Ganz Deutschland diskutiert über Dr. Alexander Hatz
Notärzte in Verkehrsnot

Dr. med. Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Ärztekammer: "Für Notärzte müssen die gleichen Regelungen gelten wie für alle Einsatzkräfte."

Ganz Deutschland diskutiert über Dr. Alexander Hatz: Zwei Autofahrer fühlten sich von Überholmanövern des Notarztes gefährdet und erstatteten Anzeige. Der Mediziner war auf dem Weg zu einem zweijährigen Mädchen, das Schnellkleber verschluckt hatte.

"Sind wir etz in Amerika, dass wir wegen jedem Sch... angezeigt werden", kommentiert Timur Stahl im Facebook-Profil des Oberpfalznetzes das Verhalten der Autofahrer. Er ist mit dieser Meinung nicht allein. 200 Likes hat die Nachricht, dass der Strafbefehl aufgehoben wurde, nach wenigen Minuten. Eine Online-Petition zugunsten des Arztes hatten bis Montagmittag mehr als 200 000 Menschen unterzeichnet.

"Die nochmalige Überprüfung des Vorganges durch die Generalstaatsanwaltschaft München hat ergeben, dass der von der Polizeiinspektion Neuburg a.d. Donau aufgenommene Sachverhalt eine Verurteilung wegen Straßenverkehrsgefährdung nicht erwarten lässt", teilt die Behörde am Montagnachmittag mit. Ein strafbarer Vorwurf gegen den 51-Jährigen, der im April bei seiner Einsatzfahrt von der Rettungsleitstelle Ingolstadt ins zehn Kilometer entfernte Karlshuld mehrere Fahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn überholt hatte, lasse sich nicht aufrechterhalten. Die drohende Strafe von 4500 Euro und ein möglicher halbjähriger Führerscheinentzug sind vom Tisch.

Unsicherheit bleibt

Die Unsicherheit aber bleibt, sagt Dr. med. Wolf-Dieter Grahn: "Ich hatte selber erst vor nicht allzu langer Zeit einen Unfall im Dienst." Der Schwandorfer Notarzt musste für den Blechschaden zu 50 Prozent selbst aufkommen. "Ich bin mit Blaulicht und Sirene vorsichtig in eine Schwandorfer Kreuzung gefahren, der Verkehr stand, aber dann schießt von links ein Auto auf der falschen Spur in die Regensburger Straße."

Für Grahn ist die Ungleichbehandlung der Retter nicht nachvollziehbar: "Wir dürfen zwar im Prinzip genauso wie die Polizei bei Rot fahren, haben aber nicht die Hoheitsrechte wie Feuerwehr oder auch Technisches Hilfswerk." Juristisch bedeute das: "Kommt es zu einem Unfall, trägt man immer eine Teilschuld." Konflikte mit anderen Verkehrsteilnehmern gebe es bei jeder Alarmfahrt, sagt Grahn, der in Schwandorf acht Wochen im Jahr als Notarzt unterwegs ist. "Wir haben etwa 25 bis 30 Einsätze pro Woche."

Es geht um Menschenleben

Die Rechtsunsicherheit ist Max Kaplan, Präsident der Bayerischen Ärztekammer, schon lange ein Dorn im Auge. Der Allgemeinmediziner fuhr in seinem Heimat-Landkreis Unterallgäu selbst zehn Jahre lang Notarzteinsätze. "Zwei Kollegen hatten in dieser Zeit Unfälle, die Strafanzeigen wurden allerdings fallengelassen." Der Verbandsvertreter möchte das Thema auf die politische Agenda setzen: "Von Kammerseite kann ich auf den Gesetzgeber einwirken, die Regeln zu vereinheitlichen."

Für Kaplan steht fest: "Für Notärzte müssen die gleichen Regelungen gelten wie für alle Einsatzkräfte." Wenn es um Menschenleben gehe, müsse man immer ausloten, wie man sich richtig verhalte: "Einerseits möchte man den Patienten so schnell wie möglich versorgen, aber man darf auch andere und sich selbst nicht gefährden."
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