Gabriel lässt Funken sprühen

Auf die Wechselstromleitung des Netzbetreibers Tennet noch eine Gleichstromleitung draufsatteln - so einfach gehe das nicht, sagen Spezialisten. Archivbild: dpa

Politiker und Stromtrassen-Gegner stehen unter Spannung. Der jüngste Vorschlag von Sigmar Gabriel hat daran nichts geändert. Er hat eher das Gegenteil bewirkt.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) möchte den Schalter umlegen und Spannung anlegen. Doch sein Kompromissvorschlag, die geplanten Stromtrassen teilweise unter die Erde, teilweise auf bestehenden Routen zu verlegen, stößt nicht auf Gegenliebe, weder bei Trassengegner noch bei Politikern. Der Weidener Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht (CSU) sagt sogar: "Der scheinbare Kompromissvorschlag ist ein vergiftetes Angebot."

Denn sollte die Gleichstromtrasse Süd-Ost auf bestehenden Routen geführt werden, wäre ein Verlauf auf dem geplanten Ostbayern-Ring immer wahrscheinlicher. Dieser führt von Norden nach Süden komplett durch die Oberpfalz - von Mitterteich über Windischeschenbach an Weiden vorbei nach Schwandorf. Das Angebot Gabriels gaukle vor, die Belastung zu minimieren. Das tue es aber nicht. Rupprecht fordert den Wirtschaftsminister deshalb auf, seinen Vorschlag zurückzuziehen.

Auch Gerald Braun, 2. Sprecher der Bürgeriniative "Steinwald sagt Nein", steht Gabriels Vorschlag skeptisch gegenüber. "Was wir auf keinen Fall wollen: einen faulen Kompromiss", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Genau das befürchtet er nämlich: "Durch den Vorschlag Gabriels wird die bestehende Trassenplanung zementiert."

"Wir bleiben hart"

Die Gegner der Stromtrasse bezweifeln nach wie vor grundsätzlich deren Notwendigkeit. "Sie ist immer noch nicht belegt." Wie Gabriels Vorstoß zu werten sei, hängt laut Braun auch davon, wie es mit der Kohleverstromung weitergeht. Der Sprecher der BI unterstrich, dass auf der Trasse überwiegend Kohlestrom transportiert werden solle. Damit ließen sich jedoch die Klimaziele nicht erreichen. Braun hofft weiter auf die Unterstützung von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der örtlichen Abgeordneten. "Seehofer hat uns in einem Schreiben versichert, dass er hart bleiben wird."

Zweifel hat auch Walter Schorsch, Sprecher des Bündnisses "Gegenwind Oberfranken". Der Elektro-Ingenieur sagt: "Das ist ein typischer Ausweichvorschlag." Zweck der Stromtrasse sei nicht, Windstrom nach Süden zu transportieren. Denn der Windstrom reiche ja nicht einmal für den Norden selbst. Vielmehr gehe es darum, den Strom nach Abschaltung der Atomkraftwerke verteilen zu können. Nur so seien weiter europaweite Spekulationen möglich. "Die Stromspekulanten machen das Geschäft auf unsere Kosten", schimpft Schorsch. Das sei das Gleiche, was in der Finanzwelt sei Jahren laufe.

Gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Tobias Reiß (CSU) spricht sich Rupprecht in einem Brief an Seehofer nun dafür aus, künftig grundsätzlich der Erdverkabelung Priorität einzuräumen - und zwar unabhängig von einer Bündelung mit anderen Leitungen. Voraussetzung sei allerdings, dass der Bedarf für die Trassen nachgewiesen werde.

Keine Zusagen

Trassengegner haben grundsätzliche Zweifel an der Umsetzbarkeit der Gleichsstromtrasse auf bestehenden Wechselstrommasten. Derzeit sei unklar, ob diese dann umgebaut, erhöht oder parallel neu errichtet werden müssten. Reiß erklärte, Vertreter des Ostbayern-Ring-Betreibers Tennet hätten erhebliche Bedenken hinsichtlich einer gemeinsamen Führung. Es gebe hier keine hinreichenden Erfahrungen.

Alle technischen Fragen könnten ohnehin erst im Zug eines Planfeststellungsverfahrens beantwortet werden, erklärte Rupprecht. Er habe diesbezüglich mit Ministerien, hochrangigen Politikern, Fachleuten und den Betrieberkonzernen gesprochen: "Keiner konnte mir verbindliche Aussagen zur technischen Umsetzung und den Folgen für Mensch, Natur und Umwelt geben."
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