Goldener Herbst Gift fürs Geschäft

In den Oberpfälzer Schaufenstern - wie in der Weidener Filiale von "Cecil" - hängt schon lange die Wintermode. Doch der goldene Herbst beschert den Oberpfälzer Geschäften eine Flaute. Bild: spi

Flauschiger Pelz an den Kapuzen, dicke Daunenjacken und warme Strickmützen in Weinrot, Grün oder Brauntönen. Die Geschäfte in den Fußgängerzonen sind rappelvoll mit Kleidung für den Winter. Aber wird sie schon gekauft?

Der Oberpfälzer Modehandel erlebt laut Josef Kellermann, Geschäftsführer für den Bezirk Oberpfalz-Niederbayern vom Handelsverband Bayern e.V., zurzeit einen starken Umsatzeinbruch. Schuld daran sei der goldene Herbst. Normalerweise beginnt das Geschäft mit der Wintermode im September oder Oktober. Aber in diesem Jahr nicht. "Viele Läden haben zwischenzeitlich auf die Winter- und Übergangsware umgestellt", sagt Kellermann. Dicke Pullis und Jacken würden die Kunden aber nicht kaufen, wenn es im Oktober noch 20 Grad hat. "Erst, wenn es richtig kalt wird, merken sie, dass sie nicht für den Winter gerüstet sind."

Im goldenen Herbst können die Menschen keine Schnäppchen mehr für den nächsten Sommer kaufen, weil die Läden fast nur noch Winterware führen. Zur Kleidung für den bevorstehenden Winter greifen sie aber aufgrund der warmen Temperaturen auch nicht. So bleiben die Kassen der Geschäfte leer. Das Bayerische Wirtschaftsministerium stellt fest, dass der gesamte Einzelhandel stagniere. Laut Ministerium lagen die Umsätze in der Oberpfalz im Jahr 2013 bei rund 243 Millionen Euro.

Umsatz gesunken

In diesem Jahr wurden von Januar bis August rund 166 Millionen erwirtschaftet. "Trauriger Höhepunkt war die Woche vom 15. bis 21. September. Der Umsatz ist in diesem Zeitraum im Vergleich zum letzten Jahr um rund 25 Prozent gesunken", berichtet Kellermann. Einen solchen Rückgang habe es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gegeben. Ganz Bayern betrachtet, sei der Umsatz hingegen laut Ministerium im Vergleich zum letzten Jahr von Januar bis August leicht gestiegen.

Aussitzen heißt die Devise in der Oberpfalz - auch für Bettina Strohmeier. Sie ist Chefin des Damenmode-Geschäfts "Zabaione" in Grafenwöhr. "Normalerweise ist der Oktober ein guter Monat für uns, aber solange es nicht kalt ist, brauchen die Kunden keine Winterkleidung", bedauert sie. Den warmen September und Oktober habe Strohmeier beim Umsatz gewaltig gemerkt. "Aber jetzt wird es langsam besser und wir haben es überstanden." Bleibe der Winter jedoch ebenfalls mild, setze sie die übrig gebliebene Ware herunter, um den Laden für die Frühjahrskollektion leer zu bekommen. Die Inhaberin versuche jedoch, nicht zu viel Ware zu bestellen, um nicht nach der Saison massenhaft übrig zu haben.

Anne-Kathrin Thomas, Filialleiterin des Modegeschäfts "Cecil" in Weiden, bekommt im Jahr zwölf Kollektionen. Auch sie bestellt keine große Stückzahl. "Von jedem Teil habe ich acht bis neun im Laden. Dabei sind die unterschiedlichen Größen schon eingerechnet." Das habe den Vorteil, dass sie die Ware bis zum Eintreffen der neuen Kollektion loswerde.

