Einzelhändlerin beklagt Umsatzeinbußen wegen Stadtgalerie-Großbaustelle
Viel Lärm ums Geschäft

Die Kasse klingelt nicht, es rattern die Tiefbohrer: Für das "Holzspielhaus" hat sich die Situation verändert. Der Dänner-Parkplatz fehlt, dafür wächst in unmittelbarer Nachbarschaft die Großbaustelle Stadtgalerie. Bild: Götz
"Das halte ich nicht durch." Marion Müller, Chefin des "Holzspielhauses", beklagt Umsatzeinbrüche. Ursache ist nach ihrer Ansicht die Großbaustelle gegenüber. An der Sedanstraße entsteht in den nächsten zwei Jahren die Stadtgalerie. Geplante Eröffnung: Oktober 2017.

"Gestern haben wir Ohrenschützer getragen", schildert Marion Müller. Die Laufkundschaft sei weggebrochen. "Wer geht da schon gern vorbei?" Als Beispiel führt sie den Grußkarten-Umsatz von früher 20 000 Euro an. "Heuer habe ich eine Bestellung für 1000 Euro gemacht." Besonders extrem habe sich der Abbau der Ampel letzte Woche ausgewirkt: "Das hat uns die Nikolaus-Woche gekostet." Sie wolle nicht kritisieren, dass gebaut wird. Sondern den Zeitplan. Im Herbst sei es auf der Baustelle ruhig gewesen. Und ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit werde Gas gegeben. "Und im Januar ist wahrscheinlich wieder nichts."

Projektleiter Philipp Hlousek von Fondara kann "nicht ganz nachvollziehen", wie sich die Baustelle auf das Geschäft in der Arkadenpassage gegenüber auswirken sollte. Fondara nehme so viel Rücksicht wie möglich. Für die Nachbarschaft seien gemeinsam mit der Stadt etliche Speziallösungen gefunden worden. Es werde versucht, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten. Das Abschalten der Ampelanlage sei zur Verlegung von Versorgungskabeln unumgänglich gewesen. "Das ist einfach eine große Maßnahme. Und gemessen an der Größe des Bauvorhabens läuft es sehr gut." Er verspricht noch für Dezember eine schönere Gestaltung des Bauzauns, der im Übrigen ebenfalls eine freiwillige Leistung sei, um Anrainer zu schonen.

Wenn die Stadtgalerie erst fertig ist, befände sich das "Holzspielhaus" in bester Lage. Für Einzelhändlerin Marion Müller ist das kein Trost: "Das sind noch zwei, drei Jahre. Das halten wir nicht durch." Sie selbst lebt von ihrem Zweitberuf als Beraterin einer Spielwarenfirma. Im Sinne ihrer vier Mitarbeiter wolle sie das "Holzspielhaus" nach 17 Jahren aber nicht aufgeben. 2016 plant sie in einem Teilbereich einen Fächerladen mit Mietfächern für regionale Künstler. "Handarbeit, Schmuck, individuelle Geschenke." In anderen Städten laufe das sehr gut.

Die Erschließung weiterer Einnahmequellen ist auch der Weg, den ihr Nachbar Herbert Köhler vom Fanshop geht. Köhler beflockt für regionale Vereine die Trikots. "Hier sitzen und warten, dass Kunden kommen - das ist schon lange vorbei."

Café Büttner: "Immer voll"

Andere Erfahrungen macht Carolin Holweg, neue Pächterin des Café Büttner: "Bei uns war in den letzten vier Wochen eigentlich immer voll." Vielleicht macht es ja genau dieser Mix: Auf dem Teller Frühstück oder Torte - vor dem Fenster Bagger und Kräne. Davor steht zwar der Bauzaun. "Aber man kann schon reinspitzen." Auch die Laufkundschaft - "und wir setzen ja gerade auf die Laufkundschaft" - sei nicht ausgeblieben. Resümee der neuen Café-Betreiberin: "Ich könnte bisher nichts Negatives sagen."
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