Ganz Bayern ist sich einig: Es ist heiß
Sonnen- und Schattenseiten

Am Wochenende ist Badewetter. So voll wie hier im Hockermühlbad in Amberg werden die Freibäder in der Oberpfalz wohl sein. Doch in der Mittagszeit ist der Schatten die gesündere Alternative. Bild: Steinbacher
 
Gegen die Hitze hilft ein Hut und Wasser. Gegen den Gestank nichts. Müllwerker in Amberg. Bild: Hartl

Ganz Bayern ist sich einig: Es ist heiß. Doch einige leiden nicht nur unter der Hitze, sondern auch unter dem Gestank. Müllfahrer haben es in diesen Tagen schwer. Da trifft es sich, dass sie am Wochenende nicht arbeiten müssen. Denn es wird noch heißer.

Gerade sind günstige Bedingungen für einen Hitzerekord: ein Hoch, kaum Wolken, und trockene Luft aus der Nordsahara. Bis inklusive Freitag meldet unser NT/AZ-Wetterexperte Andy Neumaier noch vergleichsweise "erträgliche" Temperaturen um die 30 Grad. Am Wochenende geht es weiter nach oben.

Bei solch einer Hitze draußen zu arbeiten, ist anstrengend. Der Straßenbelag heizt von unten, die Sonne von oben. Doch Müllwerker sind dabei auch noch dem Gestank ausgesetzt. Viele Bürger halten sich die Nase zu und schimpfen, wenn sie dieser Tage durch die Stadt fahren. "Dabei machen wir doch nur ihren Müll weg", sagt Herbert Weiß vom Städtischen Entsorgungsbetrieb in Weiden.

"Ein Geruch wie Gülle"

Steigt das Thermometer auf Höchstwerte von 30 Grad - wie gestern in der Oberpfalz - fangen die Müllwerker bereits um sechs Uhr an. Jede Minute der kühlen Morgentemperaturen ist wertvoll. Auch hier wünscht sich Weiß mehr Verständnis bei den Anwohnern, die sich oftmals über den Lärm am frühen Morgen beschweren. "Wir sind eben gezwungen, unsere Strecke fertig zu bekommen. Egal ob es stürmt, schneit oder die Sonne scheint", erklärt Weiß. Heute hat er Glück, denn er ist der Fahrer und kann die Klimaanlage nutzen. Seine Kollegen schleppen in der prallen Sonne die schweren Mülltonnen. Weiß erzählt von verblüffenden Statistiken: 36 bis 42 Kilometer gehe ein Müllwerker am Tag. "Das zehrt schon sehr an den Kräften", sagt er. In der laufenden Kalenderwoche sind sie auch noch für den Biomüll zuständig. "Ein Geruch wie Gülle", umschreibt Weiß die olfaktorische Belastung. "Besonders wenn die Mülltonnen in der prallen Sonne lagerten und nicht, wie empfohlen, im Schatten."

38 Grad am Wochenende

Ein Glück, dass die Müllwerker und viele andere Oberpfälzer am Wochenende nicht arbeiten müssen. Denn da steigen die Temperaturen noch mehr an. Die heißeste Luft lege sich am Samstag und Sonntag über die Oberpfalz, prophezeit Wetterexperte Neumaier. Mit 34 bis 38 Grad würden vor allem um Schwandorf, Nabburg und Amberg herum Rekorde erreicht werden. Vereinzelt können sich dabei am Sonntag auch Hitzegewitter entwickeln, die die Luft schwüler und die Hitze teilweise unerträglich machen könnten. Im Gegensatz zu den letzten Jahren handele es sich aktuell auch nicht um eine "Blitzhitze" von ein oder zwei Tagen - wahrscheinlich halte sie sich noch bis weit in die kommende Woche hinein mit Werten um 30 und 35 Grad, sagt Andy Neumaier.

Auch die Flucht in die Ferne gestaltet sich da schwierig, zumindest auf der Autobahn. Wegen möglicher Hitzeschäden auf der A3 nahe Regensburg musste das Tempolimit zwischen den Ausfahrten Nittendorf und Sinzing auf 80 Stundenkilometer gesenkt werden. Auch auf der A93, A92 und der A94 werde vermutlich die Geschwindigkeit begrenzt, meldet ein Sprecher der Autobahndirektion Südbayern.

Doch immerhin am Wochenende kann man bei Tiefstwerten zwischen 22 Grad in den Innenstädten und 16 Grad auf dem Land Aktivitäten in die Nachtstunden verlagern. Oder man nimmt die Hitze mit der stoischen Gelassenheit von Müllfahrer Herbert Weiß: "Ich mach das seit 30 Jahren, deswegen werde ich den Sommer hier auch noch schaffen."
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