Kaufen nach Bedarf

Doch der schöne Herbst habe auch ihr eine kleine Flaute beschert. "Vor zehn Jahren war das noch ein wenig anders. Die Kunden haben vorausschauender gekauft - nicht so wie heute. Jetzt kauft jeder nach Bedarf", erklärt Thomas. "Wenn sich das so einpendelt, dass die Herbste immer schöner werden, sollte man darüber nachdenken, ob die ersten Winterjacken später geliefert werden sollten, nicht schon im August." Thomas hat noch eine andere Vermutung, warum die Kunden ausbleiben. "Ich kann mir vorstellen, dass Krisen auf die allgemeine Stimmung drücken. Die Menschen halten ihr Geld zusammen." Eine Kundin habe erzählt, sie habe sich einen Reisepass ausstellen lassen, falls sie fliehen müsse, erzählt Thomas und zuckt mit den Schultern. Kellermann sei ebenfalls der Meinung, dass Krisen die Kauf-Stimmung beeinflussen. "In der Textilbranche sparen die Menschen zuerst", sagt Kellermann.

Andreas Raab, Vorsitzender der Park- und Werbegemeinschaft Amberg e. V., sieht das anders. "Es mag sein, dass die Krisen unterschwellig in den Köpfen der Kunden sind. Allerdings trifft das eher auf größere Investitionen zu, die sich die Menschen vielleicht noch einmal überlegen." Raab glaubt nicht, dass der Kunde sich einen Mantel deshalb nicht kauft, weil es gerade irgendwo auf der Welt Krieg gebe. Das Wetter hingegen spiele in der Textilbranche sehr wohl eine Rolle.

Dass der warme Herbst schlecht fürs Geschäft ist, kann auch Arthur Lingelbach, Verkäufer beim Herrenausstatter "Turban" in Weiden bestätigen. "Die Übergangsjacken gingen in den letzten Monaten zwar ganz gut, das Geschäft mit den Winterjacken kommt aber jetzt erst langsam ins Rollen", berichtet Lingelbach. Ein Minus im Umsatz verzeichne der Herrenausstatter jedoch nicht. "Wir versuchen, uns saisonunabhängig aufzustellen. Natürlich haben wir auch Pullover für die kalte Jahreszeit, aber Hemden und Anzüge können die Herren immer tragen."

Acht Jahre keine Kleidung

Kunden bräuchten laut Kellermann einen Anlass, um einzukaufen. "Wer eine Einladung für eine Veranstaltung hat, kauft sich einen Anzug", sagt der Geschäftsführer für den Bezirk Oberpfalz-Niederbayern vom Handelsverband Bayern. "Und wer friert, kauft sich einen Pulli." Teilweise würden die Modeindustrie und die Geschäfte auch Anlässe selbst schaffen - zum Beispiel mit wechselnden Trendfarben.

"Der durchschnittliche Deutsche braucht eigentlich acht Jahre lang keine Kleidung mehr kaufen. Die Schränke sind rappelvoll. Wäre das aber nur ein Jahr der Fall, würden alle Geschäfte pleitegehen." Farben, wechselnde Schnitte und Rabatte würden die Menschen dazu anregen, neue Kleidung zu kaufen.

Bring-Service neuer Trend

Viele Verkäufer zögen bei den Preisen mit dem Internethandel mit, um Kunden zu locken. Allerdings habe der E-Commerce laut Ministerium im Gegensatz zum Einzelhandel Zuwachsraten je nach Branche im zweistelligen Bereich. Kellermann hält dagegen: "Der Kunde muss den Service, den er im Geschäft bekommt, erkennen." Die Verkäufer könnten beraten und der Kunde das Produkt anprobieren. Das seien Vorteile, die das Internet nicht biete.

Ein neuer Trend für den Einzelhandel könne außerdem der Bring-Service werden. "Der Kunde probiert die Kleidung im Geschäft, bezahlt sie und nennt eine Uhrzeit, zu der die Ware nach Hause geliefert werden soll", erklärt Kellermann. In München und Nürnberg gebe es das schon. Der Vorteil: Der Kunde müsse seine vollen Einkaufstaschen nicht durch die Stadt oder auf Termine mitschleppen.
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