achterbahnfahrt

Bleibt das Wetter dagegen durchwachsen, gleicht etwa einer Achterbahnfahrt, so wird das auch im Sommer in den meisten Fällen so weitergehen. Hintergrund ist, dass der Unterschied zwischen weichender Winterkälte in den Polarregionen und Sommerhitze in den mediterranen Gebieten am ausgeglichensten ist, also der Temperaturunterschied zwischen Süd- und Nordeuropa am geringsten. Damit bleiben bestimmte Wetterlagen um diese Jahreszeit am langlebigsten. Neben den "Eisheiligen", der gerade frisch erlebten "Schafskälte" und den "Hundstagen" ist der Siebenschläfer wohl eine der populärsten Bauernregeln in der Wetterwelt, und bilden sogenannte "Singularitäten", die über die Jahre hinweg nicht von der Hand zu weisen sind.



Ein Blick auf die letzten Jahre am Beispiel Weiden zeigt, dass vor allem die Tatsache der Kalenderreform nicht übergangen werden sollte.

Im letzten Jahr gab es am Siebenschläfertag trockene 25 Grad, regnete aber ab dem 6. Juli recht häufig bei relativ kühlen Temperaturen- und wie wir uns alle erinnern, fiel entsprechend mau der Sommer, vor allem der August, aus.

2013 gab es am Siebenschläfertag nasskühle 15 Grad, so kühl wurde es danach aber bis Mitte August nicht mehr. Am 6. Juli 2013 herrschten dagegen gewittrig-schwüle 26 Grad. So setzte sich auch der Sommer fort.

2012 schlenderten die Temperaturen in einem Achterbahn-Sommer um die Siebenschläferzeit herum von 16 bis 34 Grad auf und ab, was sich dann auch den gesamten Sommer über in etwa dem gleichen Zickzack- Muster hielt. Ebenso lief es im Jahr 2011.

2010 dagegen herrschten zwischen Ende Juni und Anfang Juli sommerlich heiße Tage vor, was sich ab Mitte Juli aber hin zum kühlen und feuchten änderte. Hier traf die Regel also nicht ein.

2009 bewegten sich die Temperaturen Anfang Juli sehr beständig im angenehm warmen, aber nicht heißen Sommerbereich und blieben auch für den restlichen Sommer zwischen 21 und 30 Grad.

2008: ein Zickzacksommer, wie auch 2007. Eher wechselhafte und kühle Witterung, auch der Sommer bot dann kaum Hitzespitzen und viel Regen.

2006: WM in Deutschland, das Sommermärchen im Juni und Anfang Juli, danach war der Sommer aber regelrecht "vorbei". Ein Regelversagen.

2005: 30 Grad am 27. Juni, aber kühle 14 bis 20 Grad in der ersten Juliwoche: auch der Sommer ging in die Hose.

Damit hat die Siebenschläferregel, bezogen auf die erste Juliwoche, in acht von zehn Jahren für Weiden funktioniert. Leider, muss man angesichts der vielen Regensommer ja schon sagen. 80 Prozent Trefferquote erfüllt.

Bauernregeln funktionieren

Auch weitere Bauernregeln sind durchaus zu gebrauchen, aber es gilt zu beachten: Sie wurden in einer bestimmten Region beobachtet und angewandt, gelten also nur dort. Eine in Spanien entstandene Bauernregel wird kaum in der Oberpfalz funktionieren - oder umgekehrt.

"Technisch unmöglich" dagegen ist eine Änderung des Wetters bei Vollmond und Neumond. Wäre dies so, dann müsste sich auf der gesamten Erdkugel die Wetterlage im Zwei-Wochen-Rhythmus schlagartig umbauen. Vollmond und Neumond finden nämlich weltweit zur gleichen Minute und Sekunde statt. Der hundertjährige Kalender wurde nach der Konstellation von Planeten in einem Zeitraum von 7 Jahren berechnet. Letzteres Faktum, und die Tatsache, dass die Stellung der Planeten zueinander keinen Einfluss auf unser irdisches Wetter nehmen, lassen höchstens Zufallstreffer zu. Zumal die Texte im Hundertjährigen Kalender sehr interpretierbar wirken. Irgendwann findet man immer einen Zeitraum, in dem es passt, aber genauso viele, die eben nicht zutreffen.

Und der diesjährige Siebenschläfer? Rund 20 Grad und ein paar Schauer über Weiden am 27. Juni , in der kommenden Woche sind dann aber mehrere trockene Tage und sommerliche, ja gar hochsommerliche 30 bis 34 Grad möglich. Es darf also gehofft werden - aber wie gesagt zu 80 Prozent.
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