Freie Fahrt am Bahnhof

So ruhig ist es selten auf dem Bahnsteig in Amberg. Wegen des Streiks der Lokführer-Gewerkschaft GDL fiel auf den Strecken von Nürnberg über Sulzbach-Rosenberg und Amberg nach Schwandorf sowie über Vilseck nach Weiden jeder zweite Zug aus. Bild: Hartl

Wieder einmal Streik bei der Bahn: Auch in Bayern kam es erneut zu zahlreichen Zugausfällen im Fern- und Regionalverkehr. In der Oberpfalz waren besonders die Strecken nach Nürnberg betroffen.

(räd/roa/dpa) Wieder zahlreiche Zugausfälle und Verspätungen, aber kein Chaos: Der erneute Streik bei der Bahn hat den Zugfahrplan am Mittwoch gehörig durcheinandergewirbelt. Auf den Strecken von Schwandorf beziehungsweise Weiden nach Nürnberg richtete die Bahn einen Zwei-Stunden-Takt ein. Auf anderen Routen, etwa von Hof nach Regensburg, verwies die Bahn auf Züge anderer Gesellschaften. Alex, Agilis, Oberpfalzbahn oder Vogtlandbahn waren von dem Streik nicht betroffen. Nach Angaben von Bahnsprecher Anton Knapp lief der Ersatzfahrplan stabil.

Nur 50 Prozent

Im Fernverkehr konnte die Deutsche Bahn im Freistaat nur 244 anstatt der geplanten 805 Züge auf die Schiene schicken. Im Regionalverkehr fuhren rund 50 Prozent der Züge regulär. In den Großräumen München und Nürnberg mussten sich Reisende bei den S-Bahnen in Geduld üben, hier fuhren die Züge nur im Stundentakt statt alle 20 Minuten.

In Nürnberg warteten gegen 7 Uhr viele Menschen an den Gleisen - oft vergeblich, denn viele Züge fielen aus. "Wir hoffen, dass wir in einer halben Stunde in den Zug reinkommen - und dass er überhaupt fährt", sagte ein Ehepaar aus Würzburg. Die Eheleute waren gerade mit dem Flugzeug aus dem Türkei-Urlaub gekommen. Viele Reisende nahmen die Ausfälle und Verspätungen - notgedrungen - eher gelassen hin. Margit Meier (74) aus Amberg suchte noch um die Mittagszeit nach einer Fahrgemeinschaft auf dem Bahnsteig, der sie sich nach Nürnberg hätte anschließen können. "Und ich habe mich noch gewundert, warum niemand hier ist", sagte die ältere Dame und nimmt den Streik mit Humor. "Ach, dann mache ich einfach etwas anderes heute Nachmittag."

Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) kritisierte den erneuten Streik dagegen scharf. "Der Streik stellt eine massive Belastung für die ganze Bevölkerung und Unternehmen in ganz Deutschland dar", sagte Aigner. Nach 16 Verhandlungsrunden sei zu fragen, ob der Streik noch verhältnismäßig sei. Für Unternehmen seien empfindliche Produktionsausfälle die Folge. "Wenn man sich vor Augen hält, wie viel Kosten dadurch verursacht werden, kann man Herrn Weselsky nur noch zur Besonnenheit aufrufen", appellierte Aigner an den GDL-Chef. An Infoständen bildeten sich lange Schlangen - so etwa am Münchener Hauptbahnhof. An den Schaltern waren vor allem die Vordrucke zur Rückerstattung des Fahrpreises stark nachgefragt.

Keine Entwarnung

Auch für Donnerstag gab es keine Entwarnung, dann rechnet die Bahn mit erneuten Behinderungen. Im Nahverkehr werde aber voraussichtlich jeder zweite Zug verkehren können. Für den Fernverkehr konnte die Bahn noch keine Prognose abgeben.
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