Drohende Werkschließung ist vorerst abgewendet
Polytec entlässt 91 Mitarbeiter

Armin Pausch, der Betriebsratsvorsitzende der Polytec Weiden,, konnte nicht verhindern, dass 91 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Die zwischenzeitlich angedrohte Werksschließung ist jedoch vom Tisch. Bild: Hartl
Der Sozialplan ist ausgehandelt und unterschrieben. Nur rund 80 Mitarbeiter können im Polytec-Werk in Weiden bleiben. 91 Mann verlieren ihren Job. Spätestens in einem Jahr. Ein kleiner Trost: Eine zeitweise drohende Werkschließung ist abgewendet - vorerst.

Die ersten Kündigungen sind ausgesprochen. Die Polytec Weiden entlässt bis Ende 2016 insgesamt 91 Mitarbeiter. Betriebsratsvorsitzender Armin Pausch und Hartmuth Baumann, Landesbezirksleiter Nordostbayern der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sprechen von "dramatischen Wochen". "Mehr als jeder Zweite muss gehen", bedauert Pausch.

Betriebsrat und Gewerkschaft konnten die Kündigungen zwar nicht verhindern, aber doch in sechs Verhandlungsrunden einen "für die Region relativ guten Sozialplan" erreichen, der den Betroffenen zumindest für eine Übergangszeit helfe. Vor allem aber ist die Werkschließung abgewendet, die wie ein Gespenst die Gespräche begleitete. "Vorerst", meint dazu Pausch. Es gebe weiterhin keine Garantie, dass das Polytec-Werk in Weiden auf Dauer gesichert bleibe. Dazu sei das Unternehmen zu sehr auf die Aufträge eines Großkunden abhängig.

Im "Projekt 80" sollen "80 plus x" Arbeitsplätze in der Verarbeitung von Leichtkunststoffen und Carbon auf einen überschaubaren zeitlichen Rahmen gehalten werden. Wichtige Weichen würden durch den 2017 auslaufenden Mietvertrag für die Produktionsstätten im Gewerbepark Moosbürger Straße gestellt.

Abhängig von Großkunden

Von Folgeaufträgen eines Großkunden hänge nach 2018 die Existenz der "Restmannschaft" im Bereich der modernen Werkstoffe ab, bei deren Entwicklung die Weidener "von Anfang an" dabei waren. Es sei gelungen, für die "Restmannschaft" geplante Einschnitte in die tariflichen Regelungen zu verhindern. Der bestehende Tarifvertrag bleibt mit den aktuellen Regelungen bestehen, betont die IG BCE. "Mit dem Projekt 80 segeln wir im dichten Nebel. Es kann schönes Wetter geben. Wir können aber auch gegen einen Eisberg schrammen und kentern."

Pausch bestätigt Aussagen der Konzernleitung, nach denen durch einen Umsatzeinbruch in Weiden Restrukturierungsmaßnahmen unausweichlich wurden. "Ein wichtiger Folgeauftrag ist nicht zu uns gekommen. Wir müssen die Strukturen anpassen." Er hoffe, dass der Betrieb im Bereich der Carbon-Fertigung wettbewerbsfähig werde. "Es muss möglich sein, Hightec-Produkte und -Qualität mit deutschem Lohn zu bezahlen."

Für die 91 Mitarbeiter bedeute die Entlassung eine Katastrophe. Sie sind im Mittel 50 Jahre alt und seit mindestens 20 Jahre im Betrieb." Ihre speziellen Kenntnisse an den Pressen und der Kunststoffverarbeitung sei in anderen Branchen nicht gefragt. "Sie gehen in die Arbeitslosigkeit. Für sie gibt es in der Region kaum entsprechende Arbeitsplätze", verweist Pausch auf das Dilemma der langjährigen Mitarbeiter. Etwa ein Dutzend sehr gut Qualifizierte habe den Betrieb freiwillig verlassen, da sie eine neue Anstellung fanden.

Entschieden weisen Gewerkschafter Hartmuth Baumann und Betriebsratschef Armin Pausch die Vorwürfe von Markus Huemer, Vizepräsident der Polytec-Gruppe zurück, Gewerkschaft und Betriebsrat verhielten sich "konsequent standortschädlich". "Wir haben immer Verantwortung für die soziale Sicherheit übernommen, gerade in einer Region wie Weiden", betont Baumann. Und Pausch, seit 1988 im Betrieb und seit 2003 Betriebsratsvorsitzender, verweist auf die Sanierungstarifverträge, in denen die Mitarbeiter "zum Wohle des Unternehmens" auf tarifliche Leistungen verzichtet hätten. "Wir haben immer zurückgesteckt, um den Standort zu halten."
